Wie der Traum einer jungen Frau, Influencer zu werden, ein grauenvolles Ende fand, das andauert.
Heute wäre Bianca Devins 25 Jahre alt geworden. Der 2. Oktober 2026 ist ein Anlass, an eine junge Frau zu erinnern, die zeichnete, Musik machte und anderen helfen wollte. Seit ihrer Ermordung im Juli 2019 steht ihr Name auch für den Kampf gegen die Verbreitung von Gewaltbildern. An ihrem Geburtstag sollen vor allem ihre Persönlichkeit und die Zukunft im Mittelpunkt stehen, die sie sich aufbauen wollte.
Ein Geburtstag, an dem ihre Zukunft fehlt
Bianca Michelle Devins wurde am 2. Oktober 2001 geboren und wuchs in Utica im US-Bundesstaat New York auf. Als sie starb, lag ihr Schulabschluss erst wenige Wochen zurück. Im Herbst wollte sie ihre Ausbildung am College fortsetzen. Ihr 25. Geburtstag macht schmerzhaft deutlich, wie viel Zeit und wie viele Möglichkeiten ihr genommen wurden.
Welche Entscheidungen sie seitdem getroffen hätte, kann niemand wissen. Sicher ist dagegen, was ihr damals wichtig war: Kunst, Tiere, ihre Freunde und der Wunsch, Jugendlichen mit psychischen Problemen zu helfen. Wer heute an Bianca erinnert, kann bei diesen Interessen beginnen und bei dem Menschen, den ihre Familie kannte.
Kreativität und der Wunsch, anderen beizustehen
In der Traueranzeige beschrieben ihre Angehörigen Bianca als talentierte Künstlerin, die Ukulele spielte und besonders ihre Katzen liebte. Sie erinnerten sich an ihre fürsorgliche Art und daran, wie sie Freunden durch schwierige Zeiten half. Das sind kleine, persönliche Einblicke, die mehr über sie erzählen als die Schlagzeilen zu ihrem Tod.
Auch ihr Interesse an Psychologie hatte einen konkreten Bezug zu anderen Menschen. Bianca wollte später mit Jugendlichen arbeiten, die unter psychischen Erkrankungen leiden. Ihre Familie bewahrt diesen Wunsch bis heute durch den Bianca Michelle Devins Memorial Scholarship Fund. Der Fonds unterstützt Studierende auf ihrem Weg zu einem Psychologieabschluss.
Ein Verbrechen und seine Folgen
Am 14. Juli 2019 wurde die 17-Jährige in Utica von Brandon Clark ermordet. Sie hatte ihn über Instagram kennengelernt und war am Vorabend mit ihm zu einem Konzert nach New York City gefahren. Die Tat geschah nach ihrer Rückkehr. Clark bekannte sich im Februar 2020 des Mordes zweiten Grades schuldig.
Im März 2021 verurteilte ihn ein Gericht zu einer Freiheitsstrafe von 25 Jahren bis lebenslang. Für Biancas Angehörige brachte dieses Urteil eine strafrechtliche Antwort auf das Verbrechen. Die Belastung durch die Veröffentlichung und Weiterverbreitung von Aufnahmen ihres Körpers endete damit jedoch nicht.
Wie Bilder die Trauer immer wieder unterbrechen
Clark stellte nach der Tat Bilder von Bianca ins Internet. Andere Nutzer verbreiteten die Aufnahmen weiter. Damit wurden die letzten, gewaltsamen Momente ihres Lebens öffentlich zugänglich gemacht, während ihre Angehörigen gerade erst versuchten zu begreifen, was geschehen war. Manche Menschen schickten der Familie die Bilder gezielt zu.
Solche Nachrichten nehmen Hinterbliebenen die Möglichkeit, selbst zu entscheiden, wann und wie sie sich mit ihrem Verlust auseinandersetzen. Eine unerwartete Nachricht kann sie jederzeit wieder mit dem Verbrechen konfrontieren. Das Melden einer Aufnahme verlangt zudem häufig genau jene Beschäftigung mit dem Bild, vor der Betroffene eigentlich geschützt werden müssten.
