Wie ein Seitenhieb von Courtney Love zu Stefanis Durchbruch führte.
Gwen Stefani hat als Frontfrau von No Doubt und als Solokünstlerin Popgeschichte geschrieben. Einer ihrer größten Hits entstand aus einer Kränkung, einem Gespräch mit Pharrell Williams und einer Zeile, deren Ursprung noch eine zweite Geschichte hat. Zugleich sprach sie erst spät öffentlich darüber, warum ihr Lesen und Lernen in der Schule so schwerfielen. Heute wird Stefani 57 Jahre alt.
Von Anaheim um die Welt – No Doubt
Gwen Renée Stefani wurde am 3. Oktober 1969 im kalifornischen Fullerton geboren und wuchs im benachbarten Anaheim auf. Als Jugendliche begann sie bei No Doubt zu singen, der Band, die ihr Bruder Eric mitgegründet hatte. Zunächst spielte die Gruppe vor allem Ska. Mit Stefanis auffälliger Bühnenpräsenz, ihrer Stimme und Songs, die persönliche Erfahrungen in eingängige Refrains verwandelten, fand No Doubt schließlich ein weltweites Publikum.
Das Album Tragic Kingdom von 1995 brachte den Durchbruch. Just a Girl spielte mit den Erwartungen, die an junge Frauen gestellt werden. In Don’t Speak verarbeitete Stefani die Trennung von ihrem Bandkollegen Tony Kanal. Dass solche privaten Gefühle zu Songs wurden, die Millionen Menschen mitsangen, prägte ihr Image: Stefani wirkte auf der Bühne bunt und selbstbewusst, schrieb aber auch offen über Verletzlichkeit.
Warum Hollaback Girl entstand
Als Stefani Anfang der 2000er-Jahre an ihrem ersten Soloalbum Love. Angel. Music. Baby. arbeitete, wollte sie einen Song mit mehr Trotz und Energie. Ein möglicher Auslöser lag in einer Bemerkung von Courtney Love, der ehemaligen Partnerin von Kurt Cobain: Die Musikerin hatte Stefani in einem Interview abfällig als Cheerleaderin bezeichnet. Stefani machte aus dem Bild eine Kampfansage. Zusammen mit Pharrell Williams und Chad Hugo entstand Hollaback Girl – ein Stück mit stampfendem Beat, Sprechgesang und dem Selbstbewusstsein einer Person, die sich nicht auf Zuruf kleinmachen lässt. Stefani hat allerdings vermieden, den Song eindeutig als Abrechnung mit Love zu bestätigen.
Zur Entstehung gehört noch eine zweite Person. Pharrell Williams erzählte später, dass Naomi Campbell ihn auf den Ausdruck Hollaback Girl brachte. Er hatte mitbekommen, wie das Model ihn in einem Gespräch verwendete. So kamen mehrere Einflüsse zusammen: eine spitze Bemerkung über Stefani, Pharrells Erinnerung an Campbells Worte und Stefanis Wunsch nach einem Song, der sich wie eine selbstbewusste Erwiderung anfühlt.
Das Musikvideo machte die Cheerleader-Bilder schließlich zum Teil des Hits: Stefani zog mit Tanzgruppen und einer Marching Band durch eine kalifornische Highschool. Sie sagte später, dass sie selbst gern Cheerleaderin geworden wäre, es in der Schulzeit aber nicht ins Team geschafft hatte. 2005 erreichte Hollaback Girl Platz eins der US-Charts und wurde zu einem der prägenden Popsongs des Jahrzehnts.
Die Leseschwäche, die sie erst durch ihre Kinder verstand
2020 erzählte Stefani in einem Interview, dass sie bei sich selbst Dyslexie erkannt habe, nachdem ihre Söhne Schwierigkeiten beim Lesenlernen hatten. Rückblickend ergaben ihre eigenen Erfahrungen in der Schule für sie mehr Sinn. Sie schilderte, dass ihr das Lernen schwerfiel, obwohl sie sich bemühte. Dyslexie – auf Deutsch oft Legasthenie genannt – betrifft das Lesen und Schreiben; sie sagt nichts über die Intelligenz oder Kreativität eines Menschen aus.
Das Songschreiben wurde für Stefani ein anderer Weg, sich auszudrücken. Auf der Bühne und in ihrer Musik fand sie ein Selbstvertrauen, das ihr in der Schule gefehlt hatte. Später machte sie bei einer Preisverleihung sogar einen Witz über den Gegensatz zwischen ihren Schwierigkeiten mit dem Buchstabieren und einer der bekanntesten Stellen aus Hollaback Girl: Ausgerechnet sie habe der Welt beigebracht, das englische Wort für Bananen zu buchstabieren.
Soloerfolg und Rückkehr zu No Doubt
Nach Hollaback Girl blieb Stefani sowohl als Sängerin als auch jenseits der Musik präsent. Sie veröffentlichte weitere Soloalben, arbeitete im Modebereich und saß als Coach in der US-Castingshow The Voice. 2024 erschien ihr Album Bouquet. Gleichzeitig fand sie erneut mit No Doubt auf die Bühne: Nach gemeinsamen Auftritten 2024 und 2025 spielte die Band 2026 eine Konzertreihe in der Sphere in Las Vegas.
Mit 57 kann Gwen Stefani auf zwei eng verbundene Karrieren zurückblicken: die Sängerin von No Doubt und den Solostar hinter Hollaback Girl. Ihre Geschichte über Dyslexie gibt beiden noch eine persönliche Ebene. Die Frau, die vor Tausenden Menschen scheinbar mühelos die richtigen Worte findet, musste erst als Erwachsene verstehen, warum geschriebene Worte ihr als Kind so schwerfielen.
