Rank Decay in League: Warum Master+ für viele Spieler wie ein Nebenjob wirkt

Rank Decay in League of Legends ist notwendig, aber nicht perfekt.

Rank Decay Master League
Schießt Riot mit der aktuellen Regelung über das Ziel hinaus? | © Riot Games

Rank Decay soll in League of Legends eigentlich ein sinnvolles Ziel erfüllen: Die höchsten Ränge sollen aktive Spieler zeigen, nicht Accounts, die einmal Master erreicht haben und dann monatelang geparkt werden. Ein aktueller Reddit-Thread zeigt aber, warum die Diskussion gerade wieder hochkocht. Viele Spieler verstehen, warum Decay existiert – finden die Master+-Regeln aber trotzdem zu hart.

Was Rank Decay eigentlich verhindern soll

In einem kompetitiven Ranked-System braucht die Ladder Bewegung. Wenn Spieler ganz oben angekommen sind und ihren Rang danach einfach nicht mehr anfassen, blockieren sie Plätze, verzerren die Rangliste und machen es für aktive Spieler schwerer, sich fair zu vergleichen. Besonders in Grandmaster und Challenger ist das logisch, weil diese Ränge nur begrenzte Slots haben.

Decay ist Riots Antwort darauf. Wer in hohen Rängen bleibt, soll regelmäßig zeigen, dass er weiterhin aktiv ist. Das schützt die Integrität der Ladder und verhindert, dass ein alter Peak dauerhaft wie aktuelle Spielstärke aussieht.

Das Problem beginnt aber bei Master. Master ist zwar offiziell ein Apex-Tier, funktioniert für viele Spieler aber anders als Grandmaster oder Challenger. Es ist kein exklusiver Top-300- oder Top-1000-Bereich, sondern für sehr gute, aber nicht zwingend professionelle Spieler erreichbar. Genau deshalb fühlt sich die gleiche Decay-Logik dort für viele zu streng an.

Warum Master+ so hart wirkt

Laut Riot bekommen Master-, Grandmaster- und Challenger-Spieler pro gespieltem Ranked-Game nur einen banked day. Maximal können sie 14 Tage ansparen. Ist diese Bank leer, verlieren sie 75 LP pro Tag. Wer also zwei Wochen nicht spielen kann, muss vorher 14 Ranked-Games spielen, um safe zu sein.

In Diamond ist das deutlich entspannter: Ein Spiel bringt sieben banked Days, maximal 28 Tage sind möglich, und Decay kostet 50 LP pro Tag. Der Sprung von Diamond zu Master ist deshalb brutal. Vor Master reicht gelegentliches Spielen. Ab Master fühlt sich Ranked plötzlich so an, als müsse man fast täglich einplanen, den Account aktiv zu halten.

Genau das kritisiert die Community. Viele Master-Spieler sind keine Vollzeit-Streamer oder Pros. Sie haben Arbeit, Studium, Familie, Reisen oder einfach Phasen, in denen sie nicht jeden Tag League spielen wollen. Für diese Gruppe fühlt sich das System weniger wie Ladder-Integrität und mehr wie ein Zwang an.

Warum Riot Decay nicht einfach entfernen kann

Trotzdem wäre es zu einfach, Decay komplett abzuschaffen. Ohne Decay würden manche Spieler ihre Accounts nach einem Peak nicht mehr anfassen. Gerade kurz vor Season-Ende wäre das problematisch, weil Ränge und Rewards dann stärker von Timing als von aktueller Leistung abhängen könnten.

Außerdem ist Inaktivität in hohen Rängen nicht nur ein persönliches Thema. Wenn ein Spieler nach langer Pause zurückkommt, ist seine sichtbare Platzierung vielleicht noch hoch, aber seine Form nicht unbedingt. Decay zwingt Spieler, wenigstens ein Mindestmaß an Aktivität zu zeigen, damit Rank und aktuelle Spielstärke nicht zu weit auseinanderlaufen.

Die bessere Frage ist also nicht, ob Decay existieren sollte. Die bessere Frage ist, ob Master wirklich dieselben Regeln braucht wie Grandmaster und Challenger.

Master ist der schwierige Sonderfall

Hier liegt der eigentliche Kern der Debatte. Grandmaster und Challenger sind klar kompetitive Spitzenränge mit begrenzten Plätzen. Dort ergibt strenger Decay viel Sinn. Master dagegen ist zwar sehr hoch, aber breiter. Viele Spieler erreichen Master als persönliches Ziel, ohne danach ernsthaft um Challenger zu kämpfen.

Für diese Spieler wirken 75 LP pro Tag besonders hart. Wer 200 LP erreicht, zwei Wochen weg ist und nicht genug Games vorbankt, kann einen großen Teil seines Fortschritts verlieren, obwohl sich seine MMR nicht automatisch genauso stark verändert. Das sichtbare Ranking fällt, während das System im Hintergrund weiterhin versucht, die echte Spielstärke einzuordnen.

Ein möglicher Kompromiss wäre deshalb, Master anders zu behandeln: mehr banked Days pro Game, eine größere Bank oder geringere LP-Verluste unterhalb einer bestimmten LP-Grenze. Riot könnte Master damit weiterhin aktiv halten, ohne Casual-Apex-Spieler so stark zu bestrafen wie echte Ladder-Top-Spieler.

Die Community will Aktivität – aber mit Augenmaß

Interessant ist, dass viele Kritiker Decay nicht grundsätzlich ablehnen. Der Tenor ist eher: Ja, hohe Ränge sollten Aktivität verlangen. Nein, Master sollte sich nicht so anfühlen, als müsse man League wie einen Nebenjob planen.

Das ist eine faire Position. Eine Ladder braucht Druck, aber zu viel Druck kann Spieler auch vertreiben. Wer nach dem Erreichen von Master merkt, dass der Rang nur mit dauerhaftem Grind zu halten ist, hört vielleicht nicht nur mit Ranked auf, sondern spielt weniger League insgesamt.

Rank Decay bleibt deshalb ein notwendiges, aber schwieriges System. Riot muss verhindern, dass Spieler hohe Ränge campen. Gleichzeitig sollte der Schritt von Diamond zu Master nicht bedeuten, dass jede Pause sofort teuer wird.

Vielleicht ist die Lösung nicht weniger Decay für alle, sondern genauerer Decay. Challenger darf streng sein. Grandmaster auch. Aber Master könnte mehr Spielraum vertragen. Denn wer Master erreicht hat, sollte aktiv bleiben müssen – aber nicht das Gefühl bekommen, dass der Rang sofort verfällt, sobald das echte Leben dazwischenkommt.

Florian Frick

Flo studiert Sportjournalismus und verbindet bei EarlyGame seine Leidenschaft fürs Schreiben und eSports. Er liebt CS, und zu sagen, dass er emotional werden kann, wenn er seine Lieblingsteams verfolgt, wäre untertrieben....