Für die einen ist sie eine der wichtigsten Politikerinnen der Neuzeit, für andere eine Mörderin.
Hillary Clinton feiert heute, am 26. Oktober 2026, ihren 79. Geburtstag. Sie war First Lady, Senatorin, Außenministerin und die erste Präsidentschaftskandidatin einer großen US-Partei. Ihre politische Bilanz bietet Anlass zu erheblicher Kritik, besonders an außenpolitischen Entscheidungen und ihrem Umgang mit dienstlichen E-Mails. Der Schmähname „Killary“ vermischt diese Kritik jedoch häufig mit unbelegten Mordanschuldigungen. Ihre Geschichte beginnt weit entfernt davon: als Mädchen, das der NASA schrieb, weil es Astronautin werden wollte.
Die NASA sollte ihr erklären, wie man Astronautin wird
Hillary Diane Rodham wurde am 26. Oktober 1947 in Chicago geboren. Als Jugendliche begeisterte sie sich für die beginnende amerikanische Raumfahrt. Nach ihrer eigenen, mehrfach öffentlich erzählten Erinnerung schrieb sie mit ungefähr 13 oder 14 Jahren an die NASA und fragte, wie sie Astronautin werden könne.
Die Antwort entrüstend: Angeblich schrieb man ihr, dass Mädchen nicht als Astronautinnen angenommen würden. Dadurch verlor Clinton zwar ihre Motivation für den Weltraum, nicht aber, einen Karriereweg einzuschlagen, der bis dahin nur Männern vorbehalten war.
Eine eigene Karriere, bevor sie First Lady wurde
Nach ihrem Abschluss am Wellesley College studierte Rodham Rechtswissenschaften an der Yale Law School. Dort lernte sie Bill Clinton kennen, den sie 1975 heiratete. Ihre juristische Arbeit und ihr Interesse an den Rechten von Kindern begannen jedoch vor ihrer späteren Rolle im Weißen Haus. Sie arbeitete unter anderem für den Children’s Defense Fund und war an der Gründung von Arkansas Advocates for Children and Families beteiligt.
Als First Lady der USA von 1993 bis 2001 trat sie ungewöhnlich deutlich als politische Akteurin auf. Ihr ambitioniertes Vorhaben einer Gesundheitsreform scheiterte im Kongress. Später unterstützte sie die Einführung des staatlichen Krankenversicherungsprogramms für Kinder, das unter dem Kürzel CHIP bekannt wurde
Auch ihre Rede auf der UN-Weltfrauenkonferenz 1995 in Peking gehört zu ihren prägenden öffentlichen Auftritten. Mit der Aussage, Frauenrechte seien Menschenrechte, stellte sie Gewalt und Benachteiligung von Frauen als Fragen grundlegender Rechte heraus.
Senatorin, Außenministerin und eine historische Kandidatur
2000 wurde Clinton in den US-Senat gewählt. Von 2009 bis 2013 war sie Außenministerin unter Barack Obama, gegen den sie zuvor im demokratischen Vorwahlkampf verloren hatte. 2016 wurde sie als erste Frau von einer der beiden großen US-Parteien als Präsidentschaftskandidatin nominiert.
Bei der Wahl erhielt sie landesweit knapp drei Millionen Stimmen mehr als Donald Trump, verlor aber im entscheidenden Wahlleutegremium. Ihre Kandidatur war damit ein historischer Durchbruch, ohne mit dem Einzug ins Präsidentenamt zu enden.Diese Bedeutung schützt sie nicht vor einer kritischen Bewertung. Eine Frau an der Spitze ist ein Fortschritt bei der politischen Repräsentation. Ob ihre Entscheidungen gerecht, verantwortungsvoll oder überzeugend sind, bleibt eine eigene Frage.
„Killary“
„Killary“ ist ein abwertendes Wortspiel aus Hillary und dem englischen Wort „kill“. Es unterstellt eine Verbindung zwischen Clinton und Tod beziehungsweise Gewalt. Dabei werden unterschiedliche Vorwürfe miteinander vermischt: Kritik an ihrer Unterstützung militärischer Interventionen, Anschuldigungen rund um den Angriff in Bengasi und Verschwörungserzählungen über angeblich von den Clintons veranlasste Morde.
Besonders die sogenannte Clinton-Body-Count-Erzählung verbreitet seit Jahrzehnten die Behauptung, Bill und Hillary Clinton hätten politische Gegner oder andere Personen heimlich töten lassen. Faktenchecks haben für diese angeblichen Mordserien keine belastbaren Belege gefunden. Einzelne Todesfälle werden durch lose Bekanntschaften oder politische Verbindungen zu einer vermeintlichen gemeinsamen Geschichte zusammengefügt.
