Andrew Garfield wird 43: "Als ich in die Toilette von Prince kotzte, wusste ich, ich habe es geschafft!"

Längst ist Garfield weit mehr als ein "ungeliebter Spider-Man" und selbst die Rolle gewann er später für sich.

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Inzwischen hat Garfield auch uns bewiesen, dass er zur Hollywood-Spitze gehört. | © Universal Pictures

Andrew Garfield feiert am heutigen 20. August seinen 43. Geburtstag. Für ein Millionenpublikum wird er für immer eine der drei großen Kino-Versionen von Spider-Man bleiben. Doch seine Karriere reicht inzwischen weit über Peter Parker hinaus: Garfield gewann einen Tony am Broadway, wurde zweimal für den Oscar nominiert, spielte für Martin Scorsese einen Jesuitenmissionar und lernte für tick, tick... BOOM! innerhalb kürzester Zeit professionell zu singen.

Sein persönlicher Weg nach Hollywood verlief dabei mindestens genauso ungewöhnlich. Garfield wuchs größtenteils in England auf, wollte als Jugendlicher ursprünglich etwas völlig anderes machen und erhielt seine erste große Kinorolle ausgerechnet von Robert Redford. Den Moment, in dem er sich anschließend erstmals wirklich wie jemand in Hollywood fühlte, beschreibt er allerdings deutlich weniger glamourös: Er übergab sich auf einer Party in die Toilette von Prince, während Salma Hayek und Penélope Cruz hinter ihm darauf warteten, ins Badezimmer zu können.

In Los Angeles geboren und in England aufgewachsen

Andrew Russell Garfield wurde am 20. August 1983 in Los Angeles geboren. Seine Mutter Lynn stammte aus England, sein Vater Richard aus Kalifornien. Als Andrew drei Jahre alt war, zog die Familie nach Großbritannien und ließ sich in Surrey nieder.

Garfield besitzt sowohl die britische als auch die amerikanische Staatsbürgerschaft und beschreibt sich entsprechend selbst immer wieder als Mischung beider Kulturen.

Seine Familie hatte zunächst wenig mit der Filmbranche zu tun. Seine Eltern betrieben unter anderem ein kleines Unternehmen für Innenausstattung, sein Vater arbeitete später als Schwimmtrainer. Andrew und sein älterer Bruder wuchsen in einem vergleichsweise normalen bürgerlichen Umfeld auf.

Über seinen Vater hat Garfield zudem jüdische Wurzeln. Religiös streng erzogen wurde er allerdings nicht. Spiritualität sollte später dennoch eine überraschend große Rolle in seinem Leben und sogar bei der Auswahl einiger seiner wichtigsten Rollen spielen.

Eigentlich wollte er gar kein Schauspieler werden

Als Kind interessierte sich Garfield zunächst stärker für Sport als für Theater. Er betrieb unter anderem Schwimmen und Gymnastik und dachte eine Zeit lang darüber nach, eine Karriere im Geschäftsleben einzuschlagen.

Erst als Jugendlicher kam er intensiver mit Schauspiel in Kontakt. Mit ungefähr 16 Jahren begann er Theaterunterricht zu nehmen und entdeckte dort etwas, das ihm nach eigener Aussage zuvor gefehlt hatte.

Garfield war begeistert von der Bühne und entschied sich schließlich für eine professionelle Ausbildung. Er studierte an der Central School of Speech and Drama in London und schloss seine Ausbildung 2004 ab.

Seine ersten Erfolge feierte er entsprechend nicht in Hollywood, sondern im britischen Theater.

Der erste große Erfolg kam im britischen Fernsehen

Nach mehreren Theaterrollen folgten kleinere Fernsehauftritte. Garfield war unter anderem in Doctor Who zu sehen und spielte 2007 die Hauptrolle im Fernsehfilm Boy A.

Darin verkörpert er einen jungen Mann, der nach Jahren in einer Jugendstrafanstalt unter einer neuen Identität in die Gesellschaft zurückkehrt. Als Kind hatte er gemeinsam mit einem Freund ein schweres Verbrechen begangen. Nun versucht er, ein normales Leben aufzubauen, während seine Vergangenheit droht, ihn wieder einzuholen.

