200 Meter Sturz für ein YouTube-Video: Zum Todestag des 22-jährigen Albert Dyrlund

Die Suche nach großen Bildern und Unterhaltung für seine Zuschauer kostete ihn am Ende das Leben.

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Albert Dyrlund wäre am 10. Oktober 2026 28 Jahre alt geworden. Seine Karriere führte ihn von YouTube bis ins Kino. | © YouTube

Mit 28 Jahren hätte Albert Dyrlund noch viele Möglichkeiten vor sich gehabt. Vielleicht weitere Filme, neue Musik oder Videos, die ganz anders ausgesehen hätten als seine frühen Uploads. Welche Richtung er eingeschlagen hätte, lässt sich nicht wissen. Der dänische Entertainer starb 2021 mit nur 22 Jahren.

Am 10. Oktober 2026 wäre sein 28. Geburtstag gewesen. Ein Anlass, sich an eine Karriere zu erinnern, die innerhalb weniger Jahre vom gemeinsamen Filmen mit einem Schulfreund bis zu einer Kinohauptrolle führte. Denn Dyrlunds Geschichte besteht aus weit mehr als dem Unfall, durch den viele Menschen außerhalb Dänemarks erstmals seinen Namen hörten.

Ein YouTuber spielt einen angehenden YouTuber

Wie weit Albert Dyrlund gekommen war, zeigte sich 2018 auf der Kinoleinwand. In Team Albert übernahm er die Hauptrolle eines Jugendlichen, der unbedingt mit Internetvideos erfolgreich werden möchte. Die Figur trug seinen Vornamen und teilte einen wesentlichen Teil seiner eigenen Lebensgeschichte: den Wunsch, sich eine Zukunft jenseits der üblichen Erwartungen aufzubauen.

Der Film erzählte allerdings auch davon, was dieser Ehrgeiz mit persönlichen Beziehungen machen kann. Während Albert seiner Karriere nachjagt, geraten Freundschaften und Liebe unter Druck. Ausgerechnet die Nähe, die seinen Erfolg ermöglichen soll, droht dabei verloren zu gehen.

Für Dyrlund war die Produktion ein großer Schritt. Sein Publikum kannte ihn aus Videos, in denen er selbst bestimmte, was vor der Kamera passierte. Nun wurde seine öffentliche Persönlichkeit zur Grundlage einer Spielfilmgeschichte.

2019 gewann Team Albert den Blockbuster-Publikumspreis bei der dänischen Robert-Verleihung. Damit hatte der Film eine Auszeichnung erhalten, über die Zuschauer entschieden. Die Community, die Dyrlund im Internet aufgebaut hatte, konnte ihn offensichtlich auch außerhalb von YouTube begleiten.

Die Anfänge lagen in Helsingør

Geboren wurde Albert Dyrlund Jensen am 10. Oktober 1998 in Helsingør. Schon als Schüler produzierte er gemeinsam mit Anton Cornelius Videos. Ihr gemeinsames Projekt hieß Novopleco und bot Raum für Experimente, Humor und Challenges.

Damals war noch keineswegs selbstverständlich, dass aus solchen Aufnahmen eine berufliche Laufbahn entstehen konnte. Die beiden probierten aus, welche Ideen funktionierten und wie sie Menschen unterhalten konnten. Sie traten sogar gemeinsam in der dänischen Ausgabe von X Factor auf.

Dyrlund entschied sich schließlich, seine Onlinekarriere in den Mittelpunkt zu stellen, und verließ das Gymnasium. Es war eine Entscheidung für einen Beruf, dessen Regeln sich gerade erst entwickelten.

2016 startete er seinen eigenen YouTube-Kanal. Aus dem gemeinsamen frühen Projekt wurde damit eine Bühne, auf der vor allem seine Persönlichkeit den Ton vorgab.

Warum sein Publikum immer wieder einschaltete

Dyrlunds Videos konnten laut, albern und unberechenbar sein. Er zeigte Alltagssituationen, nahm seine Zuschauer auf Reisen mit und wechselte zwischen Sketchen, Challenges und Musik. Dabei gehörte auch die Bereitschaft, sich selbst zum Gegenstand eines Witzes zu machen, zu seinem Auftreten.

Die einzelnen Formate waren unterschiedlich, doch der Wiedererkennungswert lag in ihrem Gastgeber. Wer einschaltete, wollte Albert sehen: seine Reaktionen, seine Ideen und das Zusammenspiel mit anderen Creatorn.

Schon 2016 wurde er bei Guldtuben als Vlogger des Jahres ausgezeichnet. In den folgenden Jahren gehörte er zu den bekannten Namen der dänischen YouTube-Szene. Zum Zeitpunkt seines Todes zählte sein Hauptkanal mehr als 170.000 Abonnenten.

Auch Musik wurde Teil seiner Arbeit. Damit erweiterte er seine Möglichkeiten, ohne die Verbindung zu seinem ursprünglichen Publikum aufzugeben. Videos, Songs und später ein Kinofilm standen nicht getrennt nebeneinander, sondern waren verschiedene Ausdrucksformen derselben öffentlichen Figur.

Eine Karriere zwischen Freundeskreis und Öffentlichkeit

Der Erfolg solcher Kanäle beruhte auf einer besonderen Form von Nähe. Zuschauer bekamen regelmäßig Einblicke in Wohnungen, Freundschaften und Reisen. Die Kamera schien sie direkt mitzunehmen, statt ihnen eine fertig abgeschlossene Show zu präsentieren.

