Zwischen Hooters, den Mormonen und der Lüge mit den roten Haaren: Amy Adams wird 52

Als sie schon daran dachte, als Schauspielerin aufzuhören, kam der Durchbruch...

Amy Adams 01 Universal Pictures
Ihr Markenzeichen – die roten Haare – sind tatsächlich nur gefärbt... | © Universal Pictures

Amy Adams feiert am heutigen 20. August ihren 52. Geburtstag. Mit sechs Oscar-Nominierungen, zwei Golden Globes und Rollen von der Disney-Prinzessin bis zur traumatisierten Journalistin gehört sie seit zwei Jahrzehnten zu den vielseitigsten Schauspielerinnen Hollywoods.

Dabei verlief ihr Weg zum Filmstar alles andere als geradlinig. Adams wuchs in einer mormonischen Familie mit sechs Geschwistern auf, arbeitete kurzzeitig bei Hooters, verbrachte Jahre als Tänzerin im Dinner-Theater und dachte noch mit Ende 20 darüber nach, die Schauspielerei ganz aufzugeben. Selbst eines ihrer bekanntesten äußeren Merkmale ist nicht ganz das, was es scheint: Die vermeintliche Rothaarige ist von Natur aus erdbeerblond – und glaubt selbst, dass die Entscheidung, ihre Haare rot zu färben, ihre Karriere entscheidend verändert hat.

In Italien geboren, in Colorado aufgewachsen

Amy Lou Adams wurde am 20. August 1974 in Italien geboren. Ihr amerikanischer Vater Richard Adams diente damals beim US-Militär. Amy war eines von sieben Kindern der Familie und verbrachte ihre ersten Lebensjahre aufgrund der militärischen Tätigkeit ihres Vaters an verschiedenen Orten, bevor sich die Familie schließlich in Castle Rock im US-Bundesstaat Colorado niederließ.

Nach seiner Zeit beim Militär arbeitete ihr Vater unter anderem als professioneller Sänger in Restaurants und Nachtclubs. Musik und Unterhaltung gehörten entsprechend früh zum Familienleben. Weil für große Freizeitaktivitäten nicht immer Geld vorhanden war, führten Amy und ihre Geschwister zu Hause selbst geschriebene Shows und Sketche auf.

Adams entwickelte früh eine Begeisterung für das Auftreten, zunächst allerdings weniger für die Schauspielerei als für Tanz und Musicaltheater. Sie betrieb außerdem Leichtathletik und Gymnastik, entschied sich nach der Highschool jedoch gegen ein Studium und für eine Karriere als Tänzerin.

Amy Adams wuchs als Mormonin auf

Religion spielte in ihrer Kindheit eine wichtige Rolle. Die Familie gehörte der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage an, deren Mitglieder umgangssprachlich häufig als Mormonen bezeichnet werden.

Adams wurde entsprechend mormonisch erzogen und verbrachte einen großen Teil ihrer Kindheit innerhalb dieser Glaubensgemeinschaft. Das änderte sich, als ihre Eltern sich trennten. Nach Adams' eigener Erinnerung verließen ihre Eltern die Kirche, als sie ungefähr zwölf Jahre alt war.

Eine praktizierende Mormonin ist Adams heute nicht mehr. Die Erziehung habe sie dennoch nachhaltig geprägt. Sie erklärte später, dass der Mormonismus weniger ihre konkreten religiösen Überzeugungen als vielmehr ihr Wertesystem beeinflusst habe.

Besonders das damit verbundene Schuldgefühl sei ihr teilweise geblieben. Adams erzählte 2013, dass sie selbst nach ausgelassenen Abenden manchmal mit einem schlechten Gewissen aufwache. Auch Ehrlichkeit, Mitgefühl und die Vorstellung, andere Menschen so zu behandeln, wie man selbst behandelt werden möchte, verband sie mit ihrer religiösen Kindheit.

Interessanterweise beschäftigte sie sich später auch in mehreren Rollen intensiv mit Glauben. In Junebug spielte sie eine tief religiöse junge Frau, während sie in Glaubensfrage als Schwester James zwischen Vertrauen, Moral und Zweifel gerät. Adams erklärte selbst, dass der Glaube einer Figur für sie ein wichtiger Schlüssel sei, um deren Verhalten zu verstehen.

Von Hooters ins Dinner-Theater

Bevor Hollywood überhaupt in Reichweite kam, musste Adams ihren Lebensunterhalt mit deutlich gewöhnlicheren Jobs verdienen. Nach der Highschool arbeitete sie unter anderem kurzzeitig als Hostess bei Hooters.