Die intensive Rolle wurde zu Garfields erstem großen Kritikererfolg. 2008 gewann er dafür den BAFTA Television Award als bester Schauspieler.

Doch zu diesem Zeitpunkt hatte bereits eine Begegnung stattgefunden, die ihn endgültig Richtung Hollywood führen sollte.

Robert Redford gab Garfield seine erste Kinorolle

2007 reiste Garfield nach Los Angeles und sprach für Robert Redfords Politdrama Von Löwen und Lämmern vor.

Der Film war prominent besetzt. Neben Redford spielten Tom Cruise und Meryl Streep die Hauptrollen. Für Garfield wäre bereits eine kleine Rolle in einer solchen Produktion ein enormer Karriereschritt gewesen.

Während seines Aufenthalts in Los Angeles schlief der junge Schauspieler nach eigener Erinnerung auf dem Sofa des Assistenten seines Managers. Luxus sah anders aus.

Dann kam der entscheidende Anruf.

Garfield stand gerade bei H&M im Beverly Center und probierte einen Anzug an, als ihm sein damaliger Agent mitteilte, dass er die Rolle bekommen hatte. Plötzlich würde er in seinem ersten Kinofilm direkt mit Robert Redford arbeiten.

Und am selben Abend sollte Garfield feststellen, wie absurd schnell sich das eigene Leben in Hollywood verändern kann.

Er wusste, dass er es geschafft hatte, als er in Prince Toilette kotzte

Der Assistent seines Managers hatte Garfield als Begleitung zu mehreren Partys rund um die Golden Globes eingeladen. Eigentlich hatte Garfield wenig Interesse daran. Nach dem Anruf seines Agenten ging er allerdings mit einer völlig anderen Stimmung in den Abend.

Auf einer der Partys musste Garfield irgendwann dringend zur Toilette.

Schon die Warteschlange war für den jungen Schauspieler surreal. Direkt hinter ihm standen Salma Hayek und Penélope Cruz. Garfield erinnerte sich später daran, wie er in diesem Moment innerlich realisierte, dass er plötzlich auf denselben Partys und vor denselben Toiletten wie einige der größten Filmstars der Welt stand.

Dann öffnete sich die Tür.

Garfield ging ins Badezimmer und merkte praktisch sofort, dass ihm schlecht wurde. Er übergab sich in die Toilette.

Das allein wäre bereits eine solide Hollywood-Anekdote gewesen. Doch es handelte sich nicht um irgendein Badezimmer.

Garfield hatte sich gerade in Prince Toilette übergeben.

Anschließend musste er den Raum wieder verlassen und an Salma Hayek und Penélope Cruz vorbeigehen, die direkt nach ihm das Badezimmer benutzen wollten.

Als Garfield Jahre später gefragt wurde, wann er zum ersten Mal das Gefühl gehabt habe, es in Hollywood geschafft zu haben, musste er entsprechend nicht lange überlegen: Es sei der Moment gewesen, in dem er in Prince Toilette kotzte.

Vom Sofa eines Manager-Assistenten zur Golden-Globe-Party mit Prince, Salma Hayek und Penélope Cruz – und das ausgerechnet an dem Tag, an dem Garfield seine erste Kinorolle bekam.

The Social Network brachte den internationalen Durchbruch

In den folgenden Jahren baute Garfield seine Karriere weiter auf. Er spielte unter anderem in Das Kabinett des Dr. Parnassus und an der Seite von Carey Mulligan und Keira Knightley in Alles, was wir geben mussten.

Der internationale Durchbruch folgte schließlich 2010.

David Fincher besetzte ihn als Eduardo Saverin in The Social Network. Saverin gründet darin gemeinsam mit Mark Zuckerberg Facebook, wird jedoch zunehmend aus dem Unternehmen gedrängt.

Besonders die Konfrontationen zwischen Garfield und Jesse Eisenberg wurden zu einigen der bekanntesten Szenen des Films. Garfields Darstellung brachte ihm unter anderem Nominierungen für den Golden Globe und den BAFTA Film Award ein.

Plötzlich gehörte der ehemalige britische Theaterdarsteller zu den gefragtesten jungen Schauspielern Hollywoods.

Und kurz darauf bekam er eine Figur angeboten, die für ihn selbst bereits seit seiner Kindheit eine besondere Bedeutung hatte.

