Heute ist Streaming für Mehdi mehr als nur ein Hobby. Doch bevor daraus sein Beruf wurde, musste er erst einmal den Schritt vom Zuschauer zum Creator wagen.
Für Mehdi war die Idee, mit Gaming einmal Geld zu verdienen, offenbar keine spontane Eingebung. Bereits als Kind beschäftigte ihn die Frage, wie sich aus seiner Leidenschaft ein Beruf machen lässt. Jahre später ist genau das Realität: Mehdi verdient inzwischen als Twitch-Streamer sein Geld.
Vom Twitch-Zuschauer zum eigenen Stream
Sein Weg zum eigenen Kanal begann allerdings auf der anderen Seite des Bildschirms. Mehdi war selbst viel auf Twitch unterwegs und schaute unter anderem jahrelang bei MontanaBlack zu. Er machte sogar aktiv bei verschiedenen von Monte mit. In seinem eigenen Umfeld habe es damals dagegen kaum Menschen gegeben, die Twitch oder YouTube verfolgt hätten. Einen Freundeskreis voller Streamer hatte Mehdi also nicht. Irgendwann kam deshalb der Gedanke auf:
„Ich dachte mir irgendwann: Ich mache es einfach selber.“
Seine Überlegung dahinter war denkbar simpel: Was sollte schon passieren? Wenn es funktioniert, wäre es cool. Wenn nicht, wäre es eben so. Also legte Mehdi los. Dabei hatte er zu Beginn sogar einen kleinen Vorteil. Anders als viele andere Streamer startete er nicht komplett vor leeren Rängen. Schon seine ersten Streams hätten ungefähr 20 bis 30 Zuschauer erreicht. „Ich hatte nie null oder einen Zuschauer. Da muss ich auch sagen: Respekt an alle, die wirklich bei null anfangen und dann durchziehen.“
Von dort aus ging es für den Content-Creator Schritt für Schritt weiter. Die Zuschauerzahlen stiegen langsam, aber kontinuierlich. Einen zusätzlichen Schub bekam seine Karriere, als er mit GTA RP anfing. Das Spiel erlebte damals einen großen Hype und half ihm dabei, weitere Zuschauer zu erreichen. Auch Valorant spielte über längere Zeit eine wichtige Rolle in seiner Streaming-Karriere. Über die Jahre probierte Mehdi verschiedene Games aus und entwickelte seinen eigenen Stil.
Aus Hobby wird Beruf
Dass aus den ersten Streams tatsächlich einmal ein Beruf werden könnte, war zu Beginn trotzdem noch nicht selbstverständlich. Seine Streaming-Karriere begann zwischen Ende 2019 und Anfang 2020. Als die Corona-Pandemie losging, arbeitete Mehdi zunächst noch im Fitnessstudio. Mit der Zeit wurde aus dem Hobby jedoch immer mehr. Heute gehört das Streaming fest zu seinem Alltag. Dabei verbringt der heutige Berliner teilweise enorme Mengen an Zeit live vor seiner Community. Privat zu zocken, kommt für ihn deshalb kaum noch infrage. „Wenn ich zocke, dann streame ich auch.“
Nach Streams, die sich über viele Stunden ziehen können, sei der Tag für ihn meist bereits gelaufen. Wenn die Kamera aus ist, geht es für Mehdi entweder noch ins Gym, er verbringt Zeit mit seiner Freundin, schaut einen Film oder macht es sich zu Hause mit Kater Yuki gemütlich.
Doch wer ist Mehdi eigentlich?
Mehdi ist am 21. Juli dieses Jahres 30 Jahre alt geworden und kommt ursprünglich aus Mainz. Seit rund fünf Jahren lebt er in Berlin. In die Hauptstadt zog er damals aufgrund seiner Freundin. Da er als Streamer von überall aus arbeiten kann, war der Umzug für ihn auch beruflich unkompliziert. Eine große Familie hat Mehdi nicht. Er hat eine sieben Jahre ältere Schwester, die nach wie vor in Mainz lebt.
Wenn gerade nicht gestreamt wird, gehören Filme und Serien mitunter zu seinen liebsten Beschäftigungen. Zu seinen Favoriten zählen „Der Herr der Ringe“, „Game of Thrones“, „Star Wars“ und „Fluch der Karibik“.
