Jeremy Irons wird 78: Der Oscarpreisträger, der in einem Schloss lebt und mit seinem Motorrad spricht

Wer ein eigenes Schloss besitzt, darf sich auch ruhig mit den Gegenständen darin unterhalten...

Jeremy Irons 01 Wild Bunch
Einer unter ganz wenigen mit dieser Reihe an Auszeichnungen. | © Wild Bunch

Jeremy Irons feiert am heutigen 19. September 2026 seinen 78. Geburtstag. Seine markante Stimme und seine oft rätselhaften Figuren machten ihn zu einem der angesehensten britischen Schauspieler. Privat führt Irons ein nicht weniger ungewöhnliches Leben: Er restaurierte ein irisches Schloss, sammelt alte Gegenstände und ist davon überzeugt, dass Dinge die Energie ihrer Umgebung aufnehmen können.

Kindheit auf der Isle of Wight

Jeremy John Irons wurde am 19. September 1948 in Cowes auf der englischen Isle of Wight geboren. Sein Vater Paul war Buchhalter, seine Mutter Barbara Hausfrau. Irons wuchs gemeinsam mit einem älteren Bruder und einer älteren Schwester auf.

Als Jugendlicher besuchte er die Sherborne School in Dorset. Dort spielte er Schlagzeug und Mundharmonika in der Schülerband Four Pillars of Wisdom. Ein Leben als Schauspieler war zunächst nicht geplant. Irons dachte zeitweise darüber nach, Tierarzt zu werden, verfügte nach eigener Einschätzung aber nicht über die notwendigen schulischen Leistungen.

Nach der Schule nahm er verschiedene Gelegenheitsarbeiten an. Er arbeitete unter anderem als Reinigungskraft, trat als Straßenmusiker auf und handelte mit alten Möbeln. Das Interesse an Antiquitäten blieb ihm erhalten und sollte später sogar seine Vorstellung vom Eigenleben alter Gegenstände prägen.

Der Durchbruch mit Wiedersehen mit Brideshead

Internationale Bekanntheit erlangte Irons 1981 mit der Fernsehserie Wiedersehen mit Brideshead. In der Verfilmung des Romans von Evelyn Waugh spielte er Charles Ryder, der in die Welt der katholischen Adelsfamilie Flyte hineingezogen wird.

Die aufwendige Produktion wurde zu einem der einflussreichsten britischen Fernsehdramen ihrer Zeit. Irons verkörperte Charles als zurückhaltenden Beobachter, dessen Faszination für Sebastian Flyte und dessen Familie zunehmend sein eigenes Leben bestimmt.

Noch im selben Jahr spielte er an der Seite von Meryl Streep in Die Geliebte des französischen Leutnants. Beide übernahmen darin jeweils zwei miteinander verbundene Rollen. Die Leistung brachte Irons seine erste Nominierung für einen BAFTA Award ein und etablierte ihn endgültig als international gefragten Filmschauspieler.

Kontroverse Rollen und große Produktionen

1997 übernahm Irons in der zweiten Verfilmung von Vladimir Nabokovs Lolita die Rolle des Humbert Humbert. Wegen der Beziehung der erwachsenen Hauptfigur zu einem minderjährigen Mädchen war bereits die literarische Vorlage umstritten. Auch der Film hatte Schwierigkeiten, in den USA einen Verleih zu finden.

Irons spielte anschließend in Produktionen wie Der Mann in der eisernen Maske, Das Haus der Geister, Being Julia, Königreich der Himmel, Eragon – Das Vermächtnis der Drachenreiter und Der große Crash – Margin Call.

Von 2011 bis 2013 verkörperte er in der Serie Die Borgias Papst Alexander VI. Die Rolle brachte ihm eine Golden-Globe-Nominierung ein. Als Alfred Pennyworth wurde Irons später Teil des DC-Filmuniversums und war in Batman v Superman: Dawn of Justice, Justice League und Zack Snyder’s Justice League zu sehen.

In der HBO-Serie Watchmen spielte er 2019 eine gealterte Version von Adrian Veidt. Danach folgten Rollen in House of Gucci, Munich: Im Angesicht des Krieges und Die statistische Wahrscheinlichkeit von Liebe auf den ersten Blick. 2025 trat er außerdem in The Morning Show als Vater der von Jennifer Aniston gespielten Alex Levy auf.

