Stefán Karl Stefánsson: Acht Jahre nach dem Tod von Freddie Faulig und dem beeindruckenden Künstler dahinter

Die Figur des Freddy Faulig gehört für viele zu ihrer Kindheit – der Künstler dahinter prägte jedoch so vieles mehr.

Seine Figur prägte Generationen und das Internet – die Hintergründe kennt hierzulande kaum jemand. | © ImdB / BBC

Heute, am 21. August 2026, jährt sich der Tod von Stefán Karl Stefánsson zum achten Mal. Der isländische Schauspieler wurde nur 43 Jahre alt. Millionen Menschen kannten ihn vor allem als Freddie Faulig aus der Kinderserie LazyTown – Los geht’s. Doch hinter der überzeichneten Figur mit den hochgezogenen Augenbrauen, den absurden Verkleidungen und den immer wieder scheiternden Plänen steckte ein Schauspieler mit einer langen Theaterkarriere, einer großen Leidenschaft für körperliche Komik und einem bemerkenswerten sozialen Engagement.

Spätestens durch das Internet wurde Stefán Karl Jahre nach dem Start von LazyTown – Los geht’s noch einmal einer völlig neuen Generation bekannt. Aus Freddie Faulig wurde eine Meme-Ikone, aus Wir sind Nummer Eins eines der bekanntesten Internet-Memes der 2010er-Jahre – und aus einer zunächst scherzhaften Online-Community entwickelte sich während seiner Krebserkrankung eine enorme Welle der Unterstützung.

Eine Kindheit zwischen Theater und Hafen

Stefán Karl Stefánsson wurde am 10. Juli 1975 in Hafnarfjörður geboren, einer Hafenstadt südlich von Reykjavík. Schon früh interessierte er sich für Schauspiel und Unterhaltung. Mit gerade einmal 13 Jahren soll er bereits sein erstes Amateurtheaterstück inszeniert haben.

Mindestens genauso prägend war jedoch der Hafen seiner Heimatstadt. Stefán Karl erinnerte sich später an einen Spitznamen aus seiner Kindheit, der ziemlich gut zu seinem damaligen Alltag passte: Stebbi, die Pier-Ratte.

So bekam Stefán Karl seinen Spitznamen Pier-Ratte

Der Ursprung des Spitznamens war wesentlich weniger glamourös, als der Name zunächst vermuten lässt. Als Kind hielt sich Stefán Karl offenbar ständig rund um den Hafen und die Piers von Hafnarfjörður auf. Er beschrieb sich selbst rückblickend als einen Jungen, der dort herumstreifte, viel allein spielte und dabei regelmäßig von Kopf bis Fuß dreckig wurde.

Genau deshalb wurde aus Stefán beziehungsweise dem isländischen Spitznamen Stebbi schließlich Die Pier-Ratte. Die Bezeichnung war kein späterer Künstlername und hatte auch nichts mit seiner Rolle in LazyTown – Los geht’s zu tun. Sie stammte aus seiner Kindheit und zeichnete das Bild eines neugierigen Jungen, der seine Umgebung lieber selbst erkundete, als still irgendwo sitzen zu bleiben.

Vom Puppenspieler zum Schauspieler

Seine professionelle Karriere begann Stefán Karl in den 1990er-Jahren. Mit 19 arbeitete er zunächst als Puppenspieler für das isländische Fernsehen und studierte parallel Schauspiel. 1999 schloss er seine Ausbildung an der isländischen Schauspielschule ab.

Schon damals lag ihm eine Form des Schauspiels, die später für Freddie Faulig entscheidend werden sollte: große Gesten, extreme Gesichtsausdrücke, präzises Timing und körperliche Comedy. Stefán Karl interessierte sich stark für Clownerie und Commedia dell’arte. In Island brachte ihm seine expressive Art später sogar Vergleiche mit Jim Carrey ein.

Nach seiner Ausbildung spielte er unter anderem am Isländischen Nationaltheater. Auf der Bühne war er in Produktionen wie Der kleine Horrorladen, Cyrano de Bergerac, Ein Sommernachtstraum und Singin’ in the Rain zu sehen. Die Tragikomödie Stones in His Pockets entwickelte sich mit rund 180 Aufführungen zu einem außergewöhnlichen Erfolg in Island.

Stefán Karl war damit lange vor seinem internationalen Durchbruch ein etablierter Theaterschauspieler. Seine spätere Kinderfernsehrolle zeigte vor allem einem viel größeren Publikum Fähigkeiten, die er sich bereits über Jahre auf der Bühne erarbeitet hatte.

Die Rolle, die sein Leben verändern sollte

Ende der 1990er-Jahre traf Stefán Karl auf Magnús Scheving. Der ehemalige Sportler arbeitete an einem Konzept, das Kinder zu mehr Bewegung und einer gesünderen Lebensweise motivieren sollte. Aus dieser Idee entwickelte sich zunächst ein Bühnenprojekt rund um LazyTown.

