Zum Tod von Grumpy Cat: Die Katze, die das Internet mit schlechter Laune glücklich machte

Die mürrischste, aber auch eine der beliebtesten Katzen des Internets.

Grumpy Cat 01 Instagram Wikipedia
Ihr medizinischer Hintergrund ließ sie grimmig wirken, dabei war sie ein Star im Herz des Internets. | © Wikipedia

Heute vor sieben Jahren starb Grumpy Cat. Ihr richtiger Name war Tardar Sauce, geboren wurde sie am 4. April 2012 in Morristown, Arizona; gestorben ist sie am 14. Mai 2019, ebenfalls in Morristown. Die Todesnachricht wurde wenige Tage später von ihrer Familie veröffentlicht: Grumpy Cat starb im Alter von sieben Jahren an Komplikationen einer Harnwegsinfektion.

Mit grimmigem Blick in die Herzen aller

Berühmt wurde sie nicht, weil sie etwas tat, sondern weil sie aussah, als hätte sie genug von allem. Ihr dauerhaft mürrischer Gesichtsausdruck entstand durch einen Unterbiss und felinen Zwergwuchs. Ihre Besitzer betonten jedoch immer wieder, dass sie trotz ihres Images keine wütende Katze gewesen sei. Hinter der Maske der ewigen Unzufriedenheit steckte eine gewöhnliche, geliebte Familienkatze.

Der Aufstieg begann 2012, als ein Foto von ihr auf Reddit veröffentlicht wurde. Viele Nutzer hielten das Bild zunächst für bearbeitet, so unwirklich komisch wirkte dieses kleine Katzengesicht mit dem Blick einer schlecht gelaunten Chefin. Videos und weitere Bilder bewiesen schnell: Das Gesicht war echt. Aus Tardar Sauce wurde Grumpy Cat — und aus einem Haustier in Arizona eines der bekanntesten Meme der Welt.

Grumpy Cat wurde zur perfekten Figur für eine neue Internet-Ära. Ihre Bildunterschriften waren kurz, trocken und negativ: kein Trost, keine Motivation, kein falscher Optimismus. Gerade deshalb funktionierte sie so gut. In einer Onlinewelt voller Begeisterungsrufe, Glücksversprechen und Selbstdarstellung wirkte Grumpy Cat wie ein trotziges Gegengift. Sie sagte, sinngemäß: Nein. Alles ist schlimm. Und genau das brachte Millionen Menschen zum Lachen.

Vom Meme zur Erfolgsmarke

Aus dem Meme wurde eine Marke. Grumpy Cat bekam Millionen Follower, Auftritte im Fernsehen, Bücher, Kalender, Werbedeals und Merchandise. 2014 erhielt sie sogar ihren eigenen Weihnachtsfilm: Grumpy Cat’s miesestes Weihnachtsfest ever in dem Aubrey Plaza ihr die Stimme lieh. Aus einer zufälligen Internetentdeckung wurde ein kleines Medienimperium.

Dabei blieb ihre Berühmtheit auch ein Beispiel dafür, wie rasant das Internet Tiere in Symbole verwandeln kann. Grumpy Cat war keine Schauspielerin, keine Influencerin im menschlichen Sinn und keine Performerin. Ihr Gesicht wurde gelesen, beschriftet, geteilt, verkauft und juristisch geschützt. Ihre Firma, Grumpy Cat Limited, führte später mehrere Markenrechtsverfahren gegen unerlaubte Nutzung ihres Bildes; bereits 2018 wurde in einem Lizenzstreit um „Grumppuccino“-Produkte ein hoher Schadensersatz zugesprochen.

Diese Vermarktung wirkt bis heute ambivalent. Einerseits wurde Grumpy Cat weltweit geliebt und offenbar von ihrer Familie umsorgt. Andererseits erinnert ihr Fall daran, dass Tier-Memes nie ganz harmlos sind. Ein Tier versteht seinen Ruhm nicht. Es kennt keine Markenstrategie, keine Fan-Meetings, keine viralen Reichweiten. Deshalb bleibt bei solchen Internetphänomenen immer die Frage: Wo endet Freude, und wo beginnt Ausbeutung?

Die Grumpy Cat-Ära des Internets

Im Fall von Grumpy Cat wurde ihr öffentliches Bild immerhin von einer schönen Ironie getragen: Je mürrischer sie aussah, desto mehr Freude brachte sie anderen. Ihre Familie schrieb nach ihrem Tod, sie habe Millionen Menschen zum Lächeln gebracht. Das klingt pathetisch, ist aber in diesem Fall schlicht wahr. Grumpy Cat wurde zum Trostbild für schlechte Tage, zum digitalen Schulterzucken, zur Patronin aller, die morgens keine Lust auf Montag haben.

Sie steht außerdem für eine Phase des Internets, die heute fast nostalgisch wirkt. Bevor Kurzvideo-Plattformen alles beschleunigten und bevor jeder virale Moment sofort zur Content-Strategie wurde, konnten einzelne Bilder noch ganze Onlinekulturen prägen. Grumpy Cat gehörte zu dieser Meme-Generation: einfach, wiedererkennbar, endlos variierbar. Man musste nichts erklären. Ein Blick reichte.

An ihrem siebten Todestag bleibt Grumpy Cat deshalb mehr als ein lustiges Katzenfoto. Sie war ein Internetdenkmal für schlechte Laune, das gute Laune machte. Ein kleines Tier mit großem Gesichtsausdruck. Eine Katze, die aussah, als verachte sie den Ruhm — und gerade dadurch unsterblich wurde.

Daniel Fersch

Daniel schreibt über so ziemliches alles, was mit Games, Serien oder Filmen und (leider) auch fragwürdigen Streamern zu tun hat – insbesondere, wenn es dabei um Nintendo, Dragon Ball, Pokémon oder Marvel geht....