Ihre eigentliche Leidenschaft blieb jedoch das Tanzen. 1994 begann sie professionell in Dinner-Theatern aufzutreten. Das Konzept verband Restaurant und Bühne: Teilweise bedienten die Darsteller zunächst die Gäste und standen anschließend selbst für Musicals auf der Bühne.

Adams trat unter anderem in Produktionen von A Chorus Line, Anything Goes und Brigadoon auf. Mehrere Jahre arbeitete sie im Chanhassen Dinner Theatre in Minnesota und betrachtete sich damals in erster Linie als Tänzerin und Musicaldarstellerin.

Genau dort entstand schließlich die Verbindung zum Film. Bei einem offenen Casting bekam Adams eine Nebenrolle in der schwarzen Komödie Gnadenlos schön. Der Film mit Kirsten Dunst, Denise Richards, Allison Janney und Kirstie Alley erschien 1999 und wurde zu Adams' erster größeren Kinoproduktion.

Jahrelang blieb der große Durchbruch aus

Nach ihrem Filmdebüt zog Adams nach Los Angeles. Dort folgte allerdings nicht sofort der große Hollywood-Erfolg. Stattdessen arbeitete sie sich durch Gastrollen und kleinere Filmproduktionen.

Sie war unter anderem in Die wilden Siebziger, Buffy – Im Bann der Dämonen, Smallville und The West Wing – Im Zentrum der Macht zu sehen. 2000 spielte sie außerdem in Eiskalte Engel 2.

Eine größere Chance erhielt sie 2002 von Steven Spielberg. In Catch Me If You Can spielte Adams Brenda Strong, die junge Frau, mit der Leonardo DiCaprios Frank Abagnale zeitweise ein gemeinsames Leben beginnen möchte. Neben DiCaprio und Tom Hanks in einem Spielberg-Film zu stehen, schien eigentlich der perfekte Startschuss für eine große Karriere zu sein.

Doch der erwartete Durchbruch blieb zunächst aus. Adams bekam anschließend rund ein Jahr lang kaum Rollen, die ihre Karriere entscheidend voranbrachten. Sie musste sich weiterhin mit kleineren Engagements über Wasser halten.

Mit 30 dachte sie darüber nach, Hollywood aufzugeben

2004 wurde Adams für die Fernsehserie Dr. Vegas verpflichtet. Doch nach wenigen Episoden wurde ihre Figur wieder aus der Serie geschrieben. Für Adams war die Entlassung ein Tiefpunkt. Sie war inzwischen fast 30 und fragte sich, ob sie überhaupt für eine dauerhafte Schauspielkarriere geeignet war.

Zu diesem Zeitpunkt hatte sie allerdings bereits einen kleinen Independentfilm gedreht, der alles verändern sollte.

In Junebug spielte Adams die hochschwangere Ashley Johnsten. Die warmherzige, religiöse und permanent optimistische Figur wurde zum überraschenden Mittelpunkt des Films. Nach der Premiere beim Sundance Film Festival erhielt Adams großes Kritikerlob und den Spezialpreis der Jury für ihre Darstellung.

Bei der Oscarverleihung 2006 folgte ihre erste Nominierung als beste Nebendarstellerin. Die Schauspielerin, die kurz zuvor noch über einen Karrierewechsel nachgedacht hatte, gehörte plötzlich zu den spannendsten neuen Namen Hollywoods.

Verwünscht machte sie zum internationalen Star

Den endgültigen Mainstream-Durchbruch brachte 2007 Disney. In Verwünscht spielte Adams Giselle, eine klassische Märchenprinzessin, die aus ihrer animierten Fantasiewelt ins reale New York befördert wird.

Die Rolle verlangte beinahe alles, was Adams in ihrer bisherigen Karriere gelernt hatte: Schauspiel, Comedy, Tanz und Gesang. Ihre jahrelange Erfahrung im Musicaltheater wurde plötzlich zu einem entscheidenden Vorteil.

Verwünscht wurde weltweit zum Erfolg und machte Adams einem breiten Publikum bekannt. Giselle entwickelte sich zu einer ihrer populärsten Rollen und brachte ihr eine Golden-Globe-Nominierung ein. 2022 kehrte sie in der Fortsetzung Verwünscht nochmal nach 15 Jahren noch einmal als Giselle zurück.

