Mann wird für Mord an seiner Freundin verhaftet und trauert darüber, GTA 6 zu verpassen

Der Brite Robert Richens präsentiert sich mit einer äußerst fragwürdigen Einordnung von Prioritäten.

Mann trauert wegen GTA
Fragwürdige Prioritäten, die der Brite nach dem Mord an seiner Freundin zeigt. | © Rockstar Games / Thames Valley Police

Der Satz fiel wohl beiläufig, fast wie ein Reflex: "Dann verpasse ich ja GTA 6." Und obwohl er sicher nicht der erste und auf gar keinen Fall der einzige war, der sich Sorgen darum machte, das nächste Game der Reihe nicht spielen zu können, gingen die Worte von Robert Richens viral.

Der Grund dafür ist ein ziemlich ernster: Der Brite wird wegen des Mordes an seiner eigenen Freundin von der Polizei abgeführt, während er dem Release eines Rockstar-Games hinterhertrauert.

Lebenslang für Mord – Reue nur fürs Game

Die britischen Medien zeigten sich erschüttert, als Richens am 6. Februar 2026 am Oxford Crown Court erfuhr, dass er für mindestens 16 Jahre in Haft sein wird und danach überhaupt erst eine Chance darauf besteht, dass er irgendwann aus dem Gefängnis freikommen könnte – nicht aber, wegen der Strafe, sondern der Reaktion des verurteilten Mörders.

Denn statt zu reflektieren, in Gedanken bei seiner ehemaligen Partnerin Rachael Vaughan und ihren Hinterbliebenen zu sein, denkt Richens an Grand Theft Auto.

Es klingt wie eine Szene aus einer bitteren Satire, zeigt aber, wie für viele Leute der Bezug zur Realität durch Hypes um Videospiele mehr und mehr verschwimmt.

Hype abseits der Vernunft

Wie die Polizei von Thames Valley berichtet, rief Richens am 30. Mai letzten Jahres selbst den Notruf und behauptete, versehentlich jemanden ermordet zu haben. Ermittler und Richter waren später allerdings anderer Meinung – für sie war die ehemalige Partnerin des Briten Opfer eines gewalttätigen Angriffs geworden, der letztlich zu ihrem Tod führte. Für den Richter war klar, dass die Tat gefühllos und gnadenlos begangen worden war.

Wie wenig Mitgefühl er zeige, belegt der Richter auch durch den inzwischen viral gegangenen Clip, als Richens abgeführt wird und sagt "Ich werde GTA verpassen." Einer der Beamten antwortete darauf nüchtern, dass er dafür bald "ewig Zeit haben würde" – was die Fallhöhe zwischen Vorfreude auf ein Game und der absoluten Reulosigkeit bezüglich eines Mordes nur noch verdeutlicht.

GTA 6 ist kein normales Game mehr. Es ist ein globales Ereignis. Seit Jahren ranken sich Gerüchte, Trailer-Reaktionen erreichen Millionen Klicks in Stunden, und jede noch so kleine Information wird analysiert wie eine politische Rede. Das ist an sich nichts Schlimmes. Vorfreude auf ein Spiel ist ein Teil moderner Popkultur. Menschen fiebern Filmen entgegen, Serienfinalen, Fußballturnieren. Warum nicht auch einem Spiel?

Problematisch wird es erst, wenn die Gewichtung verrutscht. Denn bei alledem muss man sich im Klaren darüber sein, dass eine junge Frau ihr Leben verloren hat. Genommen wurde es, von ihrem ehemaligen Partner, der ihre Familie und Freunde nun mit ihrer Trauer zurücklässt. Und so absurd, zynisch und fast witzig es erscheinen mag, dass sich die Sorgen des Briten nur um sein Zockervergnügen drehen, so schrecklich ist die Realität dahinter, in der am Ende eines Femizids noch nicht einmal Reue steht.

Daniel Fersch

Daniel schreibt über so ziemliches alles, was mit Games, Serien oder Filmen und (leider) auch fragwürdigen Streamern zu tun hat – insbesondere, wenn es dabei um Nintendo, Dragon Ball, Pokémon oder Marvel geht....