15 deutsche Filme, die die Kinolandschaft für immer veränderten
15 deutsche Filme, welche die Kinolandschaft für immer veränderten
Die erste deutsche Filmvorführung fand bereits im Jahr 1895 statt. Seitdem haben deutsche Produktionen kontinuierlich die Kinolandschaft geprägt, indem sie ganze Filmarten mitbegründeten und sich kritisch mit der eigenen Landesgeschichte auseinandersetzten. Ohne diese Pionierarbeit wären heutzutage selbstverständliche Genres wie Horror oder Sci-fi so nie entstanden. Darum sind hier 15 deutsche Filme, die der Kinowelt ihren Stempel aufgedrückt haben. | © Universum Film AG
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Weimarer Republik & Expressionismus (1918–1933)
Obwohl die bekanntesten Meisterwerke aus dieser Epoche Stummfilme sind, haben sie bereits wichtige Fundamente im Sound-Design gelegt: So fand vor Ort eine eindrucksvolle Klanguntermalung statt, die zusammen mit der gewaltigen Bildsprache ein Gesamtkunstwerk ergab. Auch wenn diese Filme aus heutiger Sicht museal wirken, gelten sie als Grundpfeiler des modernen Kinos. | © Prana-Film GmbH
15. Das Cabinet des Dr. Caligari (1920)
Das Cabinet des Dr. Caligari gilt als erster psychologischer Horror-Langfilm und liefert noch heute Stoff für Albträume. Die überzeichnete Mimik von Dr. Caligari vermittelt seinen Wahn absolut glaubhaft, während der leichenblasse Cesare den perfekten Somnambulen abgibt. Hypnotisiert zieht er nachts schlafwandelnd umher, um Holstenwall unsicher zu machen. Dabei setzt der Film nicht nur auf die Inszenierung einer Mordserie, sondern bettet diese in eine Binnenerzählung ein, die am Ende Raum für einen perfiden Plottwist macht. So manches moderne Horror-Drehbuch wirkt im Vergleich dazu geradezu amateurhaft. | © Decla-Film-Ges. Holz & Co
14. Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens (1922)
Nosferatu dürfte vielen noch durch seinen Gastauftritt in der zweiten Staffel von Spongebob Schwammkopf ein Begriff sein, da er dort durch seine Lichtspielerei auffällt. Diese Referenz kommt nicht von ungefähr, da der Stummfilm damals tatsächlich sehr auf das Spiel mit Licht und Schatten setzte, um Graf Orlok als unheimliches Schreckgespenst darzustellen. Darüber hinaus erfand er den Mythos, dass Vampire durch Sonnenlicht besiegt werden können. Dass der Film überhaupt überlebt hat, ist dabei alles andere als selbstverständlich: Da es sich um eine unautorisierte Verfilmung von Bram Stokers Roman Dracula handelte, konnte dessen Witwe die Produktionsfirma nämlich erfolgreich verklagen. Obwohl die Vernichtung sämtlicher Kopien richterlich in Deutschland angeordnet wurde, überlebten einige, die bereits im Ausland im Umlauf waren. | © Prana-Film GmbH
13. Metropolis (1927)