Auch zum Lesen hat der Streamer immer wieder einen Anlauf genommen. Seine Mutter habe ihm schon früh gesagt, dass Lesen eine tolle Sache sei. Er selbst habe sogar einmal mit den Büchern zu „Der Herr der Ringe“ angefangen, aber diese dann nicht zu Ende gelesen. Bisher hat er es also noch nicht geschafft, Lesen dauerhaft als Hobby in seinen Alltag zu integrieren. Der Grund dafür ist vor allem sein Streaming-Pensum. Nach einem langen Stream falle es ihm schwer, sich noch einmal über längere Zeit auf ein Buch zu konzentrieren. Aber wer weiß, vielleicht wird er in der Zukunft noch zum Bücherwurm.
Warum Mehdi die „Krähe“ genannt wird
Sein Spitzname „Krähe“ hat ebenfalls mit einer seiner Lieblingsserien zu tun: Game of Thrones. Dort werden die Mitglieder der Nachtwache auch als „Krähen“ bezeichnet. Der Name entstand schließlich im Zusammenhang mit einem Win in einer Challenge.
Mehdi hatte sich dabei die entsprechende Anerkennung seiner Kollegen und seiner Community verdient und bekam daraufhin den Spitznamen „Krähe“. Ganz zufällig ist der Name also nicht entstanden. Mehdis Begeisterung für Game of Thrones und die Männer der Nachtwache steckt tatsächlich dahinter.
FIFA, Valorant, GTA RP und mehr: Mehdi setzt auf Variety
Auch beim Content selbst möchte sich Mehdi nicht dauerhaft auf ein einziges Spiel festlegen. Aktuell nimmt FIFA einen größeren Platz in seinen Streams ein. Gleichzeitig probiert er sich weiterhin aus. Dabei entscheidet Mehdi teilweise ganz bewusst spontan, was an einem Stream-Tag gespielt wird.
Er selbst sagt, dass er dabei auch manchmal „egoistisch“ sei und nicht auf jeden Wunsch der Community höre. Wenn er morgens aufsteht, entscheidet er meist einfach nach Lust und Laune, worauf er an diesem Tag Bock hat. Grundsätzlich kann er sich sogar vorstellen, nahezu jedes Game zu spielen. Eine Ausnahme gibt es zumindest emotional: Bei Horror-Games ist der Twitch-Streamer nach eigener Einschätzung ein kleiner Angsthase. Trotzdem hat er sie schon in seinen Streams gespielt. Schließlich weiß er, dass gerade seine Reaktionen für die Community unterhaltsam sind.
Warum ein Main-Game trotzdem sinnvoll sein kann
Für kleinere Streamer sieht Mehdi durchaus einen Vorteil darin, zunächst mit einem bestimmten Game oder einer Kategorie anzufangen. Wer etwa ein bestimmtes Spiel besonders gerne zockt, kann sich damit zunächst eine Community aufbauen. „Es ist smart für den Anfang, wirklich nur ein Game zu haben, um so ein bisschen was aufzubauen in einer Kategorie.“
Langfristig könne genau diese Spezialisierung aber zum Problem werden. Wer jahrelang ausschließlich ein bestimmtes Spiel streame, sei stark davon abhängig, dass die Zuschauer auch dauerhaft Interesse daran haben. Als Beispiel nennt der Berliner unter anderem Streamer, die ausschließlich Call of Duty spielen. Wenn das Game irgendwann „tot“ sei oder die Community keine Lust mehr darauf habe, könnten auch die Zuschauerzahlen des Kanals einbrechen.
Ähnlich könne es bei GTA RP laufen. Wer dort über Jahre gute Zahlen erreicht, könne beim Wechsel zu einem komplett anderen Spiel schnell merken, dass ein Teil der Community nicht mitzieht. „Dann würde ich schon versuchen, so schnell wie es geht, auch andere Games mit einzubinden.“
Mehdis Lösung: eine Mischung. FIFA, Minecraft, Challenges, „Just Chatting“ und andere Spiele können sich abwechseln. Die Community soll schließlich nicht ausschließlich wegen eines einzelnen Games einschalten, sondern auch wegen des Menschen hinter dem Stream.