Oscar, Emmy und Tony

Jeremy Irons gehört zu dem kleinen Kreis von Schauspielern, die die sogenannte Triple Crown of Acting gewonnen haben. Damit sind Auszeichnungen bei den Oscars, den Emmys und den Tony Awards gemeint.

Seinen Tony erhielt er 1984 für das Broadway-Stück The Real Thing. Der Oscar folgte für Die Affäre der Sunny von B.. Mehrere Emmys gewann er für seine Fernseh- und Sprecherarbeiten, darunter für die Miniserie Elizabeth I und als Erzähler der Naturdokumentation Game of Lions.

Irons’ Stimme entwickelte sich zu einem eigenen Markenzeichen. Neben Scar sprach er zahlreiche Dokumentationen, Hörbücher und Werbeproduktionen. Besonders seine Lesung von Vladimir Nabokovs Roman Lolita wurde vielfach ausgezeichnet.

Ein eigenes Schloss in Irland

Die ungewöhnlichste Immobilie des Schauspielers ist Kilcoe Castle in West Cork. Die Festung wurde im 15. Jahrhundert vom Clan Dermot MacCarthy errichtet und im frühen 17. Jahrhundert von englischen Truppen erobert. Danach stand sie über Jahrhunderte leer und verfiel zu einer dachlosen Ruine.

Irons und seine Familie kannten das Bauwerk von Ausflügen in der Roaringwater Bay. 1998 kaufte der Schauspieler die Ruine – nach Angaben seiner Frau hatte er den Kauf praktisch abgeschlossen, bevor er sie ausführlich darüber informierte.

Die Restaurierung dauerte rund sechs Jahre. Irons beaufsichtigte das Projekt persönlich und arbeitete mit lokalen Handwerkern, Steinmetzen, Tischlern und Künstlern zusammen. Moderne Elemente wie Strom, Heizung, Badezimmer und Internet wurden eingebaut, ohne den Charakter des mittelalterlichen Turmhauses vollständig zu verändern.

Für die Innenräume sammelte Irons Möbel, Teppiche, Instrumente und Kunstgegenstände aus verschiedenen Ländern. Ein antikes Holzpferd musste mit einem Kran durch das Dach in das Gebäude gehoben werden. Der zentrale Wohnraum erstreckt sich über zwei Etagen und enthält neben einem großen Kamin auch einen Flügel und eine umlaufende Galerie.

Besonders auffällig ist die rostrote bis ockerfarbene Außenfassade. Sie entstand durch einen Kalkputz mit Eisensulfat, der beim Oxidieren seine Farbe verändert. Anfangs sorgte die Gestaltung für Diskussionen, inzwischen gilt Kilcoe Castle als markantes Wahrzeichen der Gegend.

Irons besitzt zudem eine sehr kleine Insel in der Nähe des Schlosses. Auf ihr steht ein einfaches Cottage. Nach eigener Aussage kann er die etwa 100 Meter vom Schloss bis zur Insel bei geeigneten Bedingungen schwimmend zurücklegen.

Gute Gespräche mit leblosen Gegenständen

Irons sammelt alte Möbel und Gegenstände nicht nur wegen ihrer Optik. Er glaubt, dass Objekte die Energie der Menschen und Orte aufnehmen, die sie über lange Zeit umgeben. Je älter ein Gegenstand ist, desto mehr Erfahrungen seien gewissermaßen in ihm gespeichert.

Diese Vorstellung führt dazu, dass Irons Dinge nicht ohne Weiteres wegwerfen kann. Er repariert, restauriert und verwendet sie lieber weiter. Manche Gegenstände betrachtet er beinahe wie lebendige Begleiter.

Besonders eng ist seine Beziehung zu einem seiner BMW-Motorräder. Irons erklärte in einem Interview, dass er tatsächlich mit der Maschine spreche. Wenn er längere Zeit nicht gefahren sei oder ein anderes Motorrad benutzt habe, entschuldige er sich sogar bei ihr.

Auch einzelnen Möbeln, Statuen und Masken schreibt er eine spürbare Energie zu. Eine alte afrikanische Maske empfindet er beispielsweise als unheimlich, während eine Buddhafigur aus Myanmar für ihn eine positive Ausstrahlung besitzt. Irons behauptet dabei nicht, dass die Gegenstände ihm im wörtlichen Sinne antworten. Er behandelt sie jedoch so, als besäßen sie einen eigenen Charakter und eine gespeicherte Geschichte.