Metropolis gilt nicht nur als erster abendfüllender Science-Fiction-Film, sondern auch als Monumentalwerk des Genres. Die Handlung ist dabei vergleichsweise einfach gestrickt: In einer futuristischen Großstadt sind die Leute in einer Zweiklassengesellschaft gefangen, in der oben die Elite im Überschwang lebt, während Menschen im Untergrund für die Maschinen arbeiten. Auch wenn dieser gesellschaftskritische Aspekt schnell aufgesetzt wirken kann, begegnet einem diese Extremform des Kastensystems nach wie vor sehr häufig in dystopisch angehauchten Sci-Fi-Werken. Der wahre Geniestreich des Films besteht ohnehin daraus, dass der berühmte „Maschinenmensch“ nicht dem Selbstzweck dient; stattdessen nutzt der Regisseur Fritz Lang ihn, um die Zerrissenheit der menschlichen Zivilisation widerzuspiegeln. Am Ende zeichnet er ein hoffnungsvolles Bild, in dem die Empathie siegt. | © Universum Film AG
12. M – Eine Stadt sucht einen Mörder (1931)
Als Fritz Lang seinen ersten Tonfilm drehte, war er nicht an konventionellem Sound-Design interessiert. Stattdessen setzte er bei M – Eine Stadt sucht einen Mörder auf bedrohliche Stille, städtisches Hintergrundrauschen und das gezielte Pfeifen des Mörders als Leitmotif. Schon damals griff Lang die Faszination echter Verbrechen auf, indem er mit seiner Frau ein Drehbuch schrieb, in das reale Recherchen zu zeitgenössischen Serienmördern flossen. Auch die Figur des Ermittlers Karl Lohmann hat ein reales Vorbild: den Berliner Kriminalisten Ernst Gennat. Die Auseinandersetzung des Films mit Paranoia und Massenhysterie zählt als bedeutende Kritik an der Weimarer Republik. | © Nero-Film AG
Nachkriegszeit & Neuer Deutscher Film (1946–1981)
Während die Nachkriegszeit stark von so genannten „Trümmerfilmen“ geprägt war, suchte das Publikum ab der Wirtschaftswunderzeit eher Eskapismus. Erst durch die jungen Filmemacher des Neuen Deutschen Films rückten Gesellschaftskritik und Experimentierfreude wieder in den Vordergrund.
11. Die Mörder sind unter uns (1946)
Die Mörder sind unter uns wurde als erster deutscher Nachkriegsfilm unter widrigsten Umständen gedreht: Equipment zur Beleuchtung und Filmstudios waren zu dieser Zeit absolute Mangelware. Es wurden daher die realen Trümmerlandschaften in Berlin zusammen mit dem natürlichen Kontrast aus Licht und Schatten genutzt. Wie die restliche Bevölkerung auch, mussten die Schauspieler am Set hungern; wobei sich der harte Dreh am Ende für Hildegard Knef auszahlte, da sie zum ersten großen deutschen Nachkriegsstar wurde. Beinahe hätte der Film mit einer persönlichen Vendetta des Protagonisten geendet, doch aufgrund sowjetischer Zensur haben Kulturoffiziere den Regisseur angewiesen, das Ende umzuschreiben. | © Deutsche Film AG
10. Der junge Törless (1966)
Der junge Törless ist nicht nur eine erfolgreiche Romanverfilmung, sondern auch eine Initialzündung für den Neuen Deutschen Film. Durch die psychologische Tiefenanalyse von Macht, Gewalt und Mitläufertum fungierte das Werk als eine Art Frühwarnsystem vor totalitären Systemen. Die kühle, dokumentarische Schwarz-Weiß-Ästhetik hob sich dabei gezielt vom seichten Heimatkino der 1950er Jahre ab, sodass sich die Abrechnung mit der Elterngeneration auch auf die Leinwand übertrug. Die Geschichte nutzt hierbei ein elitäres Knabeninternat als einen rechtsfreien Raum in dem sich eigene Machtstrukturen bilden, um die Entstehung des Nationalsozialismus zu beleuchten. Dabei drängt sich dem Zuschauer die ganze Zeit eine wichtige Kernfrage auf: Ab wann siehst du weg - und ab wann machst du dich durch dein Schweigen schuldig? | © Franz Seitz Filmproduktion | Nouvelles Éditions de Films
