Jeder, der einen Laptop für die Arbeit oder zum Spielen verwendet, dürfte irgendwann mal das zylinderförmige Ding an seinem Ladekabel bemerkt haben. Jedes Laptop-Ladekabel ist mit diesem sogenannten Entstörfilter ausgestattet; aber die meisten wissen nicht, wozu dieser dient. Wir erklären es hier.
Du steckst es ein, dein Laptop lädt – und damit ist die Sache normalerweise erledigt. Trotzdem fällt vielen Menschen irgendwann dasselbe Detail auf: ein klobiger Zylinder, der irgendwo entlang des Ladekabels sitzt, oft nahe am Laptop-Ende. Er sieht ein bisschen aus wie ein versehentlicher „Knoten“ im Kabel, aber er ist absichtlich dort.
Dieser „komische Zylinder“ ist ein Ferritkern
Der Knubbel an vielen Laptop-Ladekabeln nennt sich Ferritkern (manchmal auch Ferritperle genannt). Du kannst ihn dir als kleinen, passiven Filter vorstellen, der unerwünschte elektrische Störungen reduziert, die sich entlang des Kabels ausbreiten.
Einfach gesagt: Der Ferritkern hilft dabei, dass dein Ladegerät keine Störungen in seine Umgebung abstrahlt, und er kann gleichzeitig verhindern, dass dein Laptop Störungen von anderen nahegelegenen elektronischen Geräten aufnimmt.
Welches Problem löst er?
Moderne Elektronik überträgt nicht nur Strom und Daten – sie erzeugt dabei auch winzige Mengen hochfrequenten „Rauschens“ als Nebenprodukt ihrer Funktionsweise. Netzteile, die interne Stromregelung von Laptops und sogar das Kabel selbst können dieses Rauschen erzeugen oder weiterleiten.
Wenn dieses Rauschen als elektromagnetische Störung (oft als EMI abgekürzt) nach außen dringt, kann es sich manchmal durch störende Nebeneffekte bei Geräten in der Nähe bemerkbar machen. In alltäglichen Setups kann das zum Beispiel so aussehen:
- Verringerte Signalqualität bei bestimmten Funkverbindungen in einer vollgestellten Umgebung,
- Audiogeräte, die leises Brummen, Piepen oder Knistern aufnehmen,
- Ältere oder schlecht abgeschirmte Displays, die gelegentlich flackern oder Verzerrungen zeigen.
Nicht jeder wird diese Probleme jemals bemerken, dennoch bauen Hersteller solchen Schutz ein, weil Ladegeräte in allen erdenklichen Umgebungen eingesetzt werden, vom ruhigen Homeoffice bis hin zu kabelüberladenen Gaming-Setups.
Wie ein Ferritkern tatsächlich funktioniert
Im Inneren des Kunststoffgehäuses befindet sich ein Stück Ferrit – ein keramikähnliches Material, das mit hochfrequenten Signalen interagiert. Das Ladekabel wird hindurchgeführt, und der Ferrit wirkt wie eine Drossel für unerwünschtes Rauschen: Er bremst schnelle, hochfrequente Schwankungen deutlich stärker als die normale, niederfrequente Stromversorgung, die dein Laptop benötigt.
Das Ergebnis ist simpel: Das Kabel wird weniger effektiv darin, Störungen weiterzuleiten oder abzustrahlen. Dein Laptop bekommt weiterhin die nötige Leistung, aber das „überschüssige“ elektrische Rauschen wird reduziert, bevor es sich ausbreiten kann.
Oft sitzt der Ferritkern nahe dem Ende, das in den Laptop gesteckt wird. Das ist praktisch, weil so Störungen auf dem Kabelabschnitt in unmittelbarer Nähe des Geräts reduziert werden – und weil das Kabel dort meist weniger bewegt oder belastet wird.
Beeinflusst er die Ladegeschwindigkeit oder Leistung?
Nein – zumindest nicht in dem Sinne, wie man es sich oft vorstellt. Ein Ferritkern ist kein „Leistungsbooster“ und macht das Laden nicht schneller. Seine Aufgabe besteht in sauberer Signalführung und der Einhaltung von Störgrenzwerten: Er sorgt dafür, dass Ladegerät und Laptop problemlos mit ihrer Umgebung koexistieren.
Was ist, wenn dein Ladegerät keinen hat?
Wenn dein Ladekabel keinen externen Ferritkern besitzt, bedeutet das nicht automatisch, dass etwas nicht stimmt. Viele neuere Ladegeräte und Geräte übernehmen die Filterung intern, und manche Kabeldesigns kommen auch ohne sichtbaren Kern aus, um die geltenden Störgrenzen einzuhalten.
Wenn alles einwandfrei funktioniert – stabiles WLAN, keine seltsamen Audiogeräusche, keine Displayprobleme – kannst du das getrost als unproblematisch ansehen.
Kann man selbst einen Ferritkern hinzufügen?
In manchen Fällen ja. Aufsteckbare Ferritkerne sind erhältlich, und sie werden gelegentlich als praktische Maßnahme zur Fehlersuche genutzt, wenn ein Kabel in einem bestimmten Setup offenbar zu Störungen beiträgt. Allerdings sind sie kein Wundermittel, und das Ergebnis hängt stark von der genauen Störquelle und der Anordnung der Geräte ab.
Wenn du kein echtes Störproblem hast, musst du dein Kabel nicht „aufrüsten“. Der Zylinder ist ein leiser Helfer – auffällig vor allem deshalb, weil er seltsam aussieht, nicht weil er Aufmerksamkeit einfordert.