"Wieviele Erfindungen sind aus Europa, wie viele aus Afrika?" Ben Ungeskriptet versucht sich vor SZ-Journalist zu rechtfertigen

Kritiker sprechen von rassitsischen Denkmustern, Berndt fühlt sich aus dem Kontext gerissen.

Ben Bernd VS Rafid Kabir
Meinungsfreiheit? Falsche Darstellung? Ben Berndt und Rafid Kabir sind im Streit. | © Ungeskriptet / Rafid Kabir

Ein Polit-YouTuber äußert Kritik an den Aussagen Ben Berndts, dieser sieht sich falsch dargestellt und geht anwaltlich dagegen vor. Statt sein Gegenüber damit in die Schranken zu weisen, wächst dessen Account ordentlich und die Kritik an Berndt wird lauter.

Ben Berndt für Aussagen kritisiert

Ben "Ungeskriptet" Berndt bezeichnet sich selbst als “Der Meinungsfreiheit verpflichtet” – und das ist ja auch erstmal gut so. Schließlich hat in Deutschland jeder das Recht auf eine eigene Meinung und sollte diese auch äußern dürfen. Natürlich geht dieses Privileg auch damit einher, dass getroffene Aussagen von anderen eingeordnet werden dürfen – wer es mit der Wahrheit nicht so genau nimmt, dem darf man sich auch entgegenstellen, die geäußerte Meinung mit Fakten widerlegen und richtigstellen, oder eben darauf hinweisen, wenn die Dinge die gesagt wurden, auf die eine oder andere Weise konnotiert sind.

Wenn Ben Berndt, einer der größten Podcaster Deutschlands also einen Höcke oder Ulrich in seine Show einlädt, dann ist das erstmal vollkommen legitim. Klar kann man ihm vorwerfen, dass dies natürlich mit Kalkül und dem Shock-Value passiert, dass solche Gäste für Aussehen sorgen – kritisiert wurde dabei aber vor allem, dass er beide zum großen Teil einfach habe reden lassen, wenig bis keine Einordnung stattgefunden habe und er gerade Siegmund teilweise derartige Steilvorlagen geboten haben solle, in dem er seine Formulierungen so ausschweifend und doch nichtssagend gehalten haben soll, dass sein Gesprächspartner selbst gar keine verfänglichen Aussagen mehr hätte treffen können.

Eine der Aussagen, die Ben im Gespräch mit Ulrich Siegmund selbst traf, stieß vielen Usern sauer auf. So sagte der YouTuber mit Blick darauf, unter welchen Punkten der Verfassungsschutz die Mitglieder der AfD beobachten würde:

Die Kriterien für Rechtsextremismus sind quasi – also für den Verfassungschutz – dieses ethnozentristische Weltbild Deutsche, oder Weiß-Deutsche sind besser als andere Menschen. Und ich glaube schon, dass es das gibt... also rein, wenn du es mal unemotional rauszoomst... also pass auf, wie viele Erfindungen sind denn aus Europa denn rausgekommen? Wie viele Erfindungen in den letzten 500 Jahren sind aus Afrika gekommen? Woran liegt das denn? Und dann zusagen, dass wäre reiner Zufall und das hat überhaupt nichts mit... ist auch schon schwierig. Und da kann man sich relativ schnell, wenn man sich damit beschäftigt, kann man sagen, okay, der Europäer und der weiße Europäer ist irgendwie... scheint ein intellektuell erfolgreicherer... Gattung Slash Rasse... Rasse darf man nicht sagen... Gattung.... Variation zu sein. Und as alle in der Partei das pauschal abzulehnen, das scheint mir... das ist glaub ich Quatsch.

Für einige Zuschauer und Kritiker schien klar, dass dies nicht nur eine sehr schwammige Vorlage für Siegmund sein sollte, welche dieser einfach nur abnicken müsste, um die Beobachtung durch den Verfassungsschutz als weniger dramatisch darzustellen als sie eigentlich ist, sie sind der Meinung, dass hier auch Berndts eigenes Gedankengut sich klar zeigt.

Rafid Kabir verweist auf problematische Rassentheorie

Dabei wurden viele Stimmen laut, unter anderem die von Polit-Creator Rafid Kabir.

