Zum Geburtstag von Ingvar Kamprad – dem IKEA-Gründer mit der Faschisten-Vergangenheit

Die Erfolgsgeschichte von Kamprad und IKEA ist geprägt von spannenden Highlights – aber auch von Schattenseiten.

Ingvar Kamprad 01 IKEA MUSEUM
Die Geschichte des IKEA-Gründers ist so spannend wie kontrovers. | © IKEA Museum

Schwer vorstellbar, sich in einer Wohnung umzusehen und absolut gar kein Möbelstück von IKEA zu finden – die Geschichte hinter dem Gründer des schwedischen Riesenunternehmens ist spannend, aber auch mit Schattenseiten versehen. Heute erinnert sich die Wirtschaftswelt an Ingvar Kamprad, einen der einflussreichsten Unternehmer des 20. Jahrhunderts. Kamprad, der 2018 im Alter von 91 Jahren starb, gründete das Möbelunternehmen IKEA und baute es zu einem globalen Konzern auf. Gleichzeitig gehört seine Biografie zu denjenigen Unternehmergeschichten, die auch schwierige politische Kapitel enthalten.

Von frühen Ideen bis zur Gründung von IKEA

Ingvar Kamprad wurde am 30. März 1926 in Småland in Südschweden geboren und wuchs auf dem Familienhof Elmtaryd nahe dem Dorf Agunnaryd auf. Schon als Kind zeigte er großes unternehmerisches Talent.

Bereits im Alter von fünf Jahren begann er damit, Streichhölzer in größeren Mengen zu kaufen und mit Gewinn weiterzuverkaufen. Später verkaufte er auch Saatgut, Weihnachtskarten und Kugelschreiber. Dieses frühe Interesse am Handel prägte seinen weiteren Lebensweg.

1943 gründete Kamprad im Alter von 17 Jahren das Unternehmen IKEA. Der Firmenname setzt sich aus den Anfangsbuchstaben seines Namens sowie seines Elternhofs und Heimatdorfs zusammen: Ingvar Kamprad, Elmtaryd, Agunnaryd.

Ursprünglich verkaufte das Unternehmen verschiedene Waren per Versandhandel. Erst später konzentrierte sich IKEA auf Möbel. Der entscheidende Innovationsschritt kam in den 1950er-Jahren mit der Einführung von flach verpackten Möbeln, die von den Kunden selbst zusammengebaut werden konnten. Dieses Konzept senkte Transportkosten erheblich und machte Möbel für viele Menschen erschwinglicher.

In den folgenden Jahrzehnten expandierte IKEA weltweit und entwickelte sich zu einem der größten Möbelunternehmen der Welt.

Unternehmerische Philosophie

Kamprads Unternehmensphilosophie beruhte auf mehreren Grundideen, wie dem funktionalen Design zu erschwinglichen Preisen, effizienter Produktion und Logistik, sowie einem sparsamen Umgang mit Ressourcen.

Er selbst lebte lange einen vergleichsweise einfachen Lebensstil, obwohl er zu den reichsten Menschen der Welt gehörte. Diese Bescheidenheit wurde oft als Teil der Unternehmenskultur von IKEA dargestellt.

Ab den 1960er-Jahren begann IKEA mit einer starken internationalen Expansion. Filialen entstanden zunächst in Europa und später in Nordamerika, Asien und vielen weiteren Regionen. Heute ist IKEA in zahlreichen Ländern vertreten und zählt zu den bekanntesten Marken im Bereich Möbel und Einrichtung.

Nähe zum schwedischen Faschismus

Ein weniger bekanntes, aber historisch bedeutendes Kapitel in Kamprads Biografie betrifft seine Verbindungen zu nationalistischen und rechtsextremen Bewegungen in Schweden in seiner Jugend.

In den 1940er-Jahren war Kamprad zeitweise Mitglied in einer Organisation, die mit dem schwedischen Nationalsozialismus sympathisierte und Kontakte zu rechtsextremen Kreisen pflegte. Historische Recherchen belegten später auch seine persönliche Bekanntschaft mit dem schwedischen Faschistenführer Per Engdahl.

Diese Vergangenheit wurde in den 1990er-Jahren öffentlich bekannt und löste internationale Diskussionen aus. Kamprad reagierte darauf mit einer öffentlichen Erklärung, in der er seine damaligen Kontakte als „größten Fehler seines Lebens“ bezeichnete und sich davon distanzierte.

Kamprad erklärte mehrfach, dass seine politischen Ansichten aus der Jugendzeit falsch gewesen seien und dass er diese später vollständig aufgegeben habe. In Briefen an Mitarbeiter und in Interviews äußerte er Bedauern über seine damaligen Verbindungen.

Historiker sehen diesen Teil seiner Biografie bis heute als Beispiel dafür, wie komplex die Lebensgeschichten vieler Persönlichkeiten aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs sein können.

Mehr als ein Möbel-Magnat

Ingvar Kamprad war verheiratet und hatte mehrere Kinder. Über viele Jahre lebte er aus steuerlichen Gründen außerhalb Schwedens, kehrte später jedoch wieder in seine Heimat zurück.

Er starb am 27. Januar 2018 in Småland im Alter von 91 Jahren und hinterließ ein Unternehmen, das weltweit Millionen Menschen mit Möbeln und Wohnlösungen versorgt. Seine Geschäftsideen veränderten den Möbelmarkt nachhaltig und machten modernes Design für breite Bevölkerungsschichten zugänglich.

Gleichzeitig bleibt seine Biografie auch ein Beispiel dafür, dass große wirtschaftliche Leistungen und problematische historische Kapitel oft nebeneinander existieren können. Bis heute steht Kamprads Name daher sowohl für eine der erfolgreichsten Unternehmensgründungen Europas als auch für eine Vergangenheit, die weiterhin kritisch betrachtet und diskutiert wird.

Daniel Fersch

Daniel schreibt über so ziemliches alles, was mit Games, Serien oder Filmen und (leider) auch fragwürdigen Streamern zu tun hat – insbesondere, wenn es dabei um Nintendo, Dragon Ball, Pokémon oder Marvel geht....