Hat der Drachenlord GTA 6 geleaked?

Über die Gefahr solcher Falschmeldungen, die sich wie ein Lauffeuer im Netz ausbreiten können...

Drachenlord Leaked GTA 6
Der Drachenlord hat die Rockstar-Server nicht gehacked und alles in Gimp neigspeicherd! | © Rockstar / Twitter

Um den Elefanten im Raum direkt mal anzusprechen: Nein natürlich nicht. Rainer Winkler hat GTA 6 nicht geleaked, weil’s cool ist, sondern weil er es gerne leaken wollte – abgesehen davon, hat er’s gar nicht gehacked.

Warum dennoch einige – besonders ausländische – Fans von Grand Theft Auto davon ausgehen, dass der Drachenlord mit der kürzlichen Verbreitung von Gaming-Footage des sechsten Teils der Reihe zu tun haben?

Warum glauben die Amerikaner, dass Winkler GTA 6 geleaked hätte?

Nachdem vor einigen Tagen das Internet brannte, als der User Cyberleek ziemlich überzeugend präsentierte, dass er angeblich nicht nur über zahlreiche, bisher geheime Infos rund um die Veröffentlichung des Games verfüge, sondern das Spiel bereits zocken würde, tat das Internet, was das Internet immer tut: Es vermischte handfeste und weniger glaubwürdige Posts mit absolutem Quatsch, Memes und dreiste Lügen.

Und ganz ähnlich wie vor einigen Monaten, als ein manipuliertes Foto des Drachenlords, welches angeblich das verstorbenen Medienoberhaupt des Irans zeigen sollte viral ging, sind auch diesmal einige US-Kommentatoren dem selben – aber eben anders manipulierten Bilds des "unbesigten Judubbers" auf den Leim gegangen.

Dass dies dahingehend, dass das Game um den Meddelfranken längst tot ist, schon nicht wirklich sooo lustig ist, ist klar – generell sind neue Aktionen darum mittlerweile eher ein wenig peinlich. Ein anderes Problem ist dabei viel eher, wie schnell und ungeprüft Falschinformationen im Internet die Runde machen. Klar, in einem solch banalen Fall wie dem Leak eines Videogames mag dies nicht all zu schlimm wirken, ist es ja auch nicht – in Situationen wo es manchmal um Leben und Tod gehen kann, sieht das jedoch ein wenig anders aus.

Lebensgefährliche Falschmeldungen

Nach Attentaten oder Anschlägen entsteht im Internet häufig ein gefährlicher Wettlauf darum, den Täter möglichst schnell zu identifizieren. Dabei werden Fotos ungeprüft geteilt, Personen aufgrund äußerlicher Ähnlichkeiten beschuldigt oder bewusst falsche Bilder verbreitet. Das kann laufende Ermittlungen gefährden: Behörden werden mit falschen Hinweisen überlastet, Zeugen können durch bereits gesehene Fotos beeinflusst werden und die öffentliche Aufmerksamkeit richtet sich womöglich auf völlig unbeteiligte Menschen. Im schlimmsten Fall erhält der tatsächliche Täter dadurch zusätzliche Zeit.

Wie schnell eine solche Falschmeldung etablierte Medien erreicht, zeigte sich 2019 nach den tödlichen Schüssen in Utrecht. Internet-Trolle verbreiteten auch hier ein Foto des Lords und stellten ihn als Täter dar. Der türkische Fernsehsender 24TV übernahm die Bilder und zeigte sie im Zusammenhang mit dem Anschlag, obwohl der Mann überhaupt nichts mit der Tat zu tun hatte.

Ein anhaltendes Problem

Noch gravierender war die Situation nach dem Anschlag auf den Boston-Marathon 2013. Nutzer auf Reddit hielten den vermissten Studenten Sunil Tripathi aufgrund einer oberflächlichen Ähnlichkeit für einen der Attentäter. Sein Name verbreitete sich rasant, seine Familie wurde mit Nachrichten, Anrufen und Beschuldigungen konfrontiert – obwohl Tripathi nichts mit dem Anschlag zu tun hatte. Reddit entschuldigte sich später für die entstandene digitale Hetzjagd.

Auch nach dem Attentatsversuch auf Donald Trump 2024 wurden Fotos unbeteiligter Personen als vermeintliche Aufnahmen des Schützen verbreitet. Noch bevor gesicherte Informationen vorlagen, wurden Menschen anhand alter Bilder und politischer Zuschreibungen öffentlich beschuldigt.

Die Folgen solcher Falschmeldungen enden nicht mit einer späteren Richtigstellung. Betroffene können Morddrohungen erhalten, ihren Arbeitsplatz verlieren oder dauerhaft mit der Tat in Verbindung gebracht werden. Denn die ursprüngliche Anschuldigung erreicht oft mehr Menschen als die spätere Korrektur. Deshalb sollten Fotos angeblicher Täter nur geteilt werden, wenn sie nachweislich von Polizei, Staatsanwaltschaft oder einer anderen verlässlichen offiziellen Quelle veröffentlicht wurden. In einer unübersichtlichen Situation ist vorsichtiges Abwarten keine Passivität, sondern kann Ermittlungen schützen und verhindern, dass Unschuldige zur Zielscheibe werden.

Daniel Fersch

Daniel schreibt über so ziemliches alles, was mit Games, Serien oder Filmen und (leider) auch fragwürdigen Streamern zu tun hat – insbesondere, wenn es dabei um Nintendo, Dragon Ball, Pokémon oder Marvel geht....