Andrew Garfield wurde Spider-Man

2010 gab Sony bekannt, dass Andrew Garfield der neue Peter Parker werden würde.

Für Garfield war die Rolle enorm persönlich. Er war als Kind selbst großer Spider-Man-Fan gewesen und hatte wiederholt darüber gesprochen, wie stark er sich mit Peter Parker identifiziert habe: einem unsicheren Außenseiter, der plötzlich Verantwortung für Fähigkeiten übernehmen muss, die größer sind als er selbst.

2012 kam The Amazing Spider-Man in die Kinos. Emma Stone spielte Gwen Stacy, Rhys Ifans den Gegenspieler Dr. Curt Connors alias Lizard.

Der Film wurde ein weltweiter Erfolg und machte Garfield endgültig zum internationalen Blockbuster-Star.

Zwei Jahre später folgte The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro mit Jamie Foxx als Electro und Dane DeHaan als Harry Osborn.

Garfield und Stone wurden auch privat ein Paar. Ihre Beziehung begann während der gemeinsamen Arbeit an den Filmen und dauerte mehrere Jahre, bevor sie sich 2015 trennten.

Das abrupte Ende seiner Spider-Man-Zeit traf ihn

Eigentlich sollte Garfields Spider-Man eine deutlich größere Zukunft haben. Sony plante weitere Filme und beschäftigte sich gleichzeitig mit verschiedenen Spin-offs rund um das Universum der Figur.

Doch nach dem zweiten Film änderten sich die Pläne.

Sony vereinbarte schließlich eine Zusammenarbeit mit Marvel Studios und startete Spider-Man erneut. Tom Holland übernahm Peter Parker und wurde 2016 in The First Avenger: Civil War als neue Version der Figur vorgestellt.

Für Garfield endete damit eine Rolle, die ihm persönlich viel bedeutet hatte. Er sprach später offen darüber, dass die Erfahrung kompliziert gewesen sei. Die ursprüngliche Begeisterung für Spider-Man sei teilweise mit den geschäftlichen Realitäten eines gigantischen Filmfranchises kollidiert.

Statt sich anschließend auf weitere Blockbuster zu konzentrieren, bewegte Garfield seine Karriere bewusst in eine völlig andere Richtung.

Hacksaw Ridge brachte ihm seine erste Oscar-Nominierung

2016 spielte Garfield den amerikanischen Soldaten Desmond Doss in Mel Gibsons Kriegsdrama Hacksaw Ridge – Die Entscheidung.

Doss war Siebenten-Tags-Adventist und überzeugter Pazifist. Obwohl er freiwillig in die US-Armee eintrat und während des Zweiten Weltkriegs als Sanitäter diente, weigerte er sich aufgrund seines Glaubens, eine Waffe zu tragen oder einen Menschen zu töten.

Während der Schlacht um Okinawa rettete er zahlreiche verwundete Soldaten und wurde später als erster Kriegsdienstverweigerer mit der Medal of Honor ausgezeichnet.

Garfields Darstellung brachte ihm 2017 seine erste Oscar-Nominierung als bester Hauptdarsteller ein.

Im selben Jahr war er in einem weiteren Film zu sehen, der sich noch intensiver mit Glauben beschäftigte.

Für Martin Scorsese beschäftigte er sich intensiv mit Religion

In Martin Scorseses Silence spielte Garfield einen portugiesischen Jesuiten, der im 17. Jahrhundert nach Japan reist, um nach seinem verschwundenen Mentor zu suchen und verfolgten Christen beizustehen.

Zur Vorbereitung absolvierte Garfield gemeinsam mit seinem Kollegen Adam Driver intensive spirituelle Übungen nach der Tradition des Ignatius von Loyola.

Für Garfield wurde die Vorbereitung mehr als klassisches Schauspieltraining. Obwohl er keiner bestimmten Religion streng folgt, spricht er immer wieder offen über Spiritualität, Glauben und die Suche nach Sinn.

Diese Themen ziehen sich auffällig durch seine Karriere: von Silence über den religiösen Pazifisten Desmond Doss in Hacksaw Ridge – Die Entscheidung bis zu späteren Rollen, die sich mit Tod, Verlust und der Frage beschäftigen, was einem menschlichen Leben Bedeutung gibt.

