Berlusconi wäre 90: Wie der italienische Präsident sein Land wie eine TV-Show regierte

Er polarisierte, hangelte sich von Skandal zu Skandal und ließ bei all dem Trubel fast vergessen, dass er ein Land regierte.

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Silvio Berlusconi prägte Italien als Unternehmer, Fußballpräsident und Politiker. | © Wikipedia

Am 29. September 2026 wäre Silvio Berlusconi 90 Jahre alt geworden. Der 2023 verstorbene Italiener hinterließ ein Vermächtnis, das sich kaum auf ein Amt oder ein Unternehmen reduzieren lässt. Er machte privates Fernsehen zum Geschäft, den AC Mailand zu einer internationalen Größe und seine eigene Person zur politischen Marke. Zugleich begleiteten ihn Interessenkonflikte, Gerichtsverfahren und Skandale über Jahrzehnte. Warum konnte Berlusconi trotz allem immer wieder zurückkehren?

Vom Unternehmer zur öffentlichen Marke

Berlusconi wurde am 29. September 1936 in Mailand geboren. Sein Vermögen machte er zunächst mit Immobilien. Später verlagerte er seinen Schwerpunkt auf das Fernsehen und baute ein Firmengeflecht auf, zu dem Fernsehsender, Verlage und weitere Unternehmen gehörten. Mit Mediaset gewann er erheblichen Einfluss auf Italiens Medienlandschaft.

Auch im Fußball setzte er auf große Bilder und große Erfolge. Als Eigentümer und Präsident des AC Mailand war er Teil einer Ära, in der der Verein zahlreiche Titel gewann. Wirtschaft, Fernsehen und Sport verschafften Berlusconi eine Bekanntheit, die weit über die Politik hinausreichte.

Diese Bekanntheit wurde später zu seinem größten politischen Vorteil: Berlusconi musste sich der Öffentlichkeit nicht erst vorstellen. Viele Menschen kannten ihn längst aus dem Fernsehen oder aus dem Stadion.

Ein Wahlkampf wie eine Werbekampagne

1994 gründete Berlusconi Forza Italia und wurde noch im selben Jahr Ministerpräsident. Er versprach, seine Erfahrung als Unternehmer für Italien einzusetzen. Dabei stellte er weniger ein Parteiprogramm als seine eigene Erfolgsgeschichte in den Mittelpunkt.

Insgesamt führte er drei Regierungen: 1994, von 2001 bis 2006 und von 2008 bis 2011. Seine Auftritte waren zugespitzt, persönlich und auf Aufmerksamkeit ausgelegt. Berlusconi verstand es, Politik so zu inszenieren, dass selbst seine Gegner ständig über ihn sprachen.

Für seine Anhänger verkörperte er Tatkraft und Optimismus. Kritiker sahen vor allem einen Politiker, der wirtschaftliche Interessen und öffentliche Macht miteinander vermischte. Dass ein Regierungschef zugleich über bedeutende Medienunternehmen verfügte, blieb ein zentraler Streitpunkt seiner Karriere.

Die Skandale verschwanden nie

Gerichtsverfahren und Affären begleiteten Berlusconi über lange Zeit. 2013 wurde er wegen Steuerbetrugs rechtskräftig verurteilt und zeitweise von öffentlichen Ämtern ausgeschlossen. In vielen anderen Verfahren kam es dagegen zu Freisprüchen, Verjährungen oder Einstellungen.

Besonders bekannt wurden die sogenannten Bunga-Bunga-Partys. Die Vorwürfe rund um Veranstaltungen in seiner Villa lösten eine Debatte über Macht, den Umgang mit Frauen und politischen Einfluss aus. In einem zentralen Verfahren wurde Berlusconi freigesprochen. Weitere Verfahren beschäftigten die italienische Justiz noch über Jahre.

Berlusconi wies Vorwürfe regelmäßig zurück und stellte Ermittlungen gegen ihn häufig als politisch motiviert dar. Seine Unterstützer hielten ihm die Treue. Für seine Gegner bestätigten die Affären dagegen ihre Sorge, dass sein Reichtum und sein Einfluss ihn vor Konsequenzen schützten.

Warum Italien noch immer über ihn spricht

Selbst nach politischen Niederlagen und seiner Verurteilung blieb Berlusconi aktiv. 2019 zog er ins Europäische Parlament ein, 2022 wurde er erneut in den italienischen Senat gewählt. Am 12. Juni 2023 starb er im Alter von 86 Jahren in Mailand.

Die Reaktionen auf seinen Tod zeigten, wie unterschiedlich Italien auf ihn blickte. Die Regierung ordnete einen nationalen Trauertag an; im Mailänder Dom fand ein Staatsbegräbnis statt. Während Anhänger um eine prägende Persönlichkeit trauerten, kritisierten andere, dass seine Affären und Interessenkonflikte bei der Würdigung zu kurz kamen.


Sein 90. Geburtstag ist deshalb mehr als ein Anlass für einen Rückblick auf einen ehemaligen Regierungschef. Berlusconi zeigte, wie viel politische Macht aus Bekanntheit, Medienpräsenz und einer starken persönlichen Marke entstehen kann. Ob man darin seinen größten Erfolg oder Italiens größtes Problem seiner Ära sieht, ist bis heute umstritten.

Daniel Fersch

Daniel schreibt über so ziemliches alles, was mit Games, Serien oder Filmen und (leider) auch fragwürdigen Streamern zu tun hat – insbesondere, wenn es dabei um Nintendo, Dragon Ball, Pokémon oder Marvel geht....