Brie Larson wird 37: Die Oscarpreisträgerin im Alleingang gegen toxische Comicfans

Die Frau, die schon gegen Thanos und King Kong kämpfte wird gerade mal 37 Jahre alt.

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Ob im leuchtenden Superhelden-Suit oder im schlichten Outfit – Larson überzeugt in allen Rollen. | © Studiocanal GmbH

Für viele ist Brie Larson vor allem Captain Marvel. Doch ihre Karriere begann lange vor dem Superheldinnenkostüm: Sie war Kinderdarstellerin, versuchte sich als Popsängerin, wurde zum Star des Independentkinos und gewann einen Oscar. Dass sie heute zu den bekanntesten Schauspielerinnen Hollywoods zählt, nutzt sie auch, um über Sexismus, sexuelle Gewalt und ungleiche Chancen in der Filmbranche zu sprechen. An diesem Donnerstag wird sie 37 Jahre alt.

Ein Künstlername mit Familiengeschichte – und einer Puppe

Brie Larson wurde am 1. Oktober 1989 in Sacramento, Kalifornien, als Brianne Sidonie Desaulniers geboren. Schon als kleines Kind wollte sie schauspielern. Mit sechs Jahren wurde sie am American Conservatory Theater in San Francisco aufgenommen; später zog ihre Mutter mit ihr und ihrer Schwester nach Los Angeles, wo Larson ihre ersten Rollen bekam.

Ihr französischer Nachname war für viele Menschen in den USA schwer auszusprechen. Für die Arbeit vor der Kamera entschied sie sich deshalb für Brie Larson. Der Name hat gleich zwei Verbindungen zu ihrer Kindheit: Larson ist ein Name aus ihrer Familie. Außerdem besaß sie eine Puppe namens Kirsten Larson, die sie später ebenfalls als Inspiration für ihren Künstlernamen nannte.

Zwischen Teenie-Pop und kleinen Filmrollen

Der Weg zum Oscar verlief nicht geradlinig. Larson spielte zunächst in Fernsehproduktionen und Jugendfilmen und verfolgte zeitweise auch eine Musikkarriere. 2005 veröffentlichte sie das Popalbum Finally Out of P.E. mit der Single She Said. Auf Dauer blieb jedoch die Schauspielerei ihr Schwerpunkt. Rollen in Komödien wie 21 Jump Street machten sie einem größeren Publikum bekannt, bevor sie in anspruchsvolleren Filmen zeigen konnte, wie viel mehr in ihr steckte.

Eine entscheidende Station war Short Term 12. Larson spielte darin die Betreuerin einer Wohngruppe für Jugendliche und gab einer Figur Raum, die anderen Halt bietet, während sie selbst mit ihrer Vergangenheit ringt. Zwei Jahre später folgte Raum: Als Joy versucht sie, ihren kleinen Sohn während ihrer Gefangenschaft zu schützen und nach ihrer Befreiung ein Leben außerhalb des titelgebenden Raums aufzubauen. Für diese Rolle erhielt Larson 2016 den Oscar als beste Hauptdarstellerin.

Danach wechselte sie mühelos zwischen großen Produktionen und anderen Formaten. Sie spielte in Kong: Skull Island, übernahm in der Serie Eine Frage der Chemie die Hauptrolle und war dort auch als ausführende Produzentin beteiligt. Ihre Figur Elizabeth Zott kämpft als Wissenschaftlerin in den 1950er-Jahren gegen die Erwartungen einer von Männern dominierten Gesellschaft. 2025 gab Larson mit Elektra ihr Debüt im Londoner West End. In Der Super Mario Galaxy Film ist sie 2026 als Stimme von Rosalina zu hören.

Warum Captain Marvel so viel Gegenwind auslöste

2019 spielte Larson Carol Danvers in Captain Marvel, dem ersten Marvel-Kinofilm mit einer Frau als Titelfigur. Für sie bedeutete die Rolle weltweite Aufmerksamkeit – und eine Welle von Angriffen im Netz. Bereits vor dem Kinostart tauchten abwertende Kommentare und negative Publikumsbewertungen auf, obwohl die Verfasser den Film noch nicht gesehen haben konnten. Manche störten sich an einer weiblichen Hauptfigur, andere machten Larson selbst zur Zielscheibe.

