League Patch 26.16 bringt unter anderem Balance-Änderungen für Azir, Bel’Veth, Nasus und mehrere Fighter-Items.
Patch 26.16 wirkt auf den ersten Blick wie ein klassischer Balance-Patch. Schaut man genauer hin, geht es aber um mehr als ein paar Champion-Buffs und Nerfs. Laut Matthew „Phroxzon“ Leung-Harrison, Lead Gameplay Designer für League of Legends, will Riot mehrere größere Meta-Baustellen gleichzeitig anfassen: AD-Mids, AP-Jungler, Fighter-Items, ADC-Resistances und die ersten Folgen der neuen Season-3-Ranked-Änderungen.
Azir, Gwen und Kennen bekommen Hilfe
Bei den Champion-Buffs fällt vor allem Azir auf. Der Emperor of the Sands war zuletzt sowohl in der Pro-Meta als auch im normalen Spiel ziemlich unsichtbar. Für einen Champion, der historisch immer wieder stark um Pro Play herum balanciert werden musste, ist das bemerkenswert. Riot will Azir deshalb moderat buffen, auch wenn Phroxzon erwähnt, dass einige Spieler bereits mit Press the Attack experimentieren und der Build stärker wirkt, als man auf den ersten Blick denken könnte.
Gwen bekommt dagegen einen eher Toplane-fokussierten Buff. Besonders ihre Heilung soll dort mehr Impact haben. Das passt zu ihrer Identität als skalierende AP-Duellistin, die in längeren Kämpfen gefährlich wird, aber nicht unbedingt jede Lane von Anfang an dominieren soll.
Auch Kennen wird gebufft, allerdings mit einem klaren Ziel: Riot will nicht, dass Kennen wieder zu einem extrem lane-dominanten Pick wird. Stattdessen sollen seine Scaling-Werte helfen, ihn stärker über große Teamfight-Ultimates zu definieren. Das ist sinnvoll, weil Kennen in der Vergangenheit immer dann problematisch wurde, wenn er sowohl Lane als auch Teamfights zu zuverlässig kontrollieren konnte.
Bel’Veth wird nach Patch 26.15 direkt wieder angepasst
Bel’Veth steht erneut im Fokus. Nachdem Riot sie in Patch 26.15 stärker in Richtung Late-Game-Fantasy geschoben hatte, zeigt sie laut Phroxzon nun vor allem in durchschnittlichen Skill-Brackets zu starke Ergebnisse. Deshalb bekommt sie einen Nerf, der eher auf normales Spiel und spätere Phasen abzielt.
Interessant ist aber, dass Riot gleichzeitig etwas mehr Power auf ihren Level-6-Spike legen will. Das zeigt, dass Bel’Veth nicht einfach nur schwächer werden soll. Riot versucht weiterhin, ihre Powerkurve sauberer zu formen: weniger dauerhaft überdrückend, aber mit klareren Momenten, in denen sie sich stark anfühlt.
Nasus bekommt ein verändertes Stacking-System
Auch Nasus erhält in Patch 26.16 eine interessante Anpassung. Seine Q, Siphoning Strike, gibt künftig 4 statt 3 Stacks bei normalen Last Hits. Dafür sinkt der Bonus auf Champions, große Minions und Monster von 12 auf 10 Stacks.
Das ist kein einfacher Buff und auch kein reiner Nerf. Riot verschiebt Nasus’ Scaling etwas weg von einzelnen großen Stack-Momenten und hin zu konstanterem Farmen. Wer sauber viele normale Minions last hittet, wird langfristig etwas zuverlässiger belohnt. Gleichzeitig eskaliert Nasus etwas weniger stark über Cannon Minions, Jungle Camps oder Champion-Kills.
Für Nasus ist das relevant, weil sein gesamter Spielplan um seine Q-Stacks gebaut ist. Zu viele Stacks zu früh machen ihn schnell zu einem frustrierenden Side-Lane-Monster. Zu wenig Zugang zu Stacks sorgt dagegen dafür, dass seine zentrale Champion-Fantasie nicht funktioniert. Die Änderung wirkt deshalb wie ein Versuch, sein Wachstum gleichmäßiger zu machen, ohne seine Identität als Late-Game-Scaler zu entfernen.