9. Angst essen Seele auf (1974)
Der Titel dieses Films drängt sich durch seine ungrammatische Struktur geradezu auf - und das ist genau so gewollt. Der Satz ist ein wörtliches Zitat des Deuteragonisten Ali, der auf das arabische Sprichwort „Die Angst isst die Seele“ anspielt. Der Film macht genau diese Angst greifbar: Ali kommt nämlich als Gastarbeiter nach Deutschland, verliebt sich in die ältere Witwe Emmi und sieht sich daraufhin mit Alltagsrassismus konfrontiert. Das Drama, welches sich am Hollywood-Klassiker Was der Himmel erlaubt orientiert, wird dabei primär aus Emmis Sicht erzählt - und zeigt damit, wie schnell man vom eigenen Umfeld verstoßen werden kann. Der soziale Druck auf das Paar bleibt dabei eine brandaktuelle Thematik, die den Film zeitlos macht. | © Tango Film
8. Die Blechtrommel (1979)
Die Prämisse von Die Blechtrommel wirkt seltsam und aufwühlend zugleich: Der frühreife Oskar Matzerath beschließt von heute auf morgen, dass er wegen der verlogenen Welt der Erwachsenen nicht mehr wachsen will. Mit schriller Stimme und Blechtrommel protestiert er daraufhin gegen den aufkeimenden Nationalsozialismus und das Kleinbürgertum - wobei er der Gesellschaft stets den Spiegel vorhält. Volker Schlöndorff schafft es dabei den ausgedehnten Roman von Günter Grass zu verdichten, ohne dabei die Groteske zu glätten. Der Film scheut sich auch nicht vor kontroversen Bildern wie der berühmten Brausepulver-Szene, in der Oskars sexuelles Erwachen im Körper eines Dreijährigen inszeniert wird. Die Mischung aus Märchen, Ekel, Groteske und historischer Realität verhalf dem Film zum internationale Durchbruch; er holte als erster deutscher Film den Oscar. | © Franz Seitz Filmproduktion | Bioskop-Film
7. Das Boot (1981)
Das Boot ist kein typischer Kriegsfilm: Er verzichtet komplett auf Heldenklischees und zeigt stattdessen den Krieg als Zermürbungsschlacht aus Langeweile und nackter Todesangst. Die tonnenschwere Hydraulik-Kulisse zusammen mit der revolutionären Handkamera-Technik machten dabei den Seegang und die Klaustrophobie spürbar. Die schiere Tiefe zusammen mit der ständigen Gefahr durch britische Wasserbomben machten die U 96 zu einem eisernen Sarg. Durch die schauspielerische Leistung von, unter anderem, Jürgen Prochnow und Herbert Grönemeyer spürt man die Erschöpfung und Kriegsmüdigkeit hautnah. | © Bavaria Film
Das moderne deutsche Kino (seit 1998)
Die aktuelle Kinolandschaft ist vor allem für ihre neuen deutschen Komödien, historischen Aufarbeitungen und die Berliner Schule bekannt - ein dokumentarischer Stil voller Alltagsbeobachtungen. Innovative Erzählweisen und bildgewaltige Produktionen verhelfen dem zuvor als altbacken bezeichneten deutschen Kino wieder zu Ansehen und Bekanntheit.