Erinnerung braucht auch Schutz im Netz
Die Verbreitung der Aufnahmen löste Kritik an den beteiligten Plattformen aus. Zugleich versuchten Unterstützer, mit freundlichen Bildern und Erinnerungen an Bianca gegenzusteuern. Darin lag der Versuch, ihre öffentliche Wahrnehmung wieder mit ihrem Leben zu verbinden. Doch positive Beiträge allein können verletzende Inhalte nicht aus dem Netz entfernen.
Für Plattformen ergibt sich daraus eine konkrete Aufgabe: Meldungen über solche Aufnahmen müssen schnell geprüft werden, und Angehörige brauchen erreichbare Ansprechpartner. Auch wiederholte Veröffentlichungen gehören zum Problem. Wird ein Bild gelöscht und wenig später erneut hochgeladen, beginnt der Kampf für die Familie von vorn.
Was aus Bianca’s Law wurde
Kim Devins setzte sich nach dem Tod ihrer Tochter für rechtliche Veränderungen ein. Am 29. Dezember 2022 unterzeichnete die Gouverneurin von New York eine Regelung gegen die unrechtmäßige Verbreitung persönlicher Bilder von Verbrechensopfern. Bekannt wurde die Initiative als Bianca’s Law; die verabschiedete Fassung trug den Namen Bianca and Caroline’s Law und erinnerte auch an das Mordopfer Caroline Wimmer.
Die geltende Strafnorm ist an bestimmte Voraussetzungen gebunden. Sie erfasst unter anderem Tatbeteiligte, die entsprechende Aufnahmen ohne Einwilligung erstellen und mit Schädigungsabsicht auf sozialen Plattformen veröffentlichen, sowie Personen, die in ihrem Auftrag handeln. Ein pauschales Verbot jeder Weiterverbreitung lässt sich daraus nicht ableiten. Diese Grenzen zeigen, warum gesetzlicher Schutz und wirksame Moderation zusammenwirken müssen.
Warum die Erinnerung 2026 weiterhin Arbeit bedeutet
Auch im Jahr ihres 25. Geburtstags ist der Kampf der Familie nicht abgeschlossen. Kim Devins berichtete dem Guardian im April 2026, dass die Aufnahmen weiterhin kursierten und ihr erneut zugeschickt worden waren. Sie engagiert sich deshalb weiter für mehr Verantwortung der Plattformen und einen besseren Schutz von Angehörigen.
Für Menschen, die über Bianca berichten oder ihren Namen in sozialen Netzwerken sehen, beginnt Verantwortung schon bei der Auswahl dessen, was sie teilen. Ein Porträt, eine Erinnerung oder ein Hinweis auf den Stipendienfonds kann dazu beitragen, ihr Leben sichtbar zu halten. Die Gewaltaufnahmen weiterzugeben, verlängert dagegen die Belastung der Menschen, die sie verloren haben.
An Bianca erinnern, indem andere eine Chance bekommen
Der von den Familien Devins und Williams gegründete Stipendienfonds verbindet Biancas Erinnerung mit einer Aufgabe, die ihr selbst wichtig war. Er unterstützt Menschen, die Psychologie studieren möchten, und führt damit ihren Wunsch weiter, Jugendlichen mit psychischen Erkrankungen beizustehen. Aus einer Zukunft, die ihr verwehrt blieb, entstehen so Möglichkeiten für andere.
Am 2. Oktober 2026 wäre Bianca Devins 25 Jahre alt geworden. Ihre Familie und Freunde können diesen Geburtstag nicht mit ihr feiern. Was sie bewahren können, sind Erinnerungen an ihre Musik, ihre Kreativität, ihre Zuneigung zu Tieren und ihre Hilfsbereitschaft. Darin wird sichtbar, wer Bianca war – und weshalb ihr Leben auch sieben Jahre nach ihrem Tod Aufmerksamkeit verdient.