Am Broadway gewann er den Tony

Trotz seines Erfolgs im Kino blieb Garfield dem Theater verbunden.

2012 stand er gemeinsam mit Philip Seymour Hoffman in einer Broadway-Neuinszenierung von Arthur Millers Tod eines Handlungsreisenden auf der Bühne. Garfield spielte Biff Loman und erhielt dafür seine erste Tony-Nominierung.

Einige Jahre später folgte eine der wichtigsten Rollen seiner Karriere.

In Tony Kushners Engel in Amerika spielte Garfield Prior Walter, einen homosexuellen Mann, der während der AIDS-Krise der 1980er-Jahre erfährt, dass er HIV-positiv ist.

Die Produktion begann in London und wechselte später an den Broadway.

2018 gewann Garfield für seine Darstellung den Tony Award als bester Hauptdarsteller in einem Theaterstück.

Seinen Tony widmete er der LGBTQ-Community

Garfield nutzte seine Dankesrede für eine politische und gesellschaftliche Botschaft.

Er widmete die Auszeichnung den zahlreichen LGBTQ-Menschen, die für das Recht gekämpft hatten, frei zu leben und zu lieben. Dabei sprach er sich gegen Unterdrückung, Ausgrenzung und Scham aus.

Garfield reagierte außerdem auf eine damals aktuelle Entscheidung des US Supreme Court im Fall eines Bäckers aus Colorado, der sich geweigert hatte, eine Hochzeitstorte für ein gleichgeschlechtliches Paar anzufertigen.

Seine Botschaft war deutlich: Gesellschaftliche und religiöse Unterschiede dürften nicht dazu führen, anderen Menschen Würde oder Zugehörigkeit abzusprechen.

Garfield hatte im Zusammenhang mit Engel in Amerika zuvor auch Kritik erfahren, nachdem eine flapsige Aussage über seine Vorbereitung auf die Rolle als schwuler Mann für Schlagzeilen gesorgt hatte. Er erklärte später, die Äußerung sei aus dem Kontext gerissen worden, und betonte seinen Respekt gegenüber der LGBTQ-Community und der Geschichte, die das Stück erzählt.

Er engagierte sich für Kinder ohne stabile Familien

Garfields gesellschaftliches Engagement beschränkte sich nicht auf Reden bei Preisverleihungen.

Bereits während seiner frühen Spider-Man-Zeit begann er, die Organisation Worldwide Orphans zu unterstützen. Die Hilfsorganisation arbeitet mit Kindern, die ihre Eltern verloren haben oder ohne stabile familiäre Strukturen aufwachsen.

Garfield reiste im Rahmen seiner Arbeit mit der Organisation unter anderem nach Haiti und beteiligte sich an Projekten, bei denen Sport und gemeinschaftliche Aktivitäten genutzt wurden, um Kindern Sicherheit, soziale Bindung und Entwicklungsmöglichkeiten zu geben.

2012 wurde er offiziell als Botschafter der Organisation vorgestellt.

Dass ausgerechnet Spider-Man für dieses Engagement eine Verbindung bot, war dabei durchaus passend: Peter Parker selbst verliert früh seine Eltern und wächst bei Tante May und Onkel Ben auf.

Der Tod seiner Mutter veränderte Garfield

Eine der prägendsten Erfahrungen seines Erwachsenenlebens ereignete sich 2019.

Garfields Mutter Lynn erkrankte an Bauchspeicheldrüsenkrebs. Während Garfield an The Eyes of Tammy Faye arbeitete, verschlechterte sich ihr Zustand.

Die Produktion ermöglichte ihm, nach England zurückzukehren und die letzten Wochen mit seiner Mutter zu verbringen. Sie starb Ende 2019.

Garfield sprach später ungewöhnlich offen über seine Trauer. Statt sie als etwas zu betrachten, das möglichst schnell überwunden werden müsse, begann er, sie als Ausdruck der Liebe zu seiner Mutter zu verstehen.

Diese Einstellung wurde zu einem wiederkehrenden Thema in Interviews und beeinflusste mehrere seiner folgenden Projekte.

