Warum ist League of Legends so hart zu neuen Spielern?

Toxicity in Multiplayer-Games ist ein altbekanntes Problem. Besonders schwer haben es aber Anfänger in League of Legends.

League toxicity
Eine Erfahrung die leider jeder League-Spieler irgendwann mal miterlebt... | © Riot Games

League of Legends ist eines der erfolgreichsten Multiplayer-Spiele der Welt, aber auch eines der abschreckendsten für Anfänger. Warum behandelt die LoL-Community neue Spieler oft so schlecht? Die Antwort ist unangenehm, aber naheliegend: League ist alt, komplex, extrem teamabhängig – und viele Spieler verlieren schon beim kleinsten Fehler die Nerven.

League erwartet Wissen, das Anfänger nicht haben können

Der beste Punkt ist simpel: Viele League-Spieler erwarten von anderen ein Wissen, das sich über Jahre aufgebaut hat. Wer heute regelmäßig Ranked spielt, hat oft fünf bis zehn Jahre Champion-, Map- und Game-Knowledge im Kopf. Für diese Spieler ist es selbstverständlich, dass man weiß, wann Darius Level 1 gefährlich ist, wie Lee Sin jemanden aus einer sicheren Position kicken kann oder warum man gegen bestimmte Jungler nicht ohne Vision pushen sollte.

Für neue Spieler ist davon aber nichts selbstverständlich. League hat inzwischen eine riesige Menge an Champions, Matchups, Items, Objectives, Power Spikes und unausgesprochenen Regeln. Ein Anfänger lernt nicht nur einen Champion. Er lernt gleichzeitig Laning, Trading, Warding, Wave-Management, Jungle-Pathing, Objective-Timing und Teamfighting. Und weil alles miteinander verbunden ist, kann ein einziger Fehler schnell das ganze Spiel beeinflussen.

Genau das macht League so brutal. In vielen anderen Spielen ist ein schlechter Spieler einfach nur schwach. In League kann ein schlechter Spieler den Gegner stärker machen.

Warum Fehler in League so sehr eskalieren

Das ist der große Unterschied zu vielen Shootern oder Fighting-Games. Wenn ein Anfänger in Counter-Strike oder Valorant stirbt, ist die Runde natürlich schwieriger. Aber der Gegner wird dadurch nicht dauerhaft stärker. In League dagegen bedeutet jeder Tod Gold, Erfahrung, Tempo, Pressure und oft auch Objectives für das gegnerische Team.

Wenn ein neuer Toplaner dreimal stirbt, ist das nicht nur sein Problem. Plötzlich ist der gegnerische Toplaner fed, kann roamen, Herald sichern, Sidewaves dominieren oder später Teamfights übernehmen. Wenn ein neuer Botlaner permanent gepickt wird, leidet nicht nur die Lane, sondern auch Dragon Control. Wenn ein Jungler nicht versteht, wann er kämpfen darf, verlieren alle Lanes indirekt mit.

Deshalb reagieren Spieler in League oft heftiger auf Fehler als in anderen Games. Das entschuldigt keine Beleidigungen, erklärt aber, warum die Emotionen so schnell kippen. Die Fehler eines Mitspielers fühlen sich nicht isoliert an. Sie fühlen sich wie etwas, das das eigene Spiel aktiv kaputtmacht.

Die Community hat ein Mentalitätsproblem

Trotzdem wäre es falsch, alles nur mit Game Design zu erklären. League hat nicht umsonst den Ruf, eine extrem toxische Community zu haben. Viele Spieler wissen genau, warum Anfänger Probleme haben, behandeln sie aber trotzdem schlecht.

Das liegt auch an der Mentalität, die sich über Jahre in Ranked aufgebaut hat. Viele Spieler gehen in jedes Match mit der Erwartung, dass alle anderen ungefähr ihr Wissen haben sollten. Sobald etwas schiefgeht, suchen sie nicht nach Anpassungen, sondern nach Schuldigen. Der Anfänger, der Autofilled-Spieler oder derjenige, der einen Champion zum ersten Mal ausprobiert, wird dann schnell zum Ventil.

Riot beschreibt in seinem Community Pact selbst, dass disruptive behavior nicht immer nur von dauerhaft problematischen Spielern kommt. Oft sind es normale Spieler, die einen schlechten Tag haben oder in einem frustrierenden Match die Kontrolle verlieren. Genau das passt zu League: Viele Spieler sind nicht permanent toxisch, aber sobald das Spiel kippt, kippt ihre Mentalität mit.

Ranked ist der falsche Ort für Experimente – aber nicht jeder Fehler ist Trolling

Ein Teil der Härte kommt auch daher, dass viele Spieler Ranked als ernsthaften Modus verstehen. Und das ist grundsätzlich fair. Wer Ranked spielt, darf erwarten, dass alle gewinnen wollen. Wenn jemand dort zum ersten Mal einen Champion ausprobiert, eine Rolle nicht versteht oder komplett unvorbereitet wirkt, sorgt das zwangsläufig für Frust.

Aber hier liegt die Grenze: Schlecht spielen ist nicht dasselbe wie absichtlich verlieren. Anfängerfehler, fehlendes Wissen oder ein schlechter Tag sind kein Griefing. Riot betont ebenfalls, dass neue Spieler oder Spieler, die eine Rolle lernen, nicht einfach für normale Fehler bestraft werden sollen. Genau diese Unterscheidung vergessen viele Spieler im Match.

League braucht klare Erwartungen, aber keine Selbstjustiz im Chat. Wer flamt, macht das Spiel meistens nicht besser. Er sorgt nur dafür, dass der schlechte Spieler schlechter spielt, der eigene Fokus verloren geht und das Team noch schneller auseinanderfällt.

Die beste Lösung bleibt oft: muten und lernen

Für neue Spieler ist das ernüchternd, aber wahrscheinlich der ehrlichste Rat: Man kann die League-Community nicht kurzfristig reparieren. Wer lernen will, sollte Chat und Pings aggressiv muten, wenn sie nerven, und sich auf das eigene Spiel konzentrieren. Gerade am Anfang ist es wichtiger, Muster zu erkennen, als jedes Match zu gewinnen.

Für Riot bleibt die größere Aufgabe, Anfänger besser zu schützen und toxisches Verhalten konsequenter einzugrenzen. Bessere Tutorials, klarere Lernpfade, verständlichere Champion-Informationen und härtere Strafen für wirklich abusive Kommunikation können helfen. Aber sie lösen nicht alles, weil ein Teil des Problems tief im Aufbau von League steckt.

League ist schwer. League ist alt. League bestraft Fehler extrem hart. Und genau deshalb entsteht eine Umgebung, in der Anfänger schnell zum Ziel werden. Das macht die Reaktionen der Community nicht richtig. Aber es erklärt, warum das Problem so hartnäckig ist. Am Ende sollte die Antwort eigentlich einfach sein: Jeder war irgendwann schlecht. Wer das vergessen hat, ist wahrscheinlich nicht besser in League geworden – nur ungeduldiger.

Florian Frick

Flo studiert Sportjournalismus und verbindet bei EarlyGame seine Leidenschaft fürs Schreiben und eSports. Er liebt CS, und zu sagen, dass er emotional werden kann, wenn er seine Lieblingsteams verfolgt, wäre untertrieben....