Der Vater von Miffy / Nijntje: Dick Bruna wäre heute 99 Jahre alt geworden

Miffy (oder Nijntje) kennt wohl jeder – den Mann dahinter aber nur wenige.

Dick Bruna 02 Wikipedia
Miffy verzaubert Kinder und Erwachsene bis heute gleichermaßen. | © Dick Bruna / Wikipedia

Zwei Punkte als Augen, ein kleines Kreuz als Mund und wenige kräftige Linien: Kaum eine Kinderbuchfigur kommt mit so wenig aus wie Miffy. Hinter dem weltbekannten Kaninchen steckt der niederländische Zeichner, Autor und Grafikdesigner Dick Bruna. Am 23. August 2026 wäre er 99 Jahre alt geworden.

Was Bruna hinterlassen hat, begegnet uns bis heute in Kinderbüchern, Spielzeug, Mode, Design und Ausstellungen. Seine Arbeiten wirken auf den ersten Blick fast mühelos. Tatsächlich steckten hinter den einfachen Formen jedoch jahrelange Erfahrung, enorme Präzision und die Überzeugung, dass ein gutes Bild nicht möglichst viel zeigen muss.

Der Verlegersohn, der lieber zeichnen wollte

Geboren wurde Hendrik Magdalenus „Dick“ Bruna 1927 in Utrecht. Bücher gehörten von Beginn an zu seinem Leben: Seine Familie führte den Verlag A.W. Bruna & Zoon und eigentlich war vorgesehen, dass auch er eines Tages in das Verlagsgeschäft einsteigen würde.

Bruna zog es allerdings stärker zur Kunst. Aufenthalte in London und Paris brachten ihn mit moderner Malerei und Künstlern wie Henri Matisse in Berührung. Statt Verleger zu werden, fand er schließlich seinen Platz als Grafiker im Familienunternehmen.

Dort entwickelte er eine Bildsprache, die bereits viele Elemente seiner späteren Kinderbücher vorwegnahm. Er gestaltete zahlreiche Buchumschläge und Plakate, bei denen Motive auf wenige prägnante Formen reduziert wurden. Ein Cover sollte aus seiner Sicht nicht möglichst viel erzählen, sondern auf den ersten Blick funktionieren.

Aus einer Urlaubsgeschichte wird Miffy

1955 entstand schließlich jene Figur, die Brunas Namen Jahrzehnte später noch weltweit bekannt machen sollte. Während eines Familienurlaubs erzählte er seinem kleinen Sohn Geschichten über ein Kaninchen. Daraus entwickelte sich Nijntje – außerhalb der Niederlande vor allem unter dem Namen Miffy bekannt.

Miffy bestand bewusst nur aus dem Nötigsten. Bruna arbeitete mit starken schwarzen Konturen, wenigen Farben und einfachen geometrischen Flächen. Gesichtsausdrücke wurden nicht durch aufwendige Details erzeugt. Schon minimale Veränderungen mussten reichen, um Neugier, Freude oder Traurigkeit sichtbar zu machen.

Diese reduzierte Gestaltung wurde zum Markenzeichen. Die Bücher mussten nicht erst visuell entschlüsselt werden. Figuren, Situationen und Emotionen waren unmittelbar erkennbar – unabhängig davon, in welchem Land die Geschichten gelesen wurden.

Aus dem kleinen Kaninchen entwickelte sich so nach und nach eine internationale Ikone. Miffy erschien in zahlreichen Büchern und wurde weit über die ursprünglichen Geschichten hinaus bekannt.

Einfach zeichnen war für Bruna harte Arbeit

Dass seine Bilder so schlicht aussehen, bedeutete nicht, dass sie schnell entstanden. Bruna arbeitete äußerst sorgfältig und zeichnete seine charakteristischen schwarzen Linien von Hand. Die kleinen Unregelmäßigkeiten seiner Pinselstriche gehörten dabei ausdrücklich zum Ergebnis.

Auch seine Geschichten folgten diesem Prinzip. Statt Kinder mit möglichst vielen Informationen zu überladen, konzentrierte er sich auf einzelne Situationen und Gefühle. Familie, Freundschaft und alltägliche Erlebnisse fanden darin ebenso Platz wie schwierigere Themen wie Krankheit oder Verlust.

Bruna begegnete seinem jungen Publikum dabei nicht von oben herab. Seine Bücher wollten Kindern nicht ständig erklären, was sie denken oder fühlen sollten. Bilder und Texte ließen ihnen bewusst Platz für die eigene Wahrnehmung.

Eine Figur, die ihren Schöpfer überlebt hat

Dick Bruna starb am 16. Februar 2017 im Alter von 89 Jahren in seiner Heimatstadt Utrecht. Sein bekanntestes Werk entwickelte sich jedoch längst unabhängig von ihm weiter.

Miffy gehört heute nicht mehr ausschließlich ins Kinderbuchregal. Die Figur ist auf Kleidung und Spielzeug zu finden, taucht in Animationen und Kooperationen auf und hat ihren festen Platz in der internationalen Design- und Popkultur gefunden.

Auch Brunas Gestaltungsidee wirkt weiter. In einer Welt voller immer komplexerer Bilder erinnert sein Werk daran, wie stark ein Motiv sein kann, wenn alles Überflüssige verschwindet.

Am 23. August 2026 wäre Dick Bruna 99 Jahre alt geworden. Fast sieben Jahrzehnte nach der Entstehung von Miffy reichen noch immer wenige schwarze Linien aus, damit Millionen Menschen sofort wissen, welche Figur sie vor sich haben.

Daniel Fersch

Daniel schreibt über so ziemliches alles, was mit Games, Serien oder Filmen und (leider) auch fragwürdigen Streamern zu tun hat – insbesondere, wenn es dabei um Nintendo, Dragon Ball, Pokémon oder Marvel geht....