Riot will AD-Mids und AP-Jungler attraktiver machen
Einer der spannendsten Punkte betrifft nicht einzelne Champions, sondern Teamkompositionen. Riot will mehr AD-Mids ermöglichen und gleichzeitig AP-Jungler stärken. Dafür werden unter anderem Änderungen rund um Berserker-Optionen und AP-Jungle-Pet-Damage geplant.
Die Logik dahinter ist relativ klar: Wenn AP-Jungler besser funktionieren, wird es leichter, AD-Champions in der Midlane zu picken, ohne dass das gesamte Team in zu viel physischem Schaden landet. Umgekehrt profitieren AP-Jungler davon, wenn AD-Mids eine realistische Option sind. Das könnte Drafts flexibler machen und die Mid-Jungle-Dynamik etwas öffnen.
Gerade nach MSI und EWC ist das relevant. Wenn zu viele starke Kompositionen um dieselben Fighter, Bruiser und Standard-Damage-Profile kreisen, wird die Meta schnell eng. Patch 26.16 wirkt hier wie ein Versuch, mehr sinnvolle Alternativen zu schaffen.
Sundered Sky wird generft, Konkurrenz bekommt mehr Raum
Sundered Sky ist ein weiterer großer Fokus. Phroxzon beschreibt das Item als starken Generalisten, der zu viel auf einmal bietet: Heilung, Schaden und Haltbarkeit. Genau solche Items sind schwer zu balancen, weil sie nicht nur situativ stark sind, sondern für viele AD-Fighter fast immer richtig wirken.
Riot will Sundered Sky deshalb abschwächen und gleichzeitig konkurrierende Items stärken. Das Ziel ist, dass die ersten beiden Item-Slots für AD-Fighter wieder stärker umkämpft sind. Statt immer denselben Allrounder zu kaufen, sollen Spieler bewusster zwischen Items mit klareren Stärken und Schwächen wählen.
Auch Sunfire Aegis bleibt unter Beobachtung. Riot hat die Diskussion um das Item gesehen, bewertet es aber offenbar nicht als klar zu stark oder klar zu schwach. Die geplanten Änderungen sollen erst einmal live gehen, danach will Riot neu bewerten.
Warum alle ADCs Magic Resist bekommen
Ein größerer Systempunkt ist zusätzliche Magic Resist für ADCs. Phroxzon erklärt, dass Riot hier bewusst breit vorgeht, weil es um eine strukturelle Aussage über die Klasse geht. Die Beziehung zwischen Burst und ADCs soll erhalten bleiben, egal auf welcher Lane ein Marksman gespielt wird.
Das bedeutet: Auch Champions wie Akshan oder Kindred könnten betroffen sein, obwohl sie nicht klassische Botlane-ADCs sind. Riot will Klassenregeln verständlicher und wartbarer machen, statt jeden Champion mit Sonderfällen zu balancen. Das kann kurzfristig einzelne Picks stärker machen als nötig, soll langfristig aber für klarere Systemlogik sorgen.
Ranked-Änderungen zeigen erste Wirkung
Zum Schluss spricht Phroxzon auch über die Season-3-Ranked-Änderungen aus Patch 26.15. Laut Riot zeigen die internen Daten bereits Verbesserungen bei Matchqualität im Verhältnis zu Queue Times. Besonders für Apex-Spieler fragt Riot aber weiter nach Feedback.
In kleineren Regionen wie MENA und OCE sind die Queue Times offenbar zu stark gestiegen. Dort will Riot während 26.16 wieder etwas zurücknehmen, damit starke Spieler überhaupt verlässlich Matches finden.
Patch 26.16 ist damit kein spektakulärer Rework-Patch, aber ein wichtiger Feinschliff-Patch. Riot versucht, festgefahrene Meta-Muster aufzubrechen, ohne das Spiel komplett neu zu sortieren. Gerade AD-Mids, AP-Jungler, Fighter-Items und ADC-Resistances könnten nach diesem Patch spürbar anders aussehen.