Zu seiner Arbeit als Schauspieler passt diese Eigenheit erstaunlich gut. Irons versucht, unsichtbaren Erfahrungen eine Stimme zu verleihen – unabhängig davon, ob sie in einem Drehbuch, einem alten Stuhl, einem Motorrad oder den Mauern eines Schlosses stecken.

Engagement gegen Hunger und Todesstrafe

Neben seiner Schauspielkarriere engagiert sich Irons seit vielen Jahren für soziale und politische Anliegen. Besonders deutlich positionierte er sich gegen die Todesstrafe. Für Amnesty International sprach er über Fehlurteile, staatliche Gewalt und die aus seiner Sicht grundsätzliche Unvereinbarkeit von Hinrichtungen mit den Menschenrechten.

2012 unterstützte er die Kampagne für den japanischen Boxer Hakamada Iwao, der nach einem umstrittenen Verfahren jahrzehntelang in einer Todeszelle saß. Irons beteiligte sich außerdem an Unterrichts- und Informationsmaterialien, mit denen Amnesty junge Menschen über die Todesstrafe aufklärte.

Seit 2011 ist er Goodwill-Botschafter der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen. In dieser Funktion machte er auf weltweiten Hunger, Ernährungssicherheit und die Verschwendung von Lebensmitteln aufmerksam.

Irons ist außerdem Schirmherr des Prison Phoenix Trust. Die Organisation ermöglicht Gefangenen und Mitarbeitern in Justizvollzugsanstalten den Zugang zu Meditation und Yoga. Weitere von ihm unterstützte Projekte beschäftigen sich mit kranken Kindern, Obdachlosigkeit, psychischer Gesundheit und dem Schutz bedrohter Tierarten.

Der Kampf gegen Müll und Verschwendung

Irons’ Abneigung gegen das Wegwerfen alter Gegenstände ist auch Teil seines Umweltengagements. 2012 produzierte und präsentierte er den Dokumentarfilm Trashed. Dafür reiste er zu Mülldeponien, verschmutzten Küsten und Verbrennungsanlagen in verschiedenen Teilen der Welt.

Der Film untersucht, wie Plastik, Chemikalien und schlecht entsorgte Abfälle in Böden, Meere und Nahrungsketten gelangen. Zugleich stellt er Recyclingkonzepte und Modelle vor, mit denen Gemeinden ihren Müll reduzieren können.

Irons kritisierte insbesondere eine Wegwerfkultur, in der Produkte kaum noch repariert werden. Seine eigene Vorliebe für abgenutzte Möbel, alte Kleidung und wiederverwendete Baumaterialien ist damit nicht nur eine ästhetische Marotte. Sie gehört zu seiner Vorstellung, dass bereits vorhandene Dinge gepflegt und weitergegeben werden sollten.

Ein Schauspieler voller Widersprüche

Jeremy Irons kann aristokratisch und bodenständig, distanziert und leidenschaftlich, rational und ausgesprochen spirituell wirken. Seine besten Rollen leben von ähnlichen Gegensätzen. Er spielt Figuren selten als eindeutig gut oder böse, sondern sucht nach den Widersprüchen hinter ihrer Fassade.

Auch sein Privatleben passt in kein gewöhnliches Prominentenbild. Irons trägt alte Kleidung weiter, rettet Möbel vor dem Müll, fährt mit der Kutsche durch West Cork und lebt zeitweise in einer Festung, die bei seinem Kauf seit Jahrhunderten unbewohnbar gewesen war.

An seinem 78. Geburtstag bleibt Jeremy Irons damit nicht nur einer der markantesten Schauspieler seiner Generation. Er ist auch ein Mann, der eine Ruine wieder zum Leben erweckte und sich bei seinem Motorrad entschuldigt, wenn er zu lange mit einer anderen Maschine unterwegs war.

Daniel Fersch

Daniel schreibt über so ziemliches alles, was mit Games, Serien oder Filmen und (leider) auch fragwürdigen Streamern zu tun hat – insbesondere, wenn es dabei um Nintendo, Dragon Ball, Pokémon oder Marvel geht....