Von Fight Club bis Bellatrix Lestrange: Die Königin der Exzentrik, Helena Bonham Carter wird 60

Ob Königin im Märchenland oder Gefolgsfrau von Voldemort – Bonham Carter polarisiert mit ihren Rollen wie im echten Leben.

Helena Bonham Carter 01 Warner Bros
Als Todesserin machte sie eine der meistgehassten Harry Potter-Figuren zu einem Fanliebling. | © Warner Bros.

Am heutigen 26. Mai 2026 feiert Helena Bonham Carter ihren 60. Geburtstag. Geboren wurde sie 1966 in London, und kaum eine britische Schauspielerin hat in den vergangenen vier Jahrzehnten so konsequent bewiesen, dass man nicht glatt, normschön oder berechenbar sein muss, um Weltstar zu werden. Bonham Carter wurde berühmt mit historischen Stoffen, Kultfilmen, Fantasy-Rollen und Figuren, die oft schräg, dunkel, verletzlich oder gefährlich sind. Genau darin liegt ihr Markenzeichen.

Zwischen britischer Elite und persönlicher Prägung

Helena Bonham Carter stammt aus einer Familie mit auffällig politischen und gesellschaftlichen Verbindungen. Ihr Vater Raymond Bonham Carter war Banker, ihre Familie väterlicherseits gehörte zum britischen Establishment. Ihre Großmutter Violet Bonham Carter war eine bekannte liberale Politikerin und die Tochter des früheren britischen Premierministers H. H. Asquith.

Auf der Seite ihrer Mutter kamen spanische, jüdische und kontinentaleuropäische Wurzeln hinzu. Diese Mischung aus britischer Tradition, europäischer Geschichte und künstlerischer Prägung spiegelt sich auch in vielen Rollen wider, für die Bonham Carter später bekannt wurde.

Schon früh zog es sie zur Schauspielerei. Ihren großen Durchbruch hatte sie Mitte der 1980er-Jahre mit Zimmer mit Aussicht, in dem sie Lucy Honeychurch spielte. Kurz darauf folgte Lady Jane – Königin für neun Tage. Anfangs wurde sie häufig als klassische englische Rose besetzt: elegant, historisch, zerbrechlich. Doch Bonham Carter war nie eine Schauspielerin, die sich auf diesen Typ festlegen lassen wollte.

Von Kostümdrama bis Kultfigur

In den 1990er-Jahren entwickelte sie sich immer stärker zur Charakterdarstellerin. Mit Filmen wie Mary Shelley’s Frankenstein und später Fight Club zeigte sie, dass sie sowohl in klassischen Literaturverfilmungen als auch in modernen, unbequemen Stoffen funktioniert. Als Marla Singer brillierte sie neben Edward Norton und Brad Pitt und für Die Flügel der Taube erhielt sie sogar eine Oscar-Nominierung als beste Hauptdarstellerin.

Für ein jüngeres Publikum wurde sie vor allem durch zwei große Popkultur-Welten unvergesslich: als Bellatrix Lestrange in den Harry Potter-Filmen und durch ihre langjährige kreative Verbindung mit Regisseur Tim Burton. In Burtons Filmen spielte sie unter anderem in Planet der Affen, Corpse Bride – Hochzeit mit einer Leiche, Sweeney Todd – Der teuflische Barbier aus der Fleet Street und Alice im Wunderland. Ihre Figuren waren oft überzeichnet, düster, komisch und theatralisch – genau das machte sie so ikonisch.

Einen der wichtigsten Preise ihrer Karriere gewann sie für The King’s Speech – Die Rede des Königs. Als Queen Elizabeth, die spätere Queen Mother, überzeugte sie Kritiker weltweit und gewann den BAFTA als beste Nebendarstellerin. Auch im Fernsehen blieb sie stark präsent: Für ihre Rolle als Enid Blyton in Enid gewann sie einen International Emmy, später spielte sie Prinzessin Margaret in der Netflix-Serie The Crown und erhielt dafür Emmy-Nominierungen.