Tick, Tick... BOOM! wurde für ihn auch zu einer Geschichte über Trauer

Kurz nach dem Tod seiner Mutter begann Garfield mit den Vorbereitungen für Lin-Manuel Mirandas Regiedebüt tick, tick... BOOM!.

Der Film erzählt die Geschichte von Jonathan Larson, dem späteren Schöpfer des Musicals Rent. Larson kämpfte jahrelang mit seiner Karriere und der Angst, seine Zeit zu verschwenden. Er starb 1996 im Alter von nur 35 Jahren – unmittelbar vor der ersten öffentlichen Aufführung von Rent und damit kurz bevor sein Werk zu einem internationalen Erfolg wurde.

Garfield hatte vor dem Projekt keine professionelle Gesangsausbildung. Dennoch übernahm er eine Hauptrolle, die große Teile des Films singend bestreiten musste.

Monatelanges Gesangs- und Klaviertraining folgte.

Die Arbeit an der Geschichte eines Künstlers, dessen Leben plötzlich endet, traf Garfield in einer Phase, in der er selbst intensiv über Tod und Verlust nachdachte.

Die Rolle wurde zu einem der größten Erfolge seiner Karriere. Garfield gewann einen Golden Globe und erhielt 2022 seine zweite Oscar-Nominierung als bester Hauptdarsteller.

Dann geschah das Comeback, über das er monatelang lügen musste

Im selben Jahr kehrte Garfield zu jener Rolle zurück, von der sich viele Fans längst verabschiedet hatten.

In Spider-Man: No Way Home traf Tom Hollands Peter Parker durch das Multiversum sowohl auf Tobey Maguires als auch auf Andrew Garfields Spider-Man.

Das Problem: Monate vor der Veröffentlichung kursierten bereits Gerüchte, Bilder und angebliche Leaks über Garfields Beteiligung.

Garfield wurde während der Pressetour zu anderen Filmen ständig darauf angesprochen – und bestritt seine Teilnahme konsequent.

Später erzählte er, dass ihm das Versteckspiel sogar Spaß gemacht habe. Für ihn sei es weniger eine klassische Lüge als der Versuch gewesen, dem Publikum eine Überraschung zu erhalten.

Als der Film im Dezember 2021 erschien, wurde besonders Garfields Rückkehr begeistert aufgenommen.

Eine Szene sorgte dabei für zusätzliche Emotionalität: Sein Peter Parker rettet MJ, gespielt von Zendaya, vor einem tödlichen Sturz – und schafft damit symbolisch etwas, woran seine eigene Version von Spider-Man in The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro bei Gwen Stacy gescheitert war.

Von Mord im Auftrag Gottes bis We Live in Time

Garfield blieb anschließend zwischen großen Produktionen, ungewöhnlichen Stoffen und Prestigeprojekten unterwegs.

2022 spielte er in der Miniserie Mord im Auftrag Gottes einen mormonischen Polizisten, dessen Ermittlungen in einem brutalen Mordfall zunehmend seinen eigenen Glauben erschüttern. Die Rolle brachte ihm eine Emmy-Nominierung ein.

2024 folgte an der Seite von Florence Pugh das romantische Drama We Live in Time. Garfield spielt darin Tobias, dessen Beziehung zu Almut über mehrere Jahre begleitet wird, während das Paar mit Liebe, Familie und einer schweren Krebserkrankung konfrontiert wird.

Auch diese Geschichte war für Garfield durch den Tod seiner Mutter besonders persönlich. Er beschrieb die Arbeit an dem Film später als teilweise heilende Erfahrung.

2025 war er außerdem gemeinsam mit Julia Roberts und Ayo Edebiri in Luca Guadagninos After the Hunt zu sehen.

Auch mit Elmo sprach er offen über den Tod seiner Mutter

Wie sehr Garfield mittlerweile bereit ist, öffentlich über Trauer zu sprechen, zeigte 2024 eine ungewöhnliche Begegnung.

Für die Sesamstraße unterhielt er sich mit Elmo über das Vermissen verstorbener Menschen.

Als Elmo bemerkte, dass Garfield traurig wirkte, sprach der Schauspieler über seine Mutter. Traurig zu sein, weil man jemanden vermisse, sei für ihn nicht ausschließlich etwas Negatives. Die Trauer erinnere einen auch daran, wie viel Freude und Liebe dieser Mensch zuvor ins eigene Leben gebracht habe.