Besonders heftig wurde eine Aussage von ihr verdreht: Larson hatte kritisiert, dass große Filmproduktionen überwiegend von weißen Männern besprochen würden. Sie wollte bei ihren Presseterminen auch Journalistinnen sowie Kritikerinnen und Kritiker aus unterrepräsentierten Gruppen Zugang geben. Daraus machten manche Gegner die Behauptung, sie hasse weiße Männer. Ihr Anliegen war konkreter und einfacher: Mehr Menschen sollten die Gelegenheit erhalten, Fragen zu stellen und ihre Sicht auf Filme zu veröffentlichen.

Absurde Vorwürfe, wie dass sie nicht genug lächeln würde, konterte Larson schlagfertig und kreativ, in dem sie von ihren männlichen Marvel-Kollegen wie Robert Downey Jr. und Chris Evans manipulierte Filmplakate postete, die Rollen wie Iron Man und Captani Amerika statt mit heroischem Gesichtsausdruck mit unnötig breitem Grinsen zeigte.

Der organisierte Gegenwind verhinderte den Erfolg des Films nicht. Captain Marvel spielte weltweit mehr als 1,1 Milliarden US-Dollar ein. Larson kehrte später als Carol Danvers zurück, unter anderem in The Marvels. Sie wurde durch die Rolle unfreiwillig zu einer Figur in einem größeren Kulturkampf: Für toxische Teile des Fandoms stand sie für Veränderungen, die sie ablehnten; für viele andere zeigte sie, wie selbstverständlich eine Frau einen großen Superheldenfilm tragen kann.

Kampf gegen sexuelle Belästigung am Arbeitplatz

Larsons Einsatz für Gleichberechtigung begann nicht erst mit Marvel. Sie unterstützt die Time’s-Up-Bewegung, die sich gegen sexuelle Belästigung und Benachteiligung am Arbeitsplatz richtet. Bei den Women in Film Awards 2018 sprach sie ausführlich darüber, wer in der Filmkritik vertreten ist und warum das Folgen für die gesamte Branche hat: Kritiken können Aufmerksamkeit schaffen, Karrieren beeinflussen und kleinen Filmen helfen, überhaupt ein Publikum zu finden. Larson forderte deshalb besseren Zugang für bislang wenig vertretene Stimmen.

Auch im Umgang mit Betroffenen sexueller Gewalt zeigte sie öffentlich Solidarität. Bei der Oscarverleihung 2016 standen während eines Auftritts von Lady Gaga Überlebende sexueller Übergriffe auf der Bühne. Als sie den Saal verließen, stand Larson auf und umarmte sie. Es war eine kleine Geste an einem Abend, an dem sie selbst den wichtigsten Preis ihrer Karriere gewann.

Ihr Engagement ist gesellschaftlich und politisch: Larson spricht über Machtverhältnisse in Hollywood, über die Sichtbarkeit von Frauen und über die Frage, wer in öffentlichen Debatten gehört wird. Dabei bleibt sie nicht bei der Darstellung starker Frauen auf der Leinwand. Als Produzentin und als prominente Stimme bei Branchenveranstaltungen versucht sie, auch die Bedingungen hinter der Kamera mitzugestalten.

Eine starke Stimme Hollywoods

Mit 37 hat Brie Larson damit mehr erreicht, als eine einzelne Rolle erklären könnte. Der Oscar für Raum zeigte ihre schauspielerische Bandbreite, Captain Marvel machte sie weltweit bekannt. Ihr Umgang mit den Anfeindungen und ihr Einsatz für mehr Teilhabe zeigen, wofür sie ihre Bekanntheit nutzen will.

Längst erweiterte Larson ihr Portfolio über die Grenzen des MCU hinaus und bewies sich gesellschaftlich wie karrieretechnisch in den unterschiedlichsten Disziplinen. Wer sich da noch an einer weiblichen Superheldin oder einem fehlenden Lächeln stört, dem ist sowieso nicht mehr zu helfen.

Daniel Fersch

Daniel schreibt über so ziemliches alles, was mit Games, Serien oder Filmen und (leider) auch fragwürdigen Streamern zu tun hat – insbesondere, wenn es dabei um Nintendo, Dragon Ball, Pokémon oder Marvel geht....