Sechs Oscar-Nominierungen – aber bis heute kein Sieg

Was anschließend folgte, war eine bemerkenswerte Serie hochgelobter Rollen. In Glaubensfrage spielte Adams neben Meryl Streep, Philip Seymour Hoffman und Viola Davis und erhielt ihre zweite Oscar-Nominierung.

Für The Fighter folgte 2011 die dritte, für Paul Thomas Andersons The Master 2013 die vierte Nominierung.

2014 wechselte sie schließlich von der Nebendarsteller- in die Hauptdarstellerkategorie. Ihre Rolle als Sydney Prosser in David O. Russells American Hustle brachte Adams ihre fünfte Oscar-Nominierung und gleichzeitig ihren ersten Golden Globe ein.

Schon ein Jahr später gewann sie für ihre Darstellung der Malerin Margaret Keane in Big Eyes einen zweiten Golden Globe in Folge.

2019 wurde Adams schließlich für ihre Rolle als Lynne Cheney in Vice – Der zweite Mann ein sechstes Mal für einen Oscar nominiert. Gewonnen hat sie die begehrte Trophäe bislang allerdings nie. Damit gehört sie zu den prominentesten Schauspielerinnen ihrer Generation, die trotz zahlreicher Nominierungen noch ohne Oscar sind.

Amy Adams ist gar keine echte Rothaarige

Kaum ein äußerliches Merkmal wird so stark mit Amy Adams verbunden wie ihre roten Haare. Tatsächlich kam sie allerdings nicht mit dem kräftigen Rotton zur Welt, den das Publikum heute von ihr kennt.

Adams' natürliche Haarfarbe ist Erdbeerblond. Zu Beginn ihrer Karriere trat sie auch noch mit deutlich blondem Haar auf.

Der Wechsel kam 2004. Für ihre Rolle in Dr. Vegas färbte sie ihre Haare dunkler und deutlich röter. Adams bemerkte anschließend etwas Überraschendes: Nicht nur ihre Haarfarbe hatte sich verändert, sondern offenbar auch die Wahrnehmung der Casting-Verantwortlichen.

Als Blondine sei sie häufiger für stereotype Rollen der attraktiven oder etwas naiven Frau vorgesehen gewesen. Mit roten Haaren habe man sie plötzlich eher als ungewöhnlich, eigenwillig und humorvoll wahrgenommen. Die angebotenen Figuren seien interessanter geworden.

Adams erklärte später sogar, dass die Veränderung ihrer Haarfarbe ihre Karriere dramatisch beeinflusst habe. Das Rot blieb – und wurde schließlich so sehr zu ihrem Markenzeichen, dass viele Zuschauer bis heute davon ausgehen, sie sei eine natürliche Rothaarige.

Der Gender Pay Gap wurde für sie persönlich

Auch außerhalb ihrer Rollen beschäftigte sich Adams mit den Strukturen Hollywoods. Besonders deutlich wurde das nach dem Hackerangriff auf Sony Pictures 2014. Vertrauliche Dokumente zeigten, dass Adams und Jennifer Lawrence für American Hustle schlechter vergütet worden waren als mehrere ihrer männlichen Kollegen.

Adams erklärte später, sie habe bereits während der Verhandlungen gewusst, dass sie weniger bezahlt werde. Sie habe versucht, bessere Bedingungen auszuhandeln, die Rolle am Ende aber dennoch angenommen.

In späteren Interviews weitete sie die Diskussion bewusst über Hollywood hinaus aus. Gleiche Bezahlung sei nicht nur für hochbezahlte Schauspielerinnen relevant. Adams verwies unter anderem auf Lehrerinnen, Kellnerinnen und andere Frauen, für die Lohnunterschiede wesentlich existenziellere Auswirkungen hätten.

Ihr öffentliches gesellschaftliches Engagement konzentriert sich entsprechend stärker auf konkrete soziale Fragen als auf klassische Parteipolitik.

Hilfe für Kinder und Jugendliche

Ein besonderer Schwerpunkt ihres sozialen Engagements liegt seit Jahren auf Kindern und jungen Erwachsenen.

Während der Corona-Pandemie gründete Adams 2020 gemeinsam mit Jennifer Garner die Initiative Save With Stories. Prominente lasen Kinderbücher vor und veröffentlichten die Videos online. Gleichzeitig wurden Spenden für Save the Children und No Kid Hungry gesammelt, um Kinder zu unterstützen, die aufgrund der Schulschließungen unter anderem den Zugang zu kostenlosen Mahlzeiten verloren hatten.