Scheving spielte den sportlichen Helden Sportacus. Stefán Karl übernahm dessen komplettes Gegenteil: einen Bösewicht, der am liebsten seine Ruhe haben wollte und alles daran setzte, die Bewohner von LazyTown vom Sport abzuhalten. Im isländischen Original hieß die Figur Glanni Glæpur, für die internationale Fernsehserie wurde daraus Robbie Rotten. In der deutschen Synchronisation kennt man ihn als Freddie Faulig.

Als Nickelodeon das Konzept schließlich als Fernsehserie umsetzte, blieb Stefán Karl der Figur erhalten. Dafür musste er allerdings eine zusätzliche Herausforderung meistern: Zu Beginn sprach er praktisch kein Englisch und arbeitete deshalb intensiv mit einem Sprachlehrer.

2004 startete LazyTown – Los geht’s. Die Mischung aus realen Schauspielern, Puppen und Computeranimation wurde international zum Erfolg und schließlich in mehr als 180 Ländern ausgestrahlt. Stefán Karl verkörperte Freddie Faulig über mehrere Staffeln hinweg und kehrte auch für die Wiederbelebung der Serie ab 2013 zurück.

Außerhalb von LazyTown blieb er ebenfalls dem Theater treu. Zwischen 2008 und 2015 spielte er beispielsweise mehrfach den Grinch in einer großen nordamerikanischen Bühnenproduktion.

Wie Freddie Faulig Jahre später zum Internetstar wurde

Eine zweite Karriere von Freddie Faulig konnte beim Dreh der Serie niemand vorhersehen. Jahre nach der ursprünglichen Ausstrahlung entdeckte die Meme-Kultur LazyTown – Los geht’s für sich.

Zunächst verbreiteten sich Szenen und Songs aus der Serie in immer neuen Bearbeitungen. Besonders Ihr seid Piraten entwickelte früh ein Eigenleben im Netz. Der endgültige Durchbruch als Meme-Ikone folgte jedoch mit Wir sind Nummer Eins.

Ab 2016 entstanden Tausende Remixe, Parodien und immer absurdere Varianten des Songs. Auf Reddit wurde das Stück beziehungsweise das dazugehörige Freddie-Faulig-Meme zu einem der prägenden Memes seiner Zeit. Stefán Karl beobachtete diese Entwicklung nicht mit Distanz oder Ablehnung. Im Gegenteil: Er freute sich darüber, dass Menschen Jahre später etwas völlig Neues aus den Szenen machten und interpretierte die Memes als Kompliment an die Serie.

Als Dank an die Community kam es im Dezember 2016 sogar zu einer gemeinsamen Live-Aufführung von Wir sind Nummer Eins mit Stefán Karl und weiteren Darstellern aus der ursprünglichen Szene.

Sein Kampf gegen Mobbing

Abseits der Kamera engagierte sich Stefán Karl über viele Jahre intensiv gegen Mobbing. Er hatte selbst Erfahrungen damit gemacht und gründete in Island die Organisation Regnbogabörn, also "Regenbogenkinder".

Die Organisation sollte Kindern helfen, die gemobbt wurden, gleichzeitig aber auch Eltern, Lehrkräfte und andere Beteiligte über das Thema aufklären. Stefán Karl nutzte seine wachsende Bekanntheit bewusst, um Aufmerksamkeit für diese Arbeit zu schaffen.

Sein Engagement ging dabei deutlich über öffentliche Kampagnen hinaus. Zeitgenössische Berichte beschreiben, dass er persönlich mit Kindern sprach, die sich in schweren Krisen befanden. Später versuchte er, die Anti-Mobbing-Arbeit auch international bekannter zu machen und hielt unter anderem Vorträge in den USA.

2018 erhielt Stefán Karl den isländischen Falkenorden. Gewürdigt wurden damit nicht nur seine Leistungen als Schauspieler, sondern auch sein Beitrag zur isländischen Gesellschaft.

Die Krebsdiagnose

Im Jahr 2016 änderte sich sein Leben grundlegend. Bei Stefán Karl wurde ein Gallengangskarzinom diagnostiziert, eine seltene und oftmals spät entdeckte Form von Krebs.

Weil er aufgrund seiner Erkrankung zeitweise nicht mehr arbeiten konnte, startete LazyTown-Autor Mark Valenti eine Spendenkampagne für Stefán Karl und seine Familie. Genau zu diesem Zeitpunkt explodierte gleichzeitig die Popularität der Freddie-Faulig-Memes im Internet.

Aus dem Meme entwickelte sich dadurch etwas ungewöhnlich Persönliches. Fans verlinkten die Spendenkampagne unter Videos und Remixen, machten auf Stefán Karls Erkrankung aufmerksam und sammelten Geld. Die Community, die zunächst über seine Figur gelacht hatte, begann nun gemeinsam für den Menschen hinter Freddie Faulig zu kämpfen.

