Far Cry 6 Review | Ein absurd gutes Abenteuer

Far Cry 6 hätte leicht als ein beliebiges Ubisoft-Spiel durchgehen können, ist im Endeffekt jedoch deutlich mehr als nur das. Wir zeigen euch, warum es ein fantastisches Spiel ist, auch wenn es das Rad nicht neu erfindet.
Far cry 6 review
Far Cry 6 ist das beste Ubisoft-Spiel seit Assassin's Creed IV: Black Flag oder Far Cry 3. | © Ubisoft

Wir würden lügen, wenn wir behaupten würden, dass uns Far Cry 6 vor dem Release am 7. Oktober keine Sorgen gemacht hat. Wir haben kein Testmuster für das Spiel erhalten, und das Marketing vor der Veröffentlichung wirkte einfach nur verwirrend, chaotisch und geradezu bizarr, an manchen Stellen. Die Vorstellung, mein hart verdientes Geld für das Spiel auszugeben, machte mir tatsächlich etwas Sorgen. Habe ich meine 70 Euro an ein beliebiges Ubisoft-Spiel verschwendet?

Die Absurdität des Marketings übertrug sich jedoch auf das Spiel selbst, und trotz meiner Frustration über die Story des Spiels hat uns die skurrile Natur des Spiels extrem viel Freude gebracht. Vorbei ist es mit der falschen Ernsthaftigkeit von Far Cry 5: Far Cry 6 umarmt das Absurde auf eine Weise, die sich andere Spiele zu Herzen nehmen sollten. Hier gibt es keinen ernsthaften Kommentar zu, nun ja, irgendetwas. Es ist ein actiongeladenes Sandbox-Spektakel mit einer riesigen Open World, und daran ist nichts auszusetzen.

Far Cry 6 Review: Castillos Yara

Giancarlo Esposito gibt eine atemberaubende Performance als Anton Castillo, dem Hauptbösewicht von Far Cry 6, ab. Jedes Mal, wenn er vor die Kamera kommt, wird die Stimmung schlagartig düster und unheimlich, und er hat während der circa 45 Minuten, die er auf dem Bildschirm zu sehen ist, einige wirklich herausragende Momente (die wir nicht verraten werden). Ehrlich gesagt ist Castillo sowohl die größte Stärke als auch die größte Schwäche von Far Cry 6. Die Performance ist, wie gesagt, fantastisch, aber die Handlung ist löchrig und oft wirken Castillos Beweggründe unverständlich und schwer nachzuvollziehen. Oft wird seine Figur hauptsächlich genutzt, um den Schockwert künstlich zu erhöhen.

Außerdem scheint Far Cry 6, trotz einiger Bemühungen, an einer kleinen Identitätskrise zu leiden. Schließlich handelt es sich um ein albernes Spiel, in dem es darum geht, auf immer bizarrere und unterhaltsamere Weise Dinge in die Luft zu jagen. Es ist ein Spiel über Haustier-Krokodile und tödliche Dachshunden, ein Spiel über CD-schießende Waffen und Raketen-schießende Rucksäcke. Doch manchmal wirkt es, als würde Espositos grimmige Persönlichkeit mit der Absurdität zusammenkrachen, als ob hier zwei verschiedene Spiele vermischt wurden. Wenn die explosive Mischung aber funktioniert, und sich das Spiel mehr auf die satirische Natur dieser Figur einlässt, kann Espositos Anton Castillo mit Vaas von Far Cry 3 mithalten und ist damit stellenweise einer der besten Bösewichte der Reihe.

Auch außerhalb von Esposito ist das Spiel außergewöhnlich gut besetzt, und alle Hauptfiguren werden hervorragend gesprochen und gespielt. Und was für fantastische Charaktere sie sind. Von Dani Rojas, der im Radio mitsingt, bis hin zu Libertads furchtloser Anführerin Clara García - die Charaktere in Far Cry 6 sind bunt gezeichnet und stecken voller Persönlichkeit. Auch die Bösewichte sind sehr unterhaltsam, wobei Maria Marquessa, Castillos Kulturministerin, aus dem Ensemble besonders heraussticht.

Far Cry 6 Review: A riesige, spaßige Welt

Es mag groß sein und voll mit den Klischees, die wir erwartet haben. Aber die Rückkehr zur tropischen Insel, wie wir sie in Far Cry 3 lieben gelernt haben, erweist sich als Volltreffer. Yara bringt einen Sinn für Erkundung und Schönheit mit sich, den wir seit Jahren nicht mehr gesehen haben. Überfüllt, generisch und uninteressant wie einige andere Open Worlds von Ubisoft, ist Yara unserer Meinung nach nicht.

Das war bei Far Cry 5 der Fall, aber ist bei Far Cry 6 nicht mehr so. Was Far Cry 6 dabei hilft, ist, dass es ein viel schnelleres Spiel ist. Man kriegt schnell eine große Vielfalt an Möglichkeiten an die Hand, um die Spielsituationen zu meistern und einfach Spaß zu haben. Es gibt auch einen größeren Anreiz, die vielen Nebenziele zu erfüllen, die rund um Yara verteilt sind. Wenn du konstant mit hoher Geschwindigkeit über die Insel brettern willst: erobere die Kontrollpunkte. Wenn du wie ein Flying Bull rumfliegen willst: schalte die Flugabwehrkanonen aus. Aber das Beste daran? Das alles macht einfach wahnsinnig viel Spaß.


