Einen Tag nach Sauercrowd ging ein Projekt im ähnlichen Stil live. Uncrowd sollte das Event für kleine Streamer werden und ist schon einen Monat später als beendet erklärt worden. Warum dieses Projekt so schnell scheiterte, erfahrt ihr jetzt.
Viele kleinere Streamer wollten am großen Sauercrowd-Event teilnehmen und erhielten nie die Chance dazu. Ein ähnliches Event, namens Uncrowd, wurde dann speziell für "kleinere" Streamer ausgerufen. Das Regelwerk war gleich. Die Motivation der Leute ähnlich hoch. Trotzdem musste einen Monat später das Ende des Projekts verkündet werden – und das hatte auch ideologische Gründe.
Zu wenig Spieler oder doch ein Fehler in der Orga?
Das Projekt kämpfte bereits längere Zeit mit sinkenden Spielerzahlen. Zusätzlich dazu stiegen ziemlich zu Beginn einige Personen aus dem Leitungsteam aus. Als dann auch noch Dxmx, derjenige, der das Projekt ins Leben gerufen hatte, seinen Rücktritt erklärte, hielt es die Streamer des Events trotzdem nicht auf, weiterzumachen.
Die Leitung ging an den über 600 Follower starken Streamer Sentryy_98. Der anscheinend durch sein Engagement als Offizier positiv aufgefallen war. Das Event lief weiter, trotz der sinkenden Spielerzahlen, was zu einem Großteil auch dem Prepatch zu World of Warcraft Midnight und The Burning Crusade zu verdanken war.
Immer wieder gab es Diskussionen über die Öffnung des Guildfound-Prinzips. Einer der Grundpfeiler des Events. Auch wenn von beiden Seiten gute Argumente vorgebracht wurden, schlug der Tonfall innerhalb der Gilde immer mehr in eine aggressive und beleidigende Richtung um.
Entscheidungen, die innerhalb der Community über Abstimmungen getroffen wurden, wurden teilweise nur einen Tag später von dem neuen Orga-Team revidiert. Gildenmeetings mangelte es an Struktur und Klarheit.
Einige der Gründe, warum über die Zeit immer mehr Streamer sich vom Event zurückzogen. "Es gab zu wenig aktive Spieler", war meistens die Begründung. Strafen wurden teilweise nicht konsequent verhängt und das Regelwerk immer weiter aufgeschwemmt.
Der Höhepunkt des Konflikts
Die Streitigkeiten innerhalb des Gildenchats weiteten sich auf die Offiziersebene aus. Man war sich eigentlich nicht mehr so richtig einig, wie man das Projekt retten wollte, egal ob man das Projekt überhaupt retten musste.
Eigene Interessen wurden häufig vorne angestellt und dann fiel schließlich die Entscheidung, Guildfound aufzulösen, und das, nachdem den beteiligten Streamern deutlich gesagt wurde, dass man in einem Zeitraum von zwei Wochen erstmal versucht, Werbung zu machen und neue Mitglieder zu generieren, bevor man das Grundprinzip des Events auflöst.
Ein Großteil der Mitglieder war dafür gewesen und dann kam die Ankündigung, die den vorletzten Sargnagel in das Holz schlug. Guildfound wird offiziell aufgelöst. Mehrere Offiziere sowie Mitglieder des Events, verkündeten nach dieser Änderung ihren Ausstieg.
Nicht weil es ihnen nicht nach der Nase ging, sondern weil seit Wochen die Kommunikation immer am Hinken gewesen war und man das Vertrauen in die neue Projektleitung vollständig verloren hatte.
Dennoch hielten sich einige im Projekt. Zumindest bis der letzte Tropfen das Fass zum Überlaufen brachte, als das X-Profil des neuen Leiters Sentry im Discord-Server geteilt wurde.
WoW wird politisch
Auf seinem Twitter-Profil teilt Sentry offen sein diskriminierendes Gedankengut. "Transfrauen sind Männer, holt euch Hilfe“, schreibt er. „Trans zu sein ist eine psychische Störung und nichts, was wir erlauben oder unterstützen sollten“, sagt er in einem weiteren Post.
Von Transfeindlichkeit, Homophobie, Rassismus und Sexismus fand sich alles auf seinem Profil (viele der Posts wurden mittlerweile gelöscht.). Der Twitter-Account ließ einen Großteil der Mitglieder schockiert das Weite suchen.
Im Discord fanden weiterhin Diskussionen darüber statt, ob Politik jemals in dieses Event hätte gebracht werden dürfen. Sollte sich diese Frage stellen, wenn es ein Event mit Streaming-Pflicht ist und das neue Gesicht so etwas publiziert?
Sentry ist sich keiner Schuld bewusst. Er publiziert nur seine Meinung und diese hätte bei diesem Event nie etwas zu suchen gehabt. Die verbliebenen Offiziere geben ihm Recht. WoW hätte nie politisch werden sollen.
Auch hier stellt sich eine Frage: Kann man so etwas heraushalten, wenn man auf seinem Twitch- und auf seinem Discordprofil eben diesen X-Account verlinkt hat? Kann man Politik raushalten, wenn Menschen anfangen, sich unwohl zu fühlen?
Viele der ehemaligen Mitglieder zeigten gegen dieses Verhalten eine klare Kante. Der Betreiber der Seite WoWFusion distanzierte sich augenblicklich vom Projekt und war schockiert über das, was die neue Leitung im Internet teilte. WoWFusion hatte Uncrowd schon ziemlich von Beginn an unterstützt, hat die Gilde jetzt aber von der Seite genommen.
Auch Dxmx distanzierte sich von der Meinung des neuen Gildenleiters, ebenso taten dies einige ehemalige Mitglieder. Teilweise onstream und teilweise über TikTok-Statements.
Die Scherben aufsammeln
Was dieses Projekt allerdings bewiesen hat, ist, dass es reicht, eine motivierte Gemeinschaft zu haben, um etwas Großes aufzubauen. Aus den Trümmern von Uncrowd hat sich mittlerweile eine neue Gilde aus den ehemaligen kleinen Streamern erhoben. Passend für das, für was sie steht, befindet sich UNITED gerade im Aufbau.
Mittlerweile wurde Uncrowd vom ehemaligen Initiator Dxmx öffentlich für beendet erklärt. Ein offizielles Statement gab es seitens von Sentry nie und vermutlich wird es auch keines mehr geben.
Die verbliebenen, die sich auf einen neuen Discord-Server geflüchtet haben, stehen weiterhin für das ein, was sie zu Beginn zusammengebracht hat. World of Warcraft Hardcore. Es sind Freundschaften und Communities entstanden und das kann niemand den Streamern von Uncrowd mehr nehmen.
Was bleibt, ist die Aufarbeitung der Ereignisse. Was man daraus lernen kann, ist, sich genau zu informieren, wem man so viel Befehlsgewalt in die Hand drückt. Wäre vorher aufgefallen, wofür Sentry einsteht, hätte sich vielleicht einiges vermeiden lassen.
Wie auch immer man es sieht, man kann es in der Zukunft nur besser machen. Sei es Kommunikation oder der Umgang miteinander, und wer weiß, vielleicht entsteht aus UNITED ja eine Gruppe von Nachwuchsstreamern, die nicht in den nächsten paar Monaten einen Shitstorm kassieren.
Wie seht ihr das Ganze? Wart ihr selbst Mitglieder in der Gilde? Hätte diese Diskussion stattfinden sollen? Schreibt eure Meinung gerne in die Kommentare!