Die AfD wird vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft und trotzdem erreichte sie nun sehr hohe Zahlen ...
Als Rezo im Mai 2019 sein mittlerweile legendäres Video „Die Zerstörung der CDU“ veröffentlichte, ahnte wohl kaum jemand, welche politische Debatte er damit auslösen würde. Knapp 55 Minuten lang rechnete der YouTuber mit der damaligen Politik von CDU, CSU und SPD ab, kritisierte unter anderem deren Klima- und Sozialpolitik – und richtete seinen Blick auch auf die AfD.
Gegen Ende des Videos wurde Rezo besonders deutlich. Mit Blick auf die Europawahl am 26. Mai 2019 sagte er: „Wählt bitte nicht die SPD, wählt bitte nicht die CDU, wählt bitte nicht die CSU und schon gar nicht die AfD.“
Es war ein Satz, der hängen blieb. Das Video entwickelte sich innerhalb kürzester Zeit zu einem politischen Internetphänomen. Schon drei Tage nach Veröffentlichung hatte „Die Zerstörung der CDU“ mehr als drei Millionen Aufrufe. Bis zur Europawahl waren es mehr als zehn Millionen, wenige Tage später bereits rund 14 Millionen. Insgesamt avancierte das Video mit etwa 17 Millionen Aufrufen zu Rezos erfolgreichster Veröffentlichung.
Rezo wurde zum politischen Sprachrohr einer Generation
Der Erfolg des Videos war damals nicht nur eine Frage von Klickzahlen. Rezo traf einen Nerv – insbesondere bei jungen Menschen, die sich von der etablierten Politik nicht ausreichend gehört fühlten. Seine Kritik war dabei vor allem auf die Klima- und Zukunftspolitik der damaligen Regierungsparteien ausgerichtet.
Wenige Tage später legte Rezo gemeinsam mit zahlreichen anderen YouTubern nach. In einem Statement von zunächst mehr als 70, später mehr als 90 YouTubern hieß es ebenfalls, man solle die CDU/CSU und SPD nicht wählen – und „schon gar nicht die AfD“, der vorgeworfen wurde, den wissenschaftlichen Konsens zum Klimawandel zu leugnen. Damals war die AfD noch weit davon entfernt, eine der stärksten politischen Kräfte Deutschlands zu sein. Heute sieht die politische Landschaft deutlich anders aus.
Sechs Jahre später ist die AfD stärker denn je
Dass Rezos Satz jetzt wieder hervorgeholt wird, hat einen einfachen Grund: Die AfD erlebt derzeit einen politischen Höhenflug, der vor wenigen Jahren noch kaum vorstellbar gewesen wäre. Am Sonntag, dem 6. September 2026, wurde die AfD bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt mit rund 44 Prozent stärkste Kraft. Damit erzielte sie ihr bislang stärkstes Ergebnis bei einer Landtagswahl und lag deutlich vor der CDU, die auf rund 17 Prozent kam. Eine Regierungsbildung ist trotzdem kompliziert, weil die anderen Parteien eine Zusammenarbeit mit der AfD ausschließen.
Der Wahlerfolg ist auch deshalb brisant, weil die AfD in Sachsen-Anhalt vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft wird. International und national wird das Ergebnis deshalb als deutlicher Einschnitt in die deutsche Parteienlandschaft bewertet. Und Sachsen-Anhalt könnte nur der Anfang sein.
Auch vor den nächsten Wahlen liegt die AfD weit vorne
Am 20. September steht in Berlin die Abgeordnetenhauswahl an. Eine aktuelle Umfrage von Infratest dimap sieht die AfD dort bei 18 Prozent – gleichauf mit den Grünen und nur drei Prozentpunkte hinter der CDU. Die Linke kommt auf 19 Prozent. Auch wenn Umfragen keine Wahlergebnisse vorwegnehmen können, zeigt sich darin ein Problem, das inzwischen kaum noch wegzudiskutieren ist: Die AfD ist längst keine politische Randerscheinung mehr.
Genau darin liegt die Brisanz von Rezos altem Satz. 2019 war „schon gar nicht die AfD“ für viele noch eine Warnung vor einer Partei, die zwar im Bundestag saß, aber deutlich weniger politische Macht besaß als heute. 2026 steht die Partei in mehreren Bundesländern an der Spitze von Umfragen oder Wahlergebnissen.
Was passiert, wenn die politische Mitte weiter verliert?
Der Aufstieg der AfD ist dabei nicht allein mit ihren eigenen Erfolgen zu erklären. Er ist auch ein Spiegelbild der Schwäche der etablierten Parteien. Wirtschaftliche Probleme, steigende Lebenshaltungskosten, Streit über Migration, Unsicherheit und eine wachsende Unzufriedenheit mit der Bundesregierung liefern der AfD politische Angriffsfläche. Gerade die traditionellen Parteien müssen sich deshalb die Frage stellen, warum es ihnen nicht gelingt, einen Teil dieser Wählerinnen und Wähler zurückzugewinnen. Nur mit Warnungen vor der AfD wird sich deren Aufstieg kaum stoppen lassen.
Gleichzeitig wäre es jedoch falsch, die aktuellen Wahlergebnisse als bloße Momentaufnahme abzutun. Dass eine Partei, die vom Verfassungsschutz in mehreren Ländern als rechtsextremistisch eingestuft wird, inzwischen derart hohe Zustimmungswerte erreicht, ist ein Warnsignal für die gesamte demokratische Parteienlandschaft.
Rezos Satz aus dem Jahr 2019 klingt deshalb heute anders als damals. „Und schon gar nicht die AfD“ war ursprünglich Teil eines YouTube-Videos über die Politik der damaligen Bundesregierung. Heute steht dahinter eine viel größere Frage: Doch die entscheidende Frage bleibt: Wie viel Zuspruch kann die AfD noch gewinnen und wie lange können die anderen Parteien verhindern, dass daraus politische Macht und Regierungsverantwortung entsteht? Überlegt euch also gut, wen ihr wählt. Informiert euch über die verschiedenen Wahlprogramme und denkt an unsere gemeinsame Zukunft.