Soziales und politisches Engagement

Bonham Carter ist keine Schauspielerin, die sich ständig parteipolitisch in den Vordergrund drängt. Ihr Engagement ist eher sozial, kulturell und historisch geprägt. Sie unterstützte über die Jahre verschiedene Organisationen und Kampagnen, darunter Save the Children, BBC Children in Need, UNICEF, Oxfam und Refuge. Besonders präsent war sie bei mehreren Charity-Events zugunsten von Save the Children; 2017 war sie etwa beim Harry-Potter-inspirierten Winter Gala Event der Organisation dabei.

Auch Themen wie Trauer, Kinderarmut und Bildung tauchten in ihrem Engagement auf. Für BBC Children in Need erzählte sie 2017 den Film Saying Goodbye, der Kindern eine Stimme gab, die mit Krankheit oder Tod eines Elternteils umgehen müssen. 2021 war sie zudem Teil der March4Women-Kampagne von CARE International, die sich für Gleichberechtigung einsetzt.

Ein besonders symbolischer Moment war ihre Ernennung zur Commander of the Order of the British Empire im Jahr 2012 für ihre Verdienste um die Schauspielkunst. 2014 wurde außerdem bekannt, dass sie in die britische Holocaust Commission berufen wurde – ein Thema, das auch familiär eine besondere Dimension besitzt, da ihre Großmutter Violet Bonham Carter während des Zweiten Weltkriegs mit humanitärem Engagement in Verbindung gebracht wird.

Zwischen Cancel Culture und exzentrischer Mode

Bonham Carter war viele Jahre mit Tim Burton liiert, mit dem sie auch zwei Kinder hat. Die beiden trennten sich 2014, blieben aber öffentlich vergleichsweise respektvoll miteinander verbunden.

Für Diskussionen sorgte außerdem ihre Haltung zu J. K. Rowling und Johnny Depp. In einem Interview verteidigte Bonham Carter beide gegen öffentliche Kritik und sprach sich deutlich gegen aus ihrer Sicht übertriebene „Cancel Culture“ aus. Diese Aussagen wurden kontrovers aufgenommen, weil Rowling wegen ihrer Äußerungen zu Trans-Themen und Depp wegen der juristischen Auseinandersetzungen mit Amber Heard stark polarisierten.

Auch ihre Mode wurde immer wieder diskutiert. Bonham Carter galt auf roten Teppichen häufig als Gegenentwurf zur perfekt gestylten Hollywood-Norm: zerzauste Haare, ungewöhnliche Kleider, dunkle Romantik, Vintage-Ästhetik. Mal wurde sie gefeiert, mal belächelt – aber fast immer war sie unverwechselbar. Genau dieses Image als exzentrische Stil-Ikone wurde zu einem Teil ihrer Marke.

Eine Karriere ohne Schablone

Mit 60 Jahren steht Helena Bonham Carter für eine Art von Schauspielkarriere, die selten geworden ist. Sie war nie nur Heldin, nie nur Bösewicht, nie nur Kostümfilm-Star und nie nur Fantasy-Figur. Sie war Lucy Honeychurch, Bellatrix Lestrange, die Rote Königin, Mrs. Lovett, Prinzessin Margaret und Queen Elizabeth – und trotzdem immer unverkennbar Helena Bonham Carter.

Ihr Erfolg liegt nicht darin, sich angepasst zu haben, sondern im Gegenteil: Sie hat das Unangepasste zur Kunstform gemacht. Zum 60. Geburtstag bleibt sie eine der spannendsten britischen Schauspielerinnen ihrer Generation – exzentrisch, mutig, eigenwillig und bis heute absolut unverwechselbar.

Daniel Fersch

Daniel schreibt über so ziemliches alles, was mit Games, Serien oder Filmen und (leider) auch fragwürdigen Streamern zu tun hat – insbesondere, wenn es dabei um Nintendo, Dragon Ball, Pokémon oder Marvel geht....