Die einstigen Vorwürfe wendeten sich schnell gegen das DoorDash-Girl.
Olivia Henderson – besser bekannt als DoorDash-Girl – prangerte die vermeintliche, sexuelle Belästigung eines Kunden an, in dem sie Bilder und Videos der angeblichen Tat ins Internet stellte – genau dies wurde ihr zum Verhängnis und könnte sie am Ende sogar ins Gefängnis bringen.
DoorDash-Girl und das TikTok-Video
Der Fall von Olivia Henderson ereignete sich im Oktober 2025 in Oswego im US-Bundesstaat New York und wurde vor allem durch ein virales TikTok-Video bekannt. Henderson, damals 23 Jahre alt, arbeitete als Fahrerin für DoorDash und lieferte Essen an einen Kunden.
Als sie ankam, fand sie den Mann in seinem Haus auf dem Sofa liegend vor. Eigentlich hätte sie die Lieferung wie vereinbart vor der Haustür abstellen sollen, als sie jedoch feststellte, dass sich die Tür einfach aufdrücken ließ, verschaffte sie sich Zugang zum Innenbereich. Dort lag der Kunde betrunken und schlafend auf seinem Sofa, seine Hose geöffnet und heruntergezogen.
Henderson filmte die Situation mit ihrem Handy und veröffentlichte das Video später auf TikTok, wo es sich millionenfach verbreitete. Dabei stellte sie den Vorfall öffentlich so dar, als sei sie Opfer von sexueller Belästigung oder sogar eines sexuellen Übergriffs geworden.
Im Anschluss meldete sie den Vorfall auch der Polizei und erhob entsprechende Vorwürfe gegen den Kunden. Die Ermittlungen ergaben jedoch ein anderes Bild: Laut Polizei war der Mann stark alkoholisiert und bewusstlos auf seinem Sofa eingeschlafen. Es gab keine Hinweise darauf, dass er Henderson absichtlich provozieren oder belästigen wollte.
Reaktionen auf haltlose Vorwürfe
Stattdessen geriet Henderson selbst ins Visier der Behörden, ihres Arbeitgebers und TikTok selbst. Der Vorwurf: Sie habe eine Person in deren Privatwohnung ohne Zustimmung gefilmt und das Material anschließend im Internet verbreitet. Das stellt nach US-Recht eine Verletzung der Privatsphäre dar. Sie wurde deshalb wegen „unlawful surveillance“ und der Verbreitung solcher Aufnahmen angeklagt – Delikte, die im schlimmsten Fall mit mehreren Jahren Haft geahndet werden können.
Auch DoorDash reagierte und sperrte ihren Account, da das Veröffentlichen von Aufnahmen aus der Wohnung eines Kunden klar gegen die Unternehmensrichtlinien verstößt.
Nachdem auch TikTok kurz nach dem Upload der Videos reagiert hatte und diese löschte, kritisierte Henderson in einem emotional aufgeladenen Video die angebliche Ungerechtigkeit dahinter, schimpfte darüber, dass die Welt den Männern gehöre und man nicht vergessen dürfe, dass sie das eigentliche Opfer sei.
Haftstrafe wegen Rache-Porno?
Nach der kürzlich festgestellten strafrechtlichen Indizierung ist klar, dass Henderson sich in Kürze vor Gericht verantworten und mit einem Urteil rechnen muss – über den Ausgang dieses, ist sich das Internet jedoch unsicher.
Für viele Kritiker und Beobachter der Situation scheint jedoch klar, dass Henderson mit keiner hohen Strafe rechnen müsse, wobei dieser Eindruck wohl vor allem von anderen Fällen geprägt scheint, in welchen TikToker mit einem erschreckend niedrigen Strafmaß rechnen mussten, wie etwa Wolfie Kahletti, der für das Vergiften von Lebensmitteln in einem Supermarkt auf Bewährung freikam.
Andere Stimmen, wie etwa Rechtsberater und Anwalt Andrew Asquire verweisen auf das New Yorker Bürgerrechtsgesetz 52-B hin, das gemeinhin als “Rage Porn Law” oder eben “Rache-Porno-Gesetz" bekannt ist.
Dieses soll eigentlich Opfer solcher Inhalte schützen, bei welchen – vorwiegend Männer – freizügiges Bildmaterial von Frauen ins Netz stellen, um sich an ihnen zu rächen. Allerdings deckt dieses Gesetz eben nicht nur Fälle ab, die aus einer romantischen Beziehung, gemeinsamem Verkehr oder einer sonstigen Bindung heraus entstehen, sondern allgemein das geheime Aufnehmen von entkleideten Körpern und die Veröffentlichung dieses Materials.
Vor diesem Hintergrund könnte Henderson mit einer Strafe von bis zu 500.000 Dollar oder gar einer Gefängnisstrafe von bis zu 8 Jahren rechnen – als erstmalige Straftäterin ist allerdings davon auszugehen, dass das Urteil deutlich geringer ausfallen wird.
Ein Bärendienst für echte Opfer
Ein großes Problem an den haltlosen Anschuldigungen Hendersons ist der Bärendienst, welchen er tatsächlichen Opfern sexueller Belästigung erbringt. Wo Frauen es allgemein und ohnehin schon schwer haben, derartige Vergehen zur Anzeige zu bringen, sich Gehör zu verschaffen oder überhaupt Glauben geschenkt zu bekommen, werden Einzelfälle wie der des DoorDash-Girls von entsprechenden Bewegungen und Ideologien immer wieder und verstärkt genutzt, um anderen Vorwürfen, wie dem Fall Collien Fernandes gegen Christian Ulmen, ihre Glaubwürdigkeit zu nehmen.
Klar muss sein, dass es durchaus Frauen geben mag, die in solchen Fällen die Täter sind, unbestritten bleiben sollte dabei aber auch, dass in den allermeisten Fällen den Opfern aber geglaubt werden sollte.