Dracula, Saruman, Sithlord, James Bond-Vorbild und Metal-Sänger – Christopher Lees Leben war mehr als bewegt...
Am 27. Mai 2026 wäre Sir Christopher Lee 104 Jahre alt geworden. Der britische Schauspieler, der am 7. Juni 2015 im Alter von 93 Jahren starb, war nicht nur einer der markantesten Darsteller der Filmgeschichte, sondern auch ein Mann, dessen echtes Leben fast zu groß klingt, um wahr zu sein: Kriegserfahrung, Geheimdienstnähe, Horror-Ikone, Bond-Verbindung, Tolkien-Zeitzeuge, „Star Wars“-Bösewicht und Heavy-Metal-Sänger im hohen Alter.
Zwischen aristokratischen Wurzeln und Kriegstrauma
Christopher Frank Carandini Lee wurde am 27. Mai 1922 in London geboren. Seine Mutter entstammte der italienischen Adelsfamilie Carandini, sein Vater war Offizier. Schon früh war Lee von Geschichte, Sprachen und Militär geprägt.
Im Zweiten Weltkrieg diente er in der Royal Air Force und war mit geheimdienstnahen Einheiten verbunden. Über viele Details seiner Kriegserfahrung sprach er später bewusst nur vage, was seinen Mythos zusätzlich befeuerte.
Eine der bekanntesten Anekdoten aus seinem Leben ereignete sich noch vor dem Krieg: Als 17-Jähriger lebte Lee 1939 in Paris und wohnte der letzten öffentlichen Hinrichtung durch die Guillotine bei. Hingerichtet wurde der deutsche Serienmörder Eugen Weidmann am 17. Juni 1939 in Versailles.
Nach dem entsetzten und teils sensationslüsternen Verhalten der Zuschauer wurden öffentliche Exekutionen in Frankreich verboten und auch Lee selbst sprach mehrfach davon, wie erschreckend und grauenvoll dieses Erlebnis für ihn war.
Von Dracula bis Saruman
Seinen großen Durchbruch hatte Christopher Lee Ende der 1950er-Jahre mit den Horrorfilmen der Hammer Studios. In Frankensteins Fluch spielte er Frankensteins Kreatur, kurz darauf wurde er mit Dracula zur Ikone des britischen Horrorkinos. Seine Version des Grafen Dracula war elegant, kalt, bedrohlich und körperlich enorm präsent. Lee spielte Dracula mehrfach, fühlte sich später aber auch von der Rolle eingeengt.
Trotzdem blieb er nicht nur Horrorstar. Er spielte in Abenteuerfilmen, Thrillern und historischen Stoffen, oft als charismatischer Antagonist. Zu seinen wichtigsten Rollen gehört auch Francisco Scaramanga in James Bond 007 – Der Mann mit dem goldenen Colt. Damit wurde Lee selbst Teil des Bond-Universums und das war besonders spannend, weil er persönlich mit Bond-Schöpfer Ian Fleming verbunden war. Fleming war Lees Stiefcousin, beide kannten sich.
Der echte James Bond?
Christopher Lee soll daher allerdings nicht nur einen der spannendsten Gegner 007s gespielt haben, ohne ihn gäbe es die weltweit erfolgreichen Geschichten um den Agenten vielleicht gar nicht. Bis heute drehen sich viele Anekdoten rund um die Beziehung zwischen Fleming und Lee darum, dass der Schauspieler eine der wichtigsten Inspirationen für den Charakter der Figur gewesen sein sollte.
Auch wenn Fleming zu bedenken gab, dass Bond auch aus Versatzstücken verschiedenster bekannter Agenten und Kriegshelden zusammengesetzt war – Art und Aussehen Bonds erinnern erstaunlich an seinen Cousin Christopher.
So oder so passt Lee perfekt in die Legendenbildung: Er war mit Fleming verwandt, hatte echte Kriegserfahrung, bewegte sich in einer Welt aus Militär, Geheimdienst und britischem Establishment und verkörperte später selbst einen Bond-Bösewicht. Sicher ist: Wenn jemand in seinem echten Leben Bond-Energie hatte, dann Christopher Lee.
Späte Popkultur-Legende: "Der Herr der Ringe" und "Star Wars"
Für jüngere Generationen wurde Lee durch zwei gigantische Franchises noch einmal komplett neu entdeckt. In Der Herr der Ringe und später Der Hobbit spielte er Saruman. Besonders bemerkenswert: Lee war der einzige Schauspieler der Filme, der J. R. R. Tolkien persönlich getroffen hatte. Diese Nähe zum Stoff machte seine Rolle für viele Fans noch besonderer.
Auch in Star Wars wurde Lee zur Kultfigur. Als Count Dooku in Episode II und III brachte er aristokratische Kälte, Würde und Bedrohlichkeit in die Prequels. Selbst im hohen Alter wirkte er auf der Leinwand noch größer, gefährlicher und eleganter als viele jüngere Schauspieler.
Musik, Metal und späte Ehrungen
Christopher Lee war nicht nur Schauspieler, sondern auch Sänger. Mit seiner tiefen Stimme nahm er klassische Musik auf und veröffentlichte später sogar Symphonic-Metal-Projekte. Besonders kurios und gleichzeitig beeindruckend: Im hohen Alter brachte er Metal-Alben rund um Karl den Großen heraus. Damit wurde er für eine ganz neue Fan-Generation noch einmal zur Internet- und Popkultur-Figur.
2009 wurde Lee für seine Verdienste um Schauspiel und Wohltätigkeit zum Ritter geschlagen. 2011 erhielt er außerdem die BAFTA Fellowship, eine der höchsten Auszeichnungen der britischen Filmwelt.
Eine Filmlegende über den Tod hinaus
Christopher Lee war Dracula, Scaramanga, Saruman und Count Dooku. Aber er war eben auch Kriegsveteran, Sprachtalent, Sänger, Tolkien-Zeitzeuge und ein Mann, der als Jugendlicher eine der makabersten historischen Szenen des 20. Jahrhunderts miterlebte.
An seinem Geburtstag bleibt er eine Figur, die größer wirkt als Hollywood selbst. Viele Schauspieler spielen Legenden. Christopher Lee war eine.
