Zwischen Aufstieg, Absturz und Scientology: John Travolta wird 72

Travoltas Leben bewegt sich zwischen Aufstieg und Fall, persönlichen Krisen und Flucht in fragwürdigen Glauben.

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Mit Grease und Saturday Night Fever kam der Weltruhm über Nacht. | © Paramount Pictures

Am 18. Februar feiert John Travolta Geburtstag – ein Schauspieler, dessen Karriere zu den spektakulärsten Achterbahnfahrten Hollywoods gehört. Kaum jemand hat in so kurzer Zeit so großen Ruhm erlebt, ist so tief gefallen und hat sich dann wieder so eindrucksvoll zurück ins Rampenlicht gekämpft. Sein Name steht für Disco-Glanz, Kultfilme, persönliche Krisen, mediale Skandale und eine lebenslange Verbindung zur Scientology.

Seine Geschichte ist die eines Mannes, der immer wieder neu angefangen hat – auf der Leinwand und im Leben.

Mit nur zwei Filmen zum Weltruhm

John Travolta wurde 1954 in New Jersey geboren, als jüngstes von sechs Kindern in einer künstlerisch geprägten Familie. Schon früh zog es ihn auf die Bühne. Er brach die Schule ab, ging nach New York und versuchte sein Glück als Schauspieler und Tänzer.

Der Durchbruch kam in den 1970er-Jahren zunächst im Fernsehen, doch es waren zwei Filme, die ihn über Nacht zu einem globalen Superstar machten: Saturday Night Fever (1977) und Grease (1978). Travolta wurde zum Gesicht einer Generation – der tanzende Rebell, der charismatische Außenseiter, der Mann mit der unnachahmlichen Mischung aus Coolness und Verletzlichkeit.

Besonders Saturday Night Fever machte ihn zur Ikone. Seine Rolle als Tony Manero war mehr als Unterhaltung: Sie wurde zu einem kulturellen Symbol der Disco-Ära. Mit Grease folgte der internationale Massenhype – Travolta war plötzlich überall.

Absturz und zweite Chance

Doch der Ruhm hielt nicht dauerhaft. In den 1980er-Jahren geriet seine Karriere ins Stocken. Mehrere Filme floppten, und Travolta verschwand langsam aus den großen Produktionen. Viele hielten ihn bereits für ein Relikt der Disco-Zeit.

Dann kam 1994 ein unerwartetes Comeback: Quentin Tarantino besetzte ihn in Pulp Fiction. Als Vincent Vega wirkte Travolta gleichzeitig abgeklärt, ironisch und gefährlich – und wurde wieder zum Star. Die Rolle brachte ihm eine Oscar-Nominierung ein und öffnete die Tür zu einer neuen Phase seiner Karriere.

In den folgenden Jahren spielte er in großen Hollywood-Produktionen, Actionfilmen und Dramen. Er wurde älter, wandelte sich vom jugendlichen Tänzer zum Charakterdarsteller und blieb dennoch ein bekanntes Gesicht des Mainstream-Kinos.

Skandale und öffentliche Krisen

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Travolta war sich noch nie zu schade, in unterschiedlichste Rollen zu schlüpfen. | © Universal

So konstant wie seine Präsenz in Hollywood war auch die Aufmerksamkeit der Boulevardpresse. Immer wieder geriet Travolta in die Schlagzeilen – wegen beruflicher Fehlentscheidungen, privater Vorwürfe oder ungewöhnlicher Auftritte.

Besonders in den 2000er- und 2010er-Jahren sorgten Berichte über angebliche Übergriffe und Gerichtsverfahren für negative Aufmerksamkeit. Einige Fälle wurden außergerichtlich beigelegt, andere bestritten oder nie abschließend geklärt. Wie bei vielen prominenten Persönlichkeiten blieb ein Teil der Vorwürfe im Bereich von Gerüchten und Spekulationen – doch sie beeinflussten das öffentliche Bild des Schauspielers.

Hinzu kamen persönliche Schicksalsschläge, die Travolta sichtbar prägten. Der Tod seines Sohnes 2009 war ein Einschnitt, über den er später offen sprach. 2020 verlor er zudem seine Ehefrau Kelly Preston nach langer Krankheit. Diese Verluste machten ihn in Interviews stiller, nachdenklicher – und für viele auch menschlicher.

Scientology: Glaube, Schutzraum und Kontroverse

Ein zentraler Bestandteil von Travoltas Leben ist seine enge Verbindung zu Scientology. Er trat der Organisation bereits in den 1970er-Jahren bei und ist bis heute eines ihrer bekanntesten Mitglieder.

Travolta hat wiederholt betont, dass ihm Scientology in schwierigen Zeiten Halt gegeben habe – besonders nach persönlichen Verlusten. Er beschreibt sie als Quelle von Stabilität, Orientierung und Kraft.

Gleichzeitig ist Scientology weltweit eine stark umstrittene Organisation. Kritiker werfen ihr Manipulation, Druck auf Mitglieder und problematische Strukturen vor. Prominente Aussteiger berichten von negativen Erfahrungen, während überzeugte Anhänger – wie Travolta – die Organisation verteidigen.

Seine Nähe zu Scientology hat daher sein öffentliches Image über Jahrzehnte geprägt. Für manche ist sie ein Beleg seiner Loyalität, für andere ein Grund zur Skepsis. Travolta selbst äußert sich meist ruhig und loyal über seine Zugehörigkeit und vermeidet direkte Konfrontationen mit Kritikern.

Ein Leben im Rampenlicht – und darüber hinaus

Trotz Höhen und Tiefen ist John Travolta eine der beständigsten Figuren Hollywoods geblieben. Nur wenige Schauspieler haben eine Karriere erlebt, die so stark von Brüchen, Comebacks und Wandel geprägt war.

Er war Teenie-Idol, Actionstar, Kultfigur und Charakterdarsteller. Er hat massive Erfolge gefeiert, öffentliche Krisen überstanden und sich immer wieder neu erfunden. Seine Karriere zeigt, wie vergänglich Ruhm sein kann – und wie viel Beharrlichkeit nötig ist, um über Jahrzehnte präsent zu bleiben.

Heute wirkt Travolta ruhiger als früher. Er arbeitet seltener, tritt selektiver auf und konzentriert sich stärker auf Familie und persönliche Projekte. Doch sein Name bleibt untrennbar mit einer der schillerndsten Phasen der Popkultur verbunden.

Daniel Fersch

Daniel schreibt über so ziemliches alles, was mit Games, Serien oder Filmen und (leider) auch fragwürdigen Streamern zu tun hat – insbesondere, wenn es dabei um Nintendo, Dragon Ball, Pokémon oder Marvel geht....