Die, grob an Cuba angelehnte, Insel Yara ist wirklich riesig, aber das Spiel wirkt nie so unübersichtlich und holprig wie z.B. Assassin's Creed: Valhalla. Man kann der Story konsequent folgen und muss nicht, wie in AC, erstmal leveln, um für die nächste Mission stark genug zu sein. Das ist ein sehr positiver Schritt, vor allem für Leute wie uns, die keine 100 Stunden in so ein Spiel investieren können. Versteht uns nicht falsch: Es ist umfangreich genug und bietet genug unterhaltsame Aktivitäten, um wahrscheinlich auch diejenigen von euch an der Stange zu halten, die hundert Stunden Zeit haben. Trotzdem bietet es auch für um die 15-20 Spielstunden ein unterhaltsames und zufriedenstellendes Erlebnis.

Ehrlich gesagt gibt es einfach wahnsinnig viel über die Welt von Far Cry 6 zu erzählen. Es gibt so viel zu sehen, zu tun und zu erkunden, dass die Welt von Far Cry 6 die beste sein könnte, die die Serie je gesehen hat. Sie ist wunderschön, riesig und voller unterhaltsamer Aktivitäten. Sie spiegelt auch die Themen der Erzählung wider und ist voller NPCs, die die Story mit tollen Dialogen und Geschichten unterfüttern. Sie ist außerdem voller Superhelden-Tiere, die man bekämpfen und (Ok, das ist bekannt und auch ein wenig öde) jagen kann. Also mal ernsthaft: Hast du schonmal einen Fisch gesehen, der zwei Magazine schluckt, bis er endlich drauf geht? Verrückt...

Far Cry 6 Review: Ja, auch das Geballer macht immer noch Spaß

Egal, wie tief man in Far Cry 6 eintaucht, man wird nie müde, sich mit dieser Welt zu beschäftigen. Die Waffen haben richtig Wumms und die neue Customization hilft dabei, die Ausrüstung an deinen individuellen Spielstil anzupassen. Allerdings haben diese neuen Anpassungsmöglichkeiten auch einen Nachteil, der eine grundlegende Schwäche von Far Cry 6 darstellt.

Ja, es gibt eine Menge Anpassungsmöglichkeiten in Far Cry 6, aber es gibt wenig Grund, sich damit zu beschäftigen oder zu viel Zeit in Upgrades zu investieren. Ehrlich gesagt, kann man das Spiel mit kleinen Upgrades für die anfängliche Supremo, einer Waffe mit Weichzielgeschossen, einer anderen mit panzerbrechenden Geschossen, einigen Molotovs, Granaten, möglicherweise einer Sniper, Flammenwerfer oder Raketenwerfer spielen und man wird kaum Probleme kriegen. Die Kämpfe im Spiel machen wahnsinnig viel Spaß, sind schnell und können sehr taktisch werden, wenn man es so haben möchte, aber erwarte nicht, dass du dich zu sehr mit den Waffentuning-Systemen des Spiels beschäftigen wirst.

Letztendlich besteht der Erfolg von Far Cry 6 aber darin, dass es die klassischen Elemente eines stereotypischen Far Cry-Spiels aufgreift und bis zum geht-nicht-mehr perfektioniert. Diese riesige offene Welt mit einer großartigen Geschichte und einem furchteinflößenden Bösewicht wird durch unterhaltsames Gameplay und eine schier endlose Anzahl an tollen Aktivitäten zusammengeführt. In Far Cry 6 wird man sich nie langweilen. Bis zum dramatischen Ende und darüber hinaus wird man sich nach mehr sehnen. Das hätte man von den letzten Far Cry-Spielen nun wirklich nicht behaupten können...

Far Cry 6 Review: Das Fazit

Far Cry 6 ist weit entfernt von der Enttäuschung von Far Cry 5 oder der dem Autounfall namens Far Cry Primal. Es ist eine überraschend tolle Erfahrung, die Far Cry trotz seines iterativen Charakters zu seinen Wurzeln zurückführt und das beste Spiel liefert, das Ubisoft seit Jahren veröffentlicht hat.

Tatsächlich gibt es an der Aufmachung des neuesten Far Cry-Abenteuers wenig zu meckern. Die riesige offene Welt von Far Cry 6 hat genau die richtige Größe. Im Gegensatz zu dem aufgeblähten Assassin's Creed Valhalla ist das Durchqueren dieses Archipels alles andere als eine lästige Pflicht. Von der farbenfrohen Sandbox von Yara über die düstere, furchteinflößende Art von Giancarlo Espositos Performance bis hin zum soliden Gameplay - das ist Ubisoft in Bestform.

In den letzten Jahren wurde viel über den iterativen Ansatz von Ubisoft bei Spielen gesprochen. Jeder Titel hat ein paar Schlüsselfunktionen: Basen, die befreit werden müssen, eine Karte, die aufgedeckt werden muss, Waffen und Anpassungen, die vervollständigt werden müssen, Sammelobjekte, die gesammelt werden müssen. Far Cry 6 ist im Grunde nicht anderes. Die Ubisoft-Formel wurde hier aber über alle Maßen perfektioniert. Dies ist ein besonderes Spiel und das beste Spiel, das Ubisoft seit Jahren veröffentlicht hat.

  • Release Date: 7. Oktober, 2021
  • Enwickler: Ubisoft Milan & Ubisoft Toronto
  • Genre: Open World Action-Adventure & Ego-Shooter
  • Spielzeit: 20-25 Stunden (Story + Extras)
  • Plattformen: PlayStation 4, PlayStation 5, Xbox One, Xbox Series X|S, PC

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Originalartikel von Evan Williams