Er gehört wohl zu den polarisierendsten Figuren der deutschen TV-Landschaft: Oliver Pocher ist ein mehr als kontroverser Comedian.
Seine vorlaute, selbstdarstellerische Art brachte ihm reichlich Fans ein – aber eben auch jede Menge Kritik und so sind die Zuschauer seiner Shows und die Klicks auf seinen Videos mindestens so groß wie die Skandale die Pocher auf dem Fuße folgen.
Die Sucht nach Anerkennung
In der Regel scheint es dabei so, als ginge es dem 47-Jährigen dabei ausschließlich um Aufmerksamkeit – egal zu welchem Preis.
Ob er von seinem ehemaligen Arbeitgeber Harald Schmitt wegen seines flegelhaften Verhaltens gegenüber der norwegischen Sängerin Marina Mena abgestraft wird oder von Kollegin Carolin Kebekus einen Seitenhieb abkriegt, den er nicht gerade gut verkraftete, Pocher leistet sich beim Überschreiten von Grenzen auch reichlich Fehltritte und muss dann die Konsequenzen dafür tragen.
Im kürzlich veröffentlichten Interview mit YouTuber Aaron Troschke gibt Pocher unter anderem einen Einblick in seine Kindheit, was einige Zuschauer glauben lässt, eine Ursache für die polarisierende Art Pochers zu erkennen.
@aarontroschke Seine Eltern sind Zeugen Jehovas #aarontroschke #heyaaron
Originalton - Aaron Troschke
"Als Mobbing-Opfer vorprogrammiert"
Zu seiner Vergangenheit als Zeuge Jehovas (Pocher wurde in eine gläubige Familie geboren, wandte sich selbst aber von den Zeugen Jehovas ab) und dazu gefragt ob er Weihnachten gefeiert hätte, geht er auf die Abstriche ein, die schon von einem Kind in der strengen Glaubensgemeinte abverlangt werden:
Nein, man feiert gar nichts. [...] Kein Ostern, kein Pfingsten, kein Weihnachten, kein Geburtstag.
Die Einschränkungen, die darauf begründet sein sollen, dass die Zeugen Jehovas bemüht sind “das Ur-Christentum" wiederherzustellen, beziehen sich allerdings nicht ausschließlich auf Feiertage, sondern auch viele andere Bereiche des Lebens, an denen Kinder teilnehmen wollen oder sogar sollten:
Keine Klassenfahrten, kein Sexualkundeunterricht, kein Religionsunterricht, keine Wahl zum Klassensprecher. Du bist also eigentlich vorprogrammiert als absolutes Mobbingopfer und Außenseiter.
Auf Troschkes Rückfrage, ob er denn dann dementsprechend auch Außenseiter war, erklärt Pocher:
Es hat geholfen, dass ich aufgrund meiner Klassenkaspertätigkeit und durch die Grundbeliebtheit da durchgegangen bin. Aber, ich kenne sehr viele Zeugen Jehovas also 80% der Leute gehen daran kaputt oder haben massive Probleme und sind automatisch Außenseiter in der Klasse.
Kritische Blicke auf Pochers Aussagen
Die Kommentare unter dem Clip zeigen sich allerdings ein wenig skeptisch – einerseits mit Blick auf den Wahrheitsgehalt der Aussage, andererseits darauf, ob Pocher nicht ein wenig verklärt, wie beliebt er wirklich in seiner Schulzeit war.
"Was für keine Klassenfahrten? ich war auf jeder und war Klassensprecher" kommentiert ein offensichtlich auch bei den Zeugen Jehovas aufgewachsener Kommentator, wobei ein anderer zu bedenken gibt, dass die Strenge der Eltern und ihre Ausführungen des Glaubens dabei ebenfalls eine wichtige Rolle spielen – so gäbe es keine allgemeinen Verbote an solchen Veranstaltungen nicht teilnehmen zu dürfen, sondern eben die Einschätzung der Eltern. So schreibt eine Userin, dass sie selbst eine Schülerin gehabt hätte, die traurigerweise nie auf Karnevals- oder St. Martinszüge mitgehen durfte, da ihre Eltern gläubige Zeugen waren.
Mit Blick auf Pochers Verhalten als Erwachsener sehen andere Kommentare den Ursprung dafür in seiner Kindheit: "Jetzt macht das alles Sinn", schreibt ein User "um kein Mobbingopfer zu werden, wurde er einfach selbst der Mobber", was von einem anderen ergänzt wird mit "Und ist es noch heute!"
Ein weiterer meint "der hat einfach nicht gecheckt, dass die anderen in der Klasse ihn damals auch nicht leiden konnten und deswegen denkt er heute er ist witzig".
Für viele scheint die Parallele also eindeutig, dass der kleine Pocher, der aufgrund vieler Einschränkungen nur wenige Möglichkeiten hatte, am Geschehen und der Klassengemeinschaft teilzuhaben, dies mit Verhalten kompensierte, dass ihm viel Aufsehen bescherte – wobei unklar ist, ob die Resonanz der Mitschüler tatsächlich so positiv war, wie Pocher sagt – zum großen Pocher wurde, der weiterhin vor allem darum bemüht ist, im Mittelpunkt zu stehen, selbst wenn dies bedeutet, überall unangenehm aufzufallen oder anzuecken.