Nach Darstellung von Kabir und dessen Anwalt Jasper Prigge bleibt Berndt nicht beim Wiedergeben solcher Positionen: Er stelle eigene Überlegungen dazu an, warum AfD-Mitglieder diese Vorstellungen nicht pauschal ablehnten. Dabei vergleiche er die Zahl der Erfindungen aus Europa und Afrika in den vergangenen 500 Jahren und stelle infrage, dass die Unterschiede allein durch Zufall zu erklären seien. Kabirs Seite sieht darin eine argumentative Stützung rassistischer Vorstellungen – auch, weil kein Bezug zu Kolonialisierung und Ausbeutung solcher Länder gezogen wird.

Kabir unterlegte den Ausschnitt unter anderem mit den Einblendungen "Rassentheorie ist wieder im Trend" und "Die Banalität des Bösen". Damit ordnete er Berndts Aussagen als gefährliche Normalisierung rassistischen Denkens ein.

Was Berndt dagegen vorbringt

Laut Prigges Stellungnahme argumentiert Berndts Rechtsvertretung, der Ausschnitt erwecke fälschlich den Eindruck, Berndt vertrete selbst eine rassistische Überlegenheitstheorie. Er habe Siegmund lediglich mit dieser These konfrontiert. Die Kanzlei Schertz Bergmann forderte deshalb am 8. September 2026 Unterlassung. Prigge wies die Forderung am 10. September zurück.

An dieser Stelle ergibt sich für Verfolger dieses Diskurses wie etwa Dara Marc Sasmaz die Frage, warum Berndt, der sich sonst, als “der Meinungsfreiheit verpflichtet” bezeichnet, hier aber versucht, Kabir, wie dieser selbst es nennt “mundtot” zu machen. Berndt sieht sich zwar als falsch dargestellt und ist der Meinung, seine Aussage sei aus dem Kontext gerissen worden, für Dara, Kabir und viele andere scheinen die Clips ausreichend Hintergrund des Gesprächs zu liefern, um die Aussagen klar einordnen zu können.

Vermutlich auch deswegen begannen viele daraufhin den Instagram-Kanal Kabirs zu unterstützen, sodass dieser innerhalb kürzester Zeit auf mehr als 100.000 Follower anwuchs.

SZ-Journalist hakt nach

In einem aktuellen Interview spricht auch SZ-Journalist Ronen Steinke Berndt auf diesen doppelmoralisch anmutenden Umgang mit der Situation hin und betont auch seinerseits, dass er Berndts Aussagen für fragwürdig hält.

Die Antwort des Podcasters darauf ist vielen Kritikern zu schwammig und nichtssagend. Berndt geht kaum auf das anwaltliche Vorgehen ein und redet stattdessen davon, dass “kleine YouTuber” den “Großen” immer versuchen würden “ans Bein zu pinkeln”, wobei auch Dara mit Blick auf diese Aussagen klarstellt, dass er darin eher den Versuch sieht der Frage auszuweichen und glaubt, dass die eigentliche Antwort, eben, dass er vermeintlich versuchen würde, unbequeme Meinungen über ihn zum Schweigen zu bringen, eine wäre, die Berndt einfach nicht gern zugeben würde.

Ob diese Antwort Bens eigene Community wirklich stören würde, ist fraglich, schließlich wird immer wieder kritisiert und darauf hingewiesen, dass sich spätestens seit Interviews mit Höcke und Siegmund, deren Aussagen den meisten viel zu wenig eingeordnet wurden, eine deutlich rechtsgerichtetere Stimmung in seinen Kommentarspalten breit macht. Journalisten, die die AfD kritisieren, werden automatisch als “linke Aktivisten” bezeichnet, Schlagworte wie “Altparteien” fallen immer wieder und Behauptungen, dass Ärzte wegen falscher Maskenatteste in Gefängnissen säßen, werden unkommentiert hingenommen.

Ob Ben Berndt sich in diesen Reihen mittlerweile wohlfühlt, muss er selbst wissen, wenn er jedoch all diese Behauptungen und Meinungen so ohne Weiteres zulässt, sollte er das doch auch, wenn Kritik an ihm ausgeübt und argumentativ belegt wird.

Daniel Fersch

Daniel schreibt über so ziemliches alles, was mit Games, Serien oder Filmen und (leider) auch fragwürdigen Streamern zu tun hat – insbesondere, wenn es dabei um Nintendo, Dragon Ball, Pokémon oder Marvel geht....