„Ich würde auch weiter streamen, wenn ich damit kein Geld mehr verdienen würde“
Für den 30-Jährigen ist genau das ein wichtiger Punkt: Die Leidenschaft für das Streaming sollte nicht nur gespielt werden. Zuschauer würden merken, ob jemand wirklich Spaß an dem hat, was er macht. Und seine eigene Begeisterung scheint dabei ziemlich unabhängig vom finanziellen Erfolg zu sein.
„Selbst wenn es jetzt morgen nicht mehr laufen würde und ich bankrottgehen würde, ich kein Geld mehr damit verdienen würde und wieder normal arbeiten gehen müsste, dann würde ich trotzdem noch ein paar Mal in der Woche streamen, weil ich es liebe, und es mit der Community Spaß macht.“
Gerade seine Fanbase ist für Mehdi dabei ein wichtiger Teil des Ganzen. Besonders schön findet er, dass einige seiner allerersten Zuschauer bis heute bei seinen Streams dabei sind.
Streaming-Kollegen oder echte Freunde?
Auch die Menschen, mit denen Mehdi heute streamt, spielen dabei eine Rolle. Nicht jeder Kontakt aus der Streaming-Welt ist automatisch ein enger Freund. Mit manchen sei er schlicht als Streaming-Kollege verbunden. Bei anderen ist daraus dagegen eine echte Freundschaft entstanden. Dazu gehören beispielsweise Mcky und KrokoBoss, mit denen er nicht nur zusammen streamt oder Games spielt, sondern auch abseits davon befreundet ist und regelmäßig Kontakt hat.
Gerade bei den Streamern, mit denen er immer wieder zusammen spielt und Zeit verbringt, sieht Mehdi kein Gegeneinander. Vielmehr gehe es darum, einander etwas zu gönnen. Diese Stimmung könne sich wiederum positiv auf die Streams übertragen. Für ihn entsteht dadurch auch kein unnötiger Druck in seinem Beruf. Jeder müsse seinen eigenen Weg gehen. „Es bringt auch gar nichts, sich mit anderen zu vergleichen.“
Warum Networking für kleinere Streamer interessant sein kann
Mehdi selbst habe Networking zu Beginn seiner Karriere allerdings nicht bewusst betrieben und könne deshalb nicht aus eigener Erfahrung beurteilen, wie viel es tatsächlich bringt. Bei anderen Streamern beobachte er jedoch, wie wichtig feste Gruppen und gemeinsame Communities sein können.
„Wenn du mit drei, vier Leuten im Discord bist und du hast immer diese Struktur an Leuten, dann hast du immer deine Bubble.“ Davon könnten am Ende alle Beteiligten profitieren. Für kleinere Streamer kann es deshalb durchaus interessant sein, sich mit anderen Creatorn zu vernetzen, gemeinsam zu spielen und Kontakte aufzubauen.
Dabei müsse aus einem Streaming-Kontakt aber nicht automatisch eine Freundschaft werden. Entscheidend sei vielmehr, dass man miteinander eine gute Zeit habe und sich gegenseitig etwas gönne.
Mehdi hat noch einiges vor
Ganz am Ziel angekommen sieht sich Mehdi offenbar noch lange nicht. Dabei geht es ihm für die Zukunft gar nicht unbedingt darum, einen bestimmten Meilenstein zu erreichen. Viel wichtiger ist ihm, weiterhin das zu machen, worauf er Lust hat, woran er glaubt und was sich für ihn richtig anfühlt.
„Ich hoffe, dass ich einfach immer das mache, worauf ich Lust habe, dass ich das mache, woran ich glaube, und dass es einfach noch besser klappt als jetzt.“
Für den Twitch-Streamer geht es damit vor allem darum, seinen eigenen Weg weiterzugehen und die Leidenschaft für das Streaming zu behalten.
Was also als Kind mit der Frage begann, wie man mit Gaming Geld verdienen kann, ist inzwischen sein Beruf geworden. Die Freude am Streamen selbst scheint für Mehdi dabei aber mindestens genauso wichtig zu sein wie der Erfolg. An dieser Stelle bleibt uns nur noch, Danke zu sagen: Danke an Mehdi für das spannende Interview und die persönlichen Einblicke in die Welt des Streamings.
Wir wünschen ihm für seinen weiteren Weg alles Gute und sind gespannt, was wir in Zukunft noch von ihm sehen werden.