Die Aktion entwickelte sich schnell zu einer großen Kampagne, an der sich zahlreiche Schauspieler, Musiker, Sportler und andere Prominente beteiligten.

Adams engagiert sich außerdem als Botschafterin der RightWay Foundation. Die Organisation unterstützt junge Menschen, die das amerikanische Pflegesystem verlassen und beim Übergang ins Erwachsenenleben häufig ohne stabiles familiäres Netz dastehen. Angeboten werden unter anderem psychologische Unterstützung, Hilfe bei der Wohnungssuche sowie Vorbereitung auf Ausbildung und Arbeitsmarkt.

2024 wurde Adams für dieses Engagement bei Varietys Power of Women ausgezeichnet. Auch 2026 führt die RightWay Foundation sie weiterhin als Botschafterin der Organisation.

Familie statt Hollywood-Dauerpräsenz

Auch privat hält Adams ihr Leben vergleichsweise stark aus der Öffentlichkeit heraus. Ihren späteren Ehemann Darren Le Gallo lernte sie 2001 in einem Schauspielkurs kennen. Aus der Freundschaft entwickelte sich eine Beziehung.

2010 kam ihre gemeinsame Tochter Aviana zur Welt. 2015 heirateten Adams und Le Gallo nach langjähriger Beziehung.

Adams erklärte mehrfach, dass die Geburt ihrer Tochter ihre Prioritäten verändert habe. Sie begann bewusster darauf zu achten, wie viel Zeit sie mit Dreharbeiten verbringt und welche Projekte die längere Abwesenheit von ihrer Familie tatsächlich wert sind.

Als sie 2024 ihren 50. Geburtstag feierte, beschrieb sie den neuen Lebensabschnitt als befreiend. Sie wolle weniger Zeit damit verbringen, sich selbst zu beurteilen, und sich kreativer wieder stärker öffnen.

2026 kehrte sie mit Kap der Angst zum Thriller zurück

Auch mit über 50 bleibt Adams eine gefragte Hauptdarstellerin. Erst wenige Wochen vor ihrem heutigen Geburtstag war sie in einer der großen Thrillerproduktionen des Jahres zu sehen.

In der Apple-TV-Miniserie Kap der Angst spielt sie die Anwältin Anna Bowden an der Seite von Patrick Wilson und Javier Bardem. Als der verurteilte Mörder Max Cady nach 17 Jahren aus dem Gefängnis entlassen wird, beginnt er, das Leben der Familie Bowden systematisch zu zerstören.

Die zehnteilige Serie startete am 5. Juni 2026 und endete am 31. Juli. Martin Scorsese und Steven Spielberg waren als ausführende Produzenten beteiligt. Damit knüpfte die Produktion direkt an die Geschichte des Stoffes an, den Scorsese bereits 1991 als Kinofilm inszeniert hatte.

Von der Tänzerin zur Hollywood-Größe

Amy Adams wird heute 52 Jahre alt. Ihre Karriere begann nicht an einer renommierten Schauspielschule und auch nicht mit einer Hollywood-Familie, sondern zwischen Tanztraining, Restaurantjobs und Dinner-Theater.

Sie wuchs als eines von sieben Kindern in einer mormonischen Familie auf, verlor später ihren Bezug zur Kirche, behielt nach eigenen Aussagen aber Teile des damaligen Wertesystems. Sie färbte ihre erdbeerblonden Haare für eine Fernsehrolle rot und stellte anschließend fest, dass Hollywood sie plötzlich völlig anders wahrnahm.

Aus einer Schauspielerin, die kurz vor ihrem 30. Geburtstag über das Aufhören nachdachte, wurde schließlich eine sechsfach Oscar-nominierte Darstellerin, die glaubwürdig eine Disney-Prinzessin, Lois Lane, eine Nonne, eine Betrügerin, eine Linguistin oder die Ehefrau eines US-Vizepräsidenten spielen kann.

Und vielleicht passt gerade die Geschichte ihrer roten Haare erstaunlich gut zu ihrer gesamten Karriere: Amy Adams wurde nicht dadurch erfolgreich, dass sie einem bestimmten Hollywood-Typ entsprach – sondern indem sie immer wieder zeigte, wie viele völlig unterschiedliche Versionen von Amy Adams auf einer Leinwand funktionieren können.

Daniel Fersch

Daniel schreibt über so ziemliches alles, was mit Games, Serien oder Filmen und (leider) auch fragwürdigen Streamern zu tun hat – insbesondere, wenn es dabei um Nintendo, Dragon Ball, Pokémon oder Marvel geht....