Für Dyrlund und andere junge Creator bedeutete das, dass Privatleben und Arbeit eng miteinander verbunden waren. Ein Treffen mit Freunden konnte zugleich Material für ein Video liefern. Eine persönliche Erfahrung konnte zur Geschichte für Tausende Menschen werden.

Wie viel davon spontan war und wie viel für die Kamera entstand, ließ sich von außen nicht immer erkennen. Gerade diese Mischung machte die Videos attraktiv. Sie stellte die Menschen dahinter aber auch vor Fragen, für die es damals kaum etablierte Vorbilder gab: Was bleibt privat? Wann wird aus einer Freundschaft eine Zusammenarbeit? Und wie geht man damit um, ständig öffentlich beurteilt zu werden?

Der Unfall, der sein Leben beendete

Im Juli 2021 war Dyrlund mit dem amerikanischen YouTuber Tucker Doss in Italien unterwegs. Sie wollten unter anderem in den Dolomiten filmen. Am 28. Juli kam es im Gebiet der Seceda zu einem tödlichen Unfall.

Nach der späteren Schilderung von Doss verlor Dyrlund auf einem steilen Grasabschnitt den Halt, rutschte ab und stürzte über eine Felskante. Rettungskräfte wurden alarmiert, konnten ihm jedoch nicht mehr helfen. Medien berichteten von einem Sturz über ungefähr 200 Meter.

Seine Mutter bestätigte seinen Tod gegenüber dänischen Medien. Die Nachricht löste zahlreiche Abschiedsbeiträge von Fans und Wegbegleitern aus.

Bei der Einordnung des Unfalls ist eine Unterscheidung wichtig: Dass Dyrlund während der Reise Videos produzierte, belegt nicht, dass er einen absichtlich lebensgefährlichen Stunt inszenierte. Die Darstellung seines Begleiters beschreibt ein Abrutschen im Gelände. Sein Tod sollte deshalb nicht nachträglich mit einer unbelegten Absicht erklärt werden.

Die Erinnerungen hinter den öffentlichen Aufnahmen

Nach Dyrlunds Tod blieben unzählige Videos zurück. Sie bewahren seine Stimme, seinen Humor und Momente aus seinem Alltag. Eine vollständige Lebensgeschichte ergeben sie dennoch nicht. Auch ein sehr persönlicher Kanal zeigt nur das, was veröffentlicht wurde.

Seine Eltern Kenneth Dyrlund und Vibe Jørger Jensen ergänzten diese öffentliche Perspektive 2023 mit dem Buch Albert Dyrlund uden filter. Darin kamen auch Angehörige und Menschen aus seinem Umfeld zu Wort.

Die Biografie richtete den Blick auf den Sohn, Bruder, Partner und Freund hinter der bekannten Internetfigur. Zu den beteiligten Wegbegleitern gehörten unter anderem Anton Cornelius, Rasmus Brohave und Morten Münster.

Solche Erinnerungen erweitern das Bild, das Zuschauer aus den Videos kennen. Sie machen deutlich, dass öffentliche Bekanntheit zwar viele Einblicke schaffen kann, aber keinen Menschen vollständig abbildet.

Seine Geschichte erreichte auch die Theaterbühne

2025 griff die Produktion Albert Was Here Dyrlunds Leben auf. Das Stück verband seine Geschichte mit Fragen nach Aufmerksamkeit, Anerkennung und dem Leben in sozialen Medien. Zu sehen war es unter anderem in Herning, Aarhus und Frederiksberg.

Die Inszenierung stieß nicht nur auf Zustimmung. Das Kulturmagazin Soundvenue kritisierte, dass sie Dyrlunds Persönlichkeit nicht gerecht werde und seine Lebensgeschichte zu stark für eine allgemeine Aussage über das Internet nutze.

Die Debatte berührt ein grundsätzliches Problem solcher Darstellungen: Eine Biografie lässt sich auf bestimmte Themen zuspitzen, doch dabei können die Eigenheiten des Menschen verloren gehen. Bei Dyrlund waren es gerade sein Humor und seine Energie, die das Publikum an ihn gebunden hatten.

Was an seinem 28. Geburtstag bleibt

Heute sind Wechsel zwischen YouTube, Musik und Film fest in der Unterhaltungsbranche angekommen. Dyrlunds Karriere gehörte in Dänemark zu jener Phase, in der junge Internetpersönlichkeiten diese Möglichkeiten erst erprobten.

Er baute sich mit Videos ein Publikum auf und konnte daraus neue Projekte entwickeln. Sein Kinofilm zeigte besonders deutlich, dass die Reichweite eines Creators auch außerhalb der ursprünglichen Plattform Bedeutung haben konnte.

Sein Geburtstag erinnert zugleich daran, wie früh dieser Weg endete. Mit 28 wäre Dyrlund noch immer ein junger Künstler gewesen, dessen Arbeit sich weiter hätte verändern können. Über diese ungelebte Zukunft lässt sich nur spekulieren.

Was sich ansehen und anhören lässt, ist das, was er tatsächlich geschaffen hat. Dort liegt auch der persönlichste Zugang zu seiner Erinnerung: in seinen Videos, seiner Musik und den Momenten, wegen denen Menschen ursprünglich bei ihm eingeschaltet haben.

Daniel Fersch

Daniel schreibt über so ziemliches alles, was mit Games, Serien oder Filmen und (leider) auch fragwürdigen Streamern zu tun hat – insbesondere, wenn es dabei um Nintendo, Dragon Ball, Pokémon oder Marvel geht....