Missbrauch Minderjähriger: Deutscher YouTuber (45) mit schweren Vorwürfen konfrontiert

Bestätigt sind die Vorwürfe nicht, Gehör sollte man den vermeintlichen Opfern zunächst in jedem Fall schenken.

YouTuber Zaaap! sieht sich mit schweren Vorwürfen konfrontiert. | © YouTube / Zaaap! / Zaaap!_Exposed

Gegen den deutschen YouTuber Zaaap! werden schwere Vorwürfe erhoben. Mehrere Personen aus seiner Community werfen ihm vor, als Erwachsener intime Beziehungen zu damals minderjährigen Fans angebahnt und Grenzen überschritten zu haben. Videos mit Aussagen der Betroffenen werden seit September 2026 über den Instagram-Account "exposing_zaaap" verbreitet. Die Vorwürfe sind bislang nicht unabhängig bestätigt.

Wer ist Zaaap!?

Hinter Zaaap! steht Fabian "Fabi" Bang, ein Content Creator Mitte Vierzig. Auf seinem YouTube-Kanal, der seit 2013 besteht, veröffentlicht er regelmäßige Let’s Plays und Livestreams vorwiegend zum Online-Pferdespiel Star Stable Online. Der Kanal hat rund 175.000 Abonnenten – ein großer Teil davon bedingt durch seine Verbindung zur Star Stable-Community – junge Frauen und Mädchen. Und genau aus dieser Richtung werden seit einigen Wochen schwere Vorwürfe erhoben.

Zaaap! soll Nähe zu jungen Mädchen suchen

Nach den öffentlich verbreiteten Schilderungen auf Instagram, TikTok und YouTube sollen Kontakte zu jungen Zuschauerinnen über die Star Stable-Community entstanden sein. Die Betroffenen werfen Zaaap! vor, seine Nähe zu ihnen für intime Beziehungen genutzt und sie zu sexuellen Handlungen gedrängt zu haben. Eine der Personen soll zu Beginn der geschilderten Ereignisse erst 14 Jahre alt gewesen sein.

In einem der Videos sprechen zwei laut eigenen Aussagen Betroffene über ihre Erfahrungen, die von Chatnachrichten über Telefonate bis zu realen Treffen reichen sollen. Dabei soll es auch zum Austausch intimer und freizügiger Inhalte gekommen sein, mindestens eine Person wirft Zaaap! darüber hinaus vor, um 2018 herum eine sexuelle Beziehung mit ihr gehabt zu haben, als sie gerade 16 Jahre alt war.

Auch die Erstellung von KI-Bildern in Bezug auf minderjährige Mitglieder seiner Community wurden kritisiert. Dabei handelte es sich zwar nicht um Inhalte mit sexuellen Darstellungen, die Gründe für die Anfertigung der Bilder scheinen für die Exposer dennoch mehr als fragwürdig.

Eine weitere Aussage soll laut einem Bericht aus der Community von Zaaap!s früherer Partnerin stammen. Sie habe schon während ihrer Beziehung vermutet, dass zwischen ihm und einer minderjährigen Person aus dem Umfeld des Pferdespiels mehr als eine Freundschaft bestand.

Zwischen Vorwürfen, Anschuldigungen und Belegen

Belegt ist, dass die Vorwürfe öffentlich erhoben und in der Community diskutiert werden. Der Account hinter den Veröffentlichungen gibt an, über Chats und Sprachnachrichten zu verfügen; diese Materialien sind jedoch nicht öffentlich überprüfbar. Auch die geschilderten Abläufe und Altersangaben konnte ich nicht unabhängig verifizieren. Eine belastbare öffentliche Stellungnahme von Zaaap! zu den konkreten Vorwürfen oder eine Bestätigung durch Ermittlungsbehörden liegt bisher nicht vor.

Allerdings existiert ein Video das ein Telefonat der Personen hinter dem Exposing-Kanal und Zaaap! zeigen soll und in dem der YouTuber aufgefordert wird, dem Kanal zu gestatten, Inhalte aus dem früheren gemeinsamen Discord öffentlich zugänglich zu machen, wenn er der Meinung wäre, unschuldig zu sein und nicht befürchten müsste, dass die Vorwürfe damit bestätigt werden würden.

Cybergrooming als reale Gefahr

Bisher gibt es keine handfesten Belege zu den Vorwürfen und auch kein Statement Zaaap!s, dennoch sind Vorwürfe dieser Art ernst zunehmen und den vermeintlichen Opfern zunächst in jedem Fall Gehör zu schenken, schließlich handelt es sich bei derartigem Cybergrooming um ein reales Problem.

Dabei beschreibt Cybergrooming, wie Erwachsene über das Internet gezielt Kontakt zu Minderjährigen aufbauen, ihr Vertrauen gewinnen und sie schließlich sexuell ausnutzen. Wenn ein Content Creator junge Mädchen anspricht, kommt ein Machtgefälle hinzu, das noch größer ist, als wenn es lediglich um einen hohen Altersunterschied geht: Das Mädchen kennt und bewundert die Person vielleicht schon lange, während der Creator mit einer privaten Nachricht scheinbar besondere Aufmerksamkeit schenkt. Aus einem harmlos wirkenden Austausch können regelmäßige Gespräche werden. Der Creator macht Komplimente, fragt nach persönlichen Problemen und vermittelt das Gefühl: "Du bist anders als die anderen Fans".

Später kann er Grenzen verschieben, etwa indem er sexuelle Themen anspricht, intime Bilder verlangt oder ein Treffen vorschlägt. Oft bittet er darum, die Gespräche geheim zu halten – angeblich, um das Mädchen oder seine Karriere zu schützen.

Gerade diese schrittweise Entwicklung macht Cybergrooming schwer zu erkennen. Betroffene merken möglicherweise erst spät, dass ihre Bewunderung und ihr Vertrauen ausgenutzt wurden, und schämen sich dann oder fürchten, dass ihnen niemand glaubt. Die Verantwortung liegt jedoch immer bei der erwachsenen Person, die ihre Bekanntheit und den direkten Zugang zu jungen Fans missbraucht. Wer solche Nachrichten erhält, sollte nichts weiter schicken, den Chat sichern und sich an eine Vertrauensperson oder eine Beratungsstelle wenden.

Du bist nicht allein!

Wenn du oder jemand den du kennst, einer solchen Gefahr im Internet ausgesetzt ist, ist es wichtig, sich klar zu machen, dass man damit niemals allein ist. Wenn Jugendliche und Kinder sich nicht an ihre Eltern wenden können oder wollen, gibt es auch professionelle Hilfe, die komplett anonym wahrgenommen werden kann.

Die Nummer gegen Kummer ist für jeden, den etwas belastet und sich alleine nicht mehr zu helfen weiß, als anonymes Hilfs-und Beratungsportal da:

Kinder und Jugendliche erreichen sie Montag bis Samstag von 14 bis 20 Uhr unter der 116 111

Für Eltern gibt es von Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr die 0800 – 111 0 550

Darüber hinaus ist auch eine Online/Mail-Beratung möglich.

Das Hilfe-Portal Sexueller Missbrauch ist Montag, Mittwoch und Freitag von 9-14Uhr und Dienstag und Donnerstag von 15 bis 20 Uhr unter der Telefonnummer 0800 – 22 55 530 anonym zu erreichen.

Daniel Fersch

Daniel schreibt über so ziemliches alles, was mit Games, Serien oder Filmen und (leider) auch fragwürdigen Streamern zu tun hat – insbesondere, wenn es dabei um Nintendo, Dragon Ball, Pokémon oder Marvel geht....