Das kurze Gespräch verbreitete sich millionenfach über soziale Netzwerke und wurde zu einem der bekanntesten öffentlichen Momente Garfields außerhalb seiner Filmrollen.

2026 stehen bereits die nächsten großen Projekte an

Auch an seinem 43. Geburtstag ist von einer ruhigeren Karriere wenig zu erkennen.

Mit The Magic Faraway Tree übernahm Garfield gemeinsam mit Claire Foy eine Hauptrolle in der Verfilmung der Kinderbuchgeschichten von Enid Blyton. In den USA startet der Film ausgerechnet morgen, einen Tag nach seinem Geburtstag.

Im September folgt mit The Uprising bereits das komplette Kontrastprogramm. Unter der Regie von Paul Greengrass spielt Garfield Wat Tyler, eine zentrale Figur des englischen Bauernaufstands von 1381.

Daneben drehte Garfield für Luca Guadagnino Artificial. Darin verkörpert er OpenAI-Mitgründer Sam Altman und damit einen Mann, der 2023 innerhalb weniger Tage als CEO des Unternehmens entlassen und anschließend wieder eingestellt wurde. Die Produktion befindet sich 2026 in einer ungewöhnlichen Situation: Amazon MGM stieg nach Abschluss eines großen Teils der Arbeit als Verleiher aus, während für den Film eine neue Veröffentlichungslösung gesucht wird.

Seinen 43. Geburtstag will Garfield vergleichsweise unspektakulär verbringen

Nach Prince’ Toilette, Oscar-Verleihungen, Spider-Man-Premieren und Broadway-Abenden scheint Garfield für seinen eigentlichen Geburtstag inzwischen deutlich weniger Spektakel zu benötigen.

Im Vorfeld seines heutigen 43. Geburtstags erklärte er, dass er den Tag eher ruhig verbringen wolle: mit Menschen, die ihm wichtig sind, und gutem Essen.

Nach dem 40. Geburtstag seien die einzelnen Jahre für ihn ohnehin etwas weniger monumental geworden.

Die Karriere des Schauspielers befindet sich dagegen weiterhin in einer bemerkenswerten Phase.

Vom britischen Theaterkind zu einem der vielseitigsten Schauspieler seiner Generation

Andrew Garfield wird heute 43 Jahre alt. Er gewann einen BAFTA, einen Tony und einen Golden Globe und wurde bislang zweimal für den Oscar nominiert. Gleichzeitig gelang ihm etwas, das nicht jedem Darsteller eines gigantischen Superhelden-Franchises gelingt: Seine bekannteste Rolle bestimmt seine Karriere nicht vollständig.

Er kann Peter Parker spielen und anschließend für Martin Scorsese einen Jesuiten verkörpern. Er kann am Broadway über Stunden einen AIDS-kranken Mann spielen, für tick, tick... BOOM! singen lernen oder in We Live in Time eine intime Geschichte über Liebe und Verlust erzählen.

Auch privat spricht Garfield inzwischen ungewöhnlich offen über Themen wie Trauer, Spiritualität, gesellschaftliche Ausgrenzung und die Menschen, die ihn geprägt haben.

Und trotzdem lässt sich der Beginn seiner Hollywood-Karriere kaum besser zusammenfassen als mit jener einen absurden Nacht im Jahr 2007.

Tagsüber schlief Andrew Garfield noch auf einem fremden Sofa, kaufte sich einen Anzug bei H&M und erfuhr, dass Robert Redford ihn für seinen ersten Kinofilm engagiert hatte. Wenige Stunden später stand er mit Salma Hayek und Penélope Cruz vor einem Badezimmer – bevor er sich in die Toilette von Prince übergab.

Wenn es einen ungewöhnlichen Moment gibt, um festzustellen, dass man endgültig in Hollywood angekommen ist, dürfte Andrew Garfield damit ziemlich weit oben auf der Liste stehen.

Daniel Fersch

Daniel schreibt über so ziemliches alles, was mit Games, Serien oder Filmen und (leider) auch fragwürdigen Streamern zu tun hat – insbesondere, wenn es dabei um Nintendo, Dragon Ball, Pokémon oder Marvel geht....