Adam West wäre heute 98: Der beste Batman und Cartoonbürgermeister aller Zeiten

Damals haderte West mit der Rolle des Batmans – später war klar, es war die Rolle seines Lebens.

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Mit seinem farbenfrohen Batman schrieb Adam West Fernseh- und Comicgeschichte. | © ABC / Wikipedia: Alan Light

Am 19. September 2026 wäre Adam West 98 Jahre alt geworden. Seine Interpretation von Batman unterscheidet sich bis heute deutlich von nahezu allen späteren Versionen des Superhelden. Statt Bruce Wayne als gebrochenen Einzelgänger zu zeigen, verkörperte West ihn als höflichen, optimistischen und vollkommen pflichtbewussten Verbrechensbekämpfer.

Der Schauspieler bewies dabei ein außergewöhnliches Gespür für trockenen Humor. Während Gotham City um ihn herum in grellen Farben, absurden Erfindungen und überdrehten Schurken versank, bewahrte sein Batman stets den größtmöglichen Ernst. Genau dieser Kontrast machte die Serie zu einem Kultphänomen.

Wie William Anderson zu Adam West wurde

Geboren wurde der Schauspieler am 19. September 1928 in Walla Walla im US-Bundesstaat Washington. Sein ursprünglicher Name lautete William West Anderson. Nach seinem Studium am Whitman College arbeitete er zunächst beim Radio und sammelte auf Hawaii erste Erfahrungen vor der Kamera.

In den 1950er- und frühen 1960er-Jahren war West regelmäßig in kleineren Filmrollen, Werbespots und Fernsehproduktionen zu sehen. Besonders häufig trat er in Westernserien auf. Er galt als zuverlässiger Darsteller, war vom Status eines internationalen Stars aber noch weit entfernt.

Das änderte sich 1966 schlagartig. West erhielt die Doppelrolle als Millionär Bruce Wayne und maskierter Held in der Fernsehserie Batman. Anstatt die verrückte Welt der Serie mit offensichtlichem Augenzwinkern zu kommentieren, spielte er seine Figur konsequent ernst. Selbst die absurdesten Dialoge sprach er mit voller Überzeugung.

Um ihn herum explodierte eine regelrechte Pop-Art-Version von Gotham: Bösewichte trugen schrille Kostüme, Kämpfe wurden von eingeblendeten Geräuschwörtern begleitet und für beinahe jedes Problem existierte ein passendes Bat-Gadget. West bildete mit seiner kontrollierten und leicht steifen Art den ruhenden Mittelpunkt dieses Chaos.

Die Serie lief von 1966 bis 1968 und brachte zusätzlich den Kinofilm Batman hält die Welt in Atem hervor. Lange bevor Michael Keaton, Christian Bale oder Robert Pattinson das Kostüm anzogen, war Adam West für Millionen Zuschauer das Gesicht des Dunklen Ritters.

Ein Batman ohne Finsternis

Wests Interpretation verzichtete fast vollständig auf jene psychologische Düsternis, die spätere Verfilmungen bestimmen sollte. Sein Batman war weder rachsüchtig noch moralisch zwiespältig. Er glaubte an Gesetze, Disziplin, Bildung und ein respektvolles gesellschaftliches Miteinander.

Aus heutiger Sicht wirken viele seiner Belehrungen bewusst übertrieben. Batman erinnerte an Verkehrssicherheit, gutes Benehmen und die Verantwortung gegenüber anderen Menschen. Darin lag jedoch ein wichtiger Teil der damaligen Wirkung: Für Kinder war er nicht nur ein kostümierter Kämpfer, sondern eine verlässliche moralische Autorität.

Der Humor entstand nie dadurch, dass West seinen Helden lächerlich machte. Im Gegenteil: Er behandelte jede noch so verrückte Situation mit absoluter Ernsthaftigkeit. Ohne diese präzise Darstellung hätte der besondere Ton der Serie kaum funktioniert.

Als die berühmteste Rolle zur Belastung wurde

Nach der Absetzung von Batman zeigte sich die Kehrseite seines Erfolgs. West war so eng mit der Figur verbunden, dass Produzenten ihn kaum noch als jemand anderen besetzen wollten. Er arbeitete weiterhin in Filmen und Serien, bekam jedoch nur selten die Gelegenheit, sich vollständig von seinem Superhelden-Image zu lösen.

Mit der Zeit fand West einen eigenen Umgang mit diesem Problem. Er hörte auf, vor der Rolle davonzulaufen, und machte seinen Kultstatus stattdessen zum Bestandteil seiner späteren Karriere. Seine Fähigkeit, über das eigene Image zu lachen, eröffnete ihm zahlreiche Auftritte in Comedy- und Animationsserien.