2017 gab es zunächst Hoffnung. Nach einer Operation konnten Metastasen aus seiner Leber entfernt werden, und Stefán Karl berichtete zwischenzeitlich, dass kein Krebs mehr nachweisbar sei. Gleichzeitig machte er deutlich, dass die Krankheit zurückkehren könne.

Im März 2018 kam schließlich die Nachricht, die viele Fans befürchtet hatten: Neue Metastasen waren aufgetreten und konnten nicht mehr operiert werden. Stefán Karl unterzog sich einer Chemotherapie, entschied sich später jedoch gegen deren Fortsetzung und zog sich zunehmend aus den sozialen Medien zurück.

Sein Tod am 21. August 2018

Am 21. August 2018 starb Stefán Karl Stefánsson in Island an den Folgen seiner Krebserkrankung. Er war erst 43 Jahre alt und hinterließ seine Frau, die Schauspielerin Steinunn Ólína Þorsteinsdóttir, sowie ihre vier Kinder.

Stefán Karl hatte sich ausdrücklich gegen eine klassische Beerdigung entschieden. Seine sterblichen Überreste sollten nach seinem Wunsch eingeäschert und an einem nicht öffentlich genannten Ort im Meer verstreut werden.

Seine Frau beschrieb ihn nach seinem Tod als außergewöhnlich kreativen und großzügigen Menschen. Besonders wichtig sei ihm gewesen, nicht dafür in Erinnerung zu bleiben, dass Menschen um ihn trauerten, sondern dafür, dass er Kindern Freude bereitet hatte.

Magnús Scheving, der Schöpfer von LazyTown – Los geht’s und Darsteller von Sportacus, verabschiedete sich ebenfalls öffentlich von seinem langjährigen Kollegen. Für ihn war klar: Ohne Stefán Karl würde LazyTown nie mehr dasselbe sein.

Das Internet verabschiedete sich von seiner Nummer Eins

Die Reaktion der Fans zeigte, wie ungewöhnlich die Verbindung zwischen Stefán Karl und seiner Online-Community geworden war. Reddit, YouTube, Twitter und zahlreiche andere Plattformen füllten sich innerhalb weniger Stunden mit Bildern, Videos, Zeichnungen und Memes zu seinem Andenken.

Besonders auf dem großen Subreddit r/dankmemes war die Reaktion enorm. Für 24 Stunden sollte sich die Community nahezu vollständig Stefán Karl widmen. Memes, die Jahre zuvor noch einfach nur absurde Unterhaltung gewesen waren, wurden plötzlich zu digitalen Nachrufen.

Immer wieder tauchte dabei eine Zeile auf, die untrennbar mit Freddie Faulig verbunden war: Wir sind Nummer Eins. Aus dem Songtitel wurde für viele Fans eine Abschiedsbotschaft.

Auch eine bereits zuvor gestartete Petition für eine Statue Stefán Karls in seiner Heimatstadt Hafnarfjörður bekam nach seinem Tod massiven Zulauf. Innerhalb kürzester Zeit kamen Hunderttausende Unterstützer zusammen. Anfang September 2018 lag die Zahl bereits bei mehr als einer halben Million – deutlich mehr Menschen, als Island damals Einwohner hatte.

Acht Jahre später bleibt Freddie Faulig unvergessen

Am heutigen 21. August 2026 sind acht Jahre seit Stefán Karls Tod vergangen. In diesem Sommer wäre er 51 Jahre alt geworden.

Seine ungewöhnliche Geschichte lässt sich jedoch kaum allein auf LazyTown – Los geht’s reduzieren. Da war der Junge, der so viel Zeit am Hafen verbrachte, dass man ihn Pier-Ratte nannte. Der Puppenspieler, der Schauspiel studierte. Der Theaterschauspieler mit einer Vorliebe für körperliche Comedy. Der internationale Kinderfernseh-Bösewicht. Der Aktivist gegen Mobbing. Und schließlich ein Mann, um den sich während seiner schwersten Jahre eine riesige Internet-Community versammelte.

Freddie Faulig sollte eigentlich derjenige sein, der allen anderen den Spaß verdirbt. Stefán Karl Stefánsson erreichte mit der Figur am Ende das genaue Gegenteil: Er brachte über Jahre hinweg Kinder zum Lachen – und wurde später für eine ganze Generation von Internetnutzern tatsächlich zur Nummer Eins.

Daniel Fersch

Daniel schreibt über so ziemliches alles, was mit Games, Serien oder Filmen und (leider) auch fragwürdigen Streamern zu tun hat – insbesondere, wenn es dabei um Nintendo, Dragon Ball, Pokémon oder Marvel geht....