MontanaBlack, seine Medikamentensucht und die Vorbildfunktion von Streamern

Monte spricht offen über seine Süchte und stößt damit auch wieder eine Diskussion über die Vorbildfunktion von Influencern an.

Monte Bett
Monte stellt seine Erfolge – aber auch seine Niederlagen zur Schau. | © MontanaBlack / Twitch

Wenn einer der bekanntesten Streamer Deutschlands über persönliche Probleme spricht, sorgt das automatisch für Aufmerksamkeit. MontanaBlack, bürgerlich Marcel Eris, hat in einem Livestream offen darüber gesprochen, dass er ein überaus schwieriges Verhältnis zum Hustenmedikament Wick MediNait entwickelt habe. Seine Schilderungen über Abhängigkeit, Konsum und gesundheitliche Folgen werfen nicht nur Fragen über Sucht, sondern auch über die Rolle von Influencern als Vorbilder auf.

Offenheit als Teil seiner Persönlichkeit

MontanaBlack ist seit Jahren dafür bekannt, sehr direkt über sein Leben zu sprechen. Er hat wiederholt von seiner schwierigen Vergangenheit berichtet, von Drogenproblemen, Abstürzen und seinem Weg zurück in ein geordnetes Leben. Viele Fans schätzen genau diese Ehrlichkeit. Sie wirkt authentisch, nahbar und ungeschönt.

Als er nun erzählte, dass er nach einer Erkältung begonnen habe, regelmäßig Wick MediNait zu nehmen und daraus eine Gewohnheit geworden sei, knüpfte er an diese Offenheit an. Er beschrieb, dass er zu Suchtverhalten neige und dass selbst scheinbar harmlose Dinge bei ihm schnell problematisch werden könnten. Auch körperliche Beschwerden durch Überdosierung sprach er an.

Wenn der Alltag zur Gefahr wird

Gerade der Aspekt, dass es sich nicht um klassische Drogen, sondern um ein frei erhältliches Erkältungsmedikament handelt, machte die Geschichte für viele Menschen greifbar. Sie zeigt, dass Abhängigkeit nicht immer mit illegalen Substanzen beginnt. Auch Gewohnheiten im Alltag können sich verfestigen, besonders bei Menschen, die grundsätzlich anfälliger für Sucht sind.

Monte sagt auch, dass es sich dabei gar nicht um seine "aktuellste Baustelle" handele, sondern da auch viele andere Verlockungen seien, wie E-Zigaretten oder Glücksspiel.

Die Offenheit kann in diesem Zusammenhang durchaus eine positive Wirkung haben. Sie macht deutlich, dass niemand völlig davor geschützt ist, problematische Muster zu entwickeln – selbst dann nicht, wenn man vermeintlich nur ein Medikament gegen Erkältungssymptome nutzt.

Doch genau hier beginnt auch die kritische Diskussion.

Die Macht der Worte bei großer Reichweite

MontanaBlack erreicht täglich ein Millionenpublikum, viele seiner Zuschauer sind jung. Für sie ist er nicht nur ein Entertainer, sondern eine Identifikationsfigur. Sie beobachten, wie er lebt, was er denkt und wie er mit Problemen umgeht.

Wenn jemand mit dieser Reichweite über Suchtverhalten spricht, hat das Gewicht. Selbst wenn es als Warnung gemeint ist, kann der lockere Ton eines Streams dazu führen, dass Aussagen verharmlosend wirken. Besonders jüngere Menschen könnten den Ernst der Lage unterschätzen oder die Geschichte eher als kuriose Anekdote wahrnehmen als als ernstes Problem.

Influencer bewegen sich hier auf einem schmalen Grat: Zwischen ehrlicher Selbstoffenbarung und ungewollter Normalisierung riskanten Verhaltens.

Vorbilder – ob gewollt oder nicht

Viele Creator betonen, dass sie keine Vorbilder sein möchten. In der Realität sind sie es dennoch. Wer täglich von hunderttausenden oder sogar Millionen Menschen gesehen wird, prägt automatisch Meinungen, Einstellungen und Lebensstile.

Das bedeutet nicht, dass Influencer perfekt sein müssen oder ihre Probleme verstecken sollen. Im Gegenteil: Gerade das Eingestehen von Schwächen kann helfen, Themen wie Sucht zu enttabuisieren. Es zeigt, dass auch erfolgreiche Menschen kämpfen und nicht alles im Griff haben.

Doch mit dieser Offenheit kommt Verantwortung. Aussagen über Konsum, Abhängigkeit oder gesundheitliche Risiken sollten bewusst eingeordnet werden. Es macht einen Unterschied, ob etwas als Warnung formuliert wird – oder ob es wie eine beiläufige Story aus dem Alltag klingt.

Zwischen Authentizität und Verantwortung

MontanaBlacks Stärke war immer seine Direktheit. Er spricht aus, was er denkt, ohne sich stark zu filtern. Genau das hat ihm seine enorme Popularität eingebracht. Doch je größer die Reichweite wird, desto stärker wächst auch die gesellschaftliche Wirkung seiner Worte.

Gerade bei Themen wie Sucht ist Sensibilität wichtig. Viele Zuschauer sind noch in einer Phase, in der sie sich orientieren. Sie beobachten, was „normal“ ist und was nicht. Wenn bekannte Persönlichkeiten über ihre Abhängigkeiten sprechen, kann das sowohl abschreckend als auch – unbeabsichtigt – verharmlosend wirken.

Deshalb ist es entscheidend, Risiken klar zu benennen, Konsequenzen sichtbar zu machen und deutlich zu sagen, dass problematischer Konsum kein harmloses Thema ist.

Daniel Fersch

Daniel schreibt über so ziemliches alles, was mit Games, Serien oder Filmen und (leider) auch fragwürdigen Streamern zu tun hat – insbesondere, wenn es dabei um Nintendo, Dragon Ball, Pokémon oder Marvel geht....