So war er unter anderem in Die Simpsons, Futurama, Cosmo und Wanda und Kim Possible zu hören. Häufig spielte er Varianten seiner eigenen öffentlichen Persönlichkeit – charmant, merkwürdig und mit einem sehr trockenen Verständnis für den jeweiligen Witz.

Eine neue Generation kannte ihn aus Family Guy

Seine wohl bekannteste späte Rolle begann im Jahr 2000. In Family Guy sprach West den Bürgermeister von Quahog, der ebenfalls Adam West hieß. Dabei handelte es sich nicht bloß um einen kurzen Gastauftritt, sondern um eine wiederkehrende Figur mit einer vollkommen eigenen absurden Persönlichkeit.

Der animierte Bürgermeister war paranoid, unberechenbar und hoffnungslos ungeeignet für sein Amt. Er führte Gespräche mit Gegenständen, entwickelte sonderbare Verschwörungstheorien und verlor sich regelmäßig in chaotischen Machtfantasien. West sprach ihn mit derselben Überzeugung, die bereits seinen Batman so komisch gemacht hatte.

Damit gelang ihm etwas, das vielen stark auf eine Rolle festgelegten Schauspielern verwehrt bleibt: Er wurde für eine jüngere Generation noch einmal zur Popkulturfigur. Manche Zuschauer kannten ihn zunächst als verrückten Bürgermeister und entdeckten erst später seine Vergangenheit als Batman.

Nach seinem Tod würdigte Family Guy den Schauspieler innerhalb der Serienwelt. In der Episode Adam West High erhielt die örtliche Schule seinen Namen. Serienschöpfer Seth MacFarlane bezeichnete West in seinem Abschied als unersetzlich.

Seine Verbindung zu Fans und sozialen Projekten

Adam West präsentierte sich öffentlich nur selten als politische Stimme. Für viele Menschen verkörperte er stattdessen ein klassisches Verständnis von Anstand, Freundlichkeit und zugänglichem Heldentum. Besonders bei Fanveranstaltungen zeigte sich, wie eng er auch Jahrzehnte später noch mit seinem Publikum verbunden war.

Seine Familie bat nach seinem Tod darum, anstelle anderer Gesten Organisationen zu unterstützen, die sich für schwer kranke Kinder einsetzen. Genannt wurden das St. Jude Children’s Research Hospital sowie Camp Rainbow Gold, eine Hilfsorganisation aus Idaho für krebskranke Kinder und deren Familien.

Auch darin spiegelte sich die Wirkung wider, die West über viele Jahre gepflegt hatte. Für sein Publikum war er kein unnahbarer Hollywoodstar. Er blieb der freundliche Held aus einer Serie, die Kindern vermitteln wollte, dass Mut und Verantwortung zusammengehören.

Als Los Angeles das Bat-Signal einschaltete

Adam West starb am 9. Juni 2017 in Los Angeles. Er war 88 Jahre alt und hatte zuvor für kurze Zeit gegen Leukämie gekämpft. Wenige Tage später verabschiedete sich die Stadt auf eine Weise von ihm, die kaum passender hätte sein können.

Am 15. Juni wurde das Bat-Signal auf das Rathaus von Los Angeles projiziert. Auch in Wests Heimatstadt Walla Walla erschien das berühmte Symbol am Nachthimmel. Die Geste verband den Schauspieler noch einmal mit jener Figur, die sein Leben geprägt und ihn über Jahrzehnte begleitet hatte.

Inzwischen hat sich auch die Wahrnehmung seiner Serie verändert. Was zeitweise als albernes Relikt der 1960er-Jahre belächelt wurde, gilt heute als bewusst gestaltete Pop-Art-Adaption. Die Produktion bekannte sich vollständig zu ihren grellen Farben, ihrer Theatralik und ihrem Camp-Humor.

An seinem posthumen 98. Geburtstag bleibt Adam West deshalb weit mehr als eine kuriose Fußnote der Batman-Geschichte. Er bewies, dass der Held nicht zwangsläufig düster, brutal oder psychologisch zerrüttet sein muss. Seine Version durfte aufrichtig, bunt und unterhaltsam sein.

West konnte sich lange nicht von Batman lösen. Schließlich gelang ihm jedoch etwas Bedeutenderes: Er versöhnte sich mit der Rolle, spielte humorvoll mit seinem eigenen Mythos und machte daraus eine erfolgreiche zweite Karriere. So bleibt er der Batman, der niemals Dunkelheit brauchte, um Eindruck zu hinterlassen.

Daniel Fersch

Daniel schreibt über so ziemliches alles, was mit Games, Serien oder Filmen und (leider) auch fragwürdigen Streamern zu tun hat – insbesondere, wenn es dabei um Nintendo, Dragon Ball, Pokémon oder Marvel geht....