In entsprechenden Foren im Netz werden ihr zudem immer wieder Verbindungen zum angeblichen "Pizzagate" vorgeworfen und behauptet, sie sei an der Entführung und dem Handel von Kindern beteiligt. Wirklich nachgewiesen konnten ihr derartige Verstrickungen nie stichhaltig – doch das Netz braucht oft keine wirklichen Beweise, sondern nur eine gute Story.
Ihre Außenpolitik bietet genügend reale Streitpunkte
Als Senatorin stimmte Clinton 2002 für die Ermächtigung zum Einsatz militärischer Gewalt gegen den Irak. Später erklärte sie, diese Entscheidung zu bereuen. Als Außenministerin unterstützte sie 2011 die militärische Intervention in Libyen. Ihre außenpolitische Haltung wurde deshalb häufig als interventionistisch beschrieben.
Hier liegt ein berechtigter Ansatzpunkt für Kritik: Welche Risiken wurden vor militärischen Eingriffen berücksichtigt? Welche Verantwortung tragen politische Entscheidungsträger für die Folgen? Und wie überzeugend sind spätere Eingeständnisse, wenn die ursprünglichen Entscheidungen bereits weitreichende Konsequenzen hatten?
Solche Fragen benötigen keine erfundene Mordliste. Die politische Verantwortung für die Unterstützung eines Krieges oder einer Intervention ist schwerwiegend genug, um sie präzise zu untersuchen. Sie ist zugleich etwas anderes als die Behauptung, eine Person habe heimlich bestimmte Menschen ermorden lassen.
Bengasi und die E-Mail-Affäre
Am 11. September 2012 wurden bei Angriffen auf US-Einrichtungen in Bengasi vier Amerikaner getötet, darunter Botschafter Christopher Stevens. Clinton stand als Außenministerin wegen der Sicherheitsvorkehrungen und des Umgangs mit den Angriffen unter erheblicher Kritik. Das Ereignis wurde Gegenstand umfangreicher Untersuchungen.
Politische Verantwortung für Sicherheitsversäumnisse muss diskutiert werden können. Aus dem Tod der vier Männer folgt jedoch kein Beleg dafür, dass Clinton den Angriff veranlasst hätte. Gerade hier verdeckt ein Schlagwort wie „Killary“ oft die konkreten Fragen nach Zuständigkeiten und Entscheidungen.
Ein weiterer realer Kritikpunkt war ihre Nutzung eines privaten E-Mail-Systems für dienstliche Kommunikation. Das FBI bewertete den Umgang mit besonders sensiblen Informationen 2016 als äußerst nachlässig, empfahl aber keine strafrechtliche Anklage. Das Justizministerium schloss die Untersuchung entsprechend ohne Anklage ab.
Beide Aspekte gehören zusammen: Keine Anklage bedeutet nicht, dass ihr Verhalten unproblematisch war. Die dokumentierte Nachlässigkeit rechtfertigt umgekehrt nicht, beliebige weitere Straftaten als erwiesen darzustellen.
Zwischen berechtigter Kritik und persönlicher Dämonisierung
Clintons Einsatz für Frauen- und Kinderrechte gehört zu ihrer politischen Bilanz. Ebenso gehören ihre Fehlentscheidungen, gescheiterten Vorhaben und umstrittenen außenpolitischen Positionen dazu. Ihre Karriere lässt sich weder als reine Fortschrittsgeschichte noch als Geschichte einer angeblich allmächtigen Verschwörerin sinnvoll verstehen.
Der NASA-Brief zeigt ein Mädchen, dessen beruflicher Wunsch an einer Geschlechtergrenze scheiterte. Jahrzehnte später stand dieselbe Frau kurz davor, Präsidentin der Vereinigten Staaten zu werden. Das ist historisch bemerkenswert, macht sie aber nicht unfehlbar.
An ihrem 79. Geburtstag verdient Hillary Clinton eine Bewertung anhand ihrer tatsächlichen Arbeit und Entscheidungen. Wer ihre Politik kritisieren möchte, findet dafür belegte Ansatzpunkte. Wer stattdessen unbelegte Mordgeschichten verbreitet, trägt wenig zur Aufarbeitung bei – und macht es schwerer, politische Verantwortung sachlich zu benennen.