6. Lola rennt (1998)
Die Aufmachung von Lola rennt erinnert direkt an modernes Hollywood-Kino: Lolas Freund Manni ist Geldkurier für einen kriminellen Autoschieber und verliert in der Berliner U-Bahn eine Tasche mit 100.000 D-Mark. Ronnie, der Boss des Schiebers, stellt ihm daraufhin ein unbarmherziges Ultimatum: Entweder Manni beschafft das Geld innerhalb von zwanzig Minuten wieder, oder er stirbt. Der Clou kommt als Lola daraufhin wortwörtlich dem Geld hinterherrennt, denn der Film zeigt drei verschiedene Versionen davon, die alle eine andere Wendung haben. Der Film wechselt seine Ästhetik radikal und zeigt, dass selbst kleinste Abweichungen ein unterschiedliches Ergebnis hervorbringen können - und greift damit Werken wie Butterfly Effect vor. Lolas Lauf, der von hämmerndem Techno untermalt wird, ging in die Pop-Kultur-Geschichte ein und wurde schon in Buffy – Im Bann der Dämonen sowie den Simpsons parodiert. | © X Filme Creative Pool
5. Der Untergang (2004)
Der Untergang ist ein beklemmendes Kammerspiel im Bunker, das die letzten zwölf Lebenstage von Adolf Hitler zeigt. Der Film zeichnet sich durch Bruno Glanz' Leistung aus, den körperlichen und geistigen Verfall Hitlers glaubhaft darzustellen. Gleichzeitig vermitteln auch die Nebendarsteller den Fanatismus seiner engsten Vertrauten absolut realistisch, sodass das Publikum den Untergang herannahen sieht. Durch die direkte Einbeziehung von Zeitzeugen, mitsamt im Film enthaltenen Interview-Ausschnitten, stützt sich das Werk auf ein historisches Fundament, um die letzten Tage im Bunker akkurat nachzuzeichnen. | © Constantin Film Produktion
4. Gegen die Wand (2004)
Gegen die Wand ist streng genommen kein Einzelwerk, sondern der erste Teil der gefeierten Liebe, Tod und Teufel-Trilogie des deutsch-türkischen Regisseurs Fatih Akin. Trotz dieses Zusammenhangs stet das Werk durch seine hochemotionale, in sich geschlossene Geschichte komplett für sich. Der Film bricht radikal mit alten Erzählmustern des „Migrantenkinos“, indem er nicht wie üblich den Fokus auf den Konflikt mit der Mehrheitsgesellschaft legt; stattdessen beleuchtet er die inneren Widersprüche, Zwänge und den radikalen Freiheitsdrang der Figuren innerhalb ihrer eigenen Kultur aus einer konsequenten Innenperspektive. Man merkt in jeder Sekunde, dass für die Protagonisten Deutschland kein Sehnsuchtsort und die Türkei kein fremdes Urlaubsland ist. Viel mehr gehören beide Räume zu ihrer gelebten, ungeschönten Realität. | © Wüste Filmproduktion
3. Das Leben der Anderen (2006)
Das deutsche Kino wurde nach der Wende von einer regelrechten Ostalgie-Welle überrollt - bis Das Leben der Anderen damit aufräumte. Der Oscar-prämierte Film thematisiert dabei nicht nur die Machenschaften des Regimes und die ständige Paranoia, sondern wird auch von einer hoffnungsvollen Note begleitet: So zeigt er nämlich, wie sich durch Kunst selbst ein ideologisch verblendetes Herz erweichen lässt. Die klaustrophobische Atmosphäre und die gedeckten Töne der DDR-Farbpalette fangen dabei das Lebensgefühl in einem Überwachungsstaat gekonnt ein. Eine echte Seltenheit ist zudem, dass sich die Top-Schauspieler aufgrund des geringen Budgets davon überzeugen ließen, weit unter den marktüblichen Gagen zu arbeiten - sie wollten nämlich das Drehbuch unbedingt verfilmen. | © Wiedemann & Berg Filmproduktion
2. Toni Erdmann (2016)
Deutsches Autorenkino hatte den Ruf, gern etwas angestaubt daherzukommen; weswegen die bissige Tragikomödie Toni Erdmann gerade recht kam, um dem künstlerischen Ansatz neues leben einzuhauchen. Die Handlung passt dabei auf einen Bierdeckel: Vater Winfried spielt Unternehmenscoach, indem er in die Rolle seines alter-Ego „Toni Erdmann“ schlüpft. Mit schlechter Perücke und falschem Gebiss will er dabei zu seiner karrierefixierten Tochter Ines durchdringen. Der Film funktioniert dabei in etwa so, als hätte man Severance als Komödie inszeniert; samt absurder Firmenkultur und geteilter Persönlichkeit. Das absolute Highlight ist dabei eine Teambuilding-Party, welche Ines als Revolte gegen den Dresscode komplett im Adamskostüm abhält. | © Komplizen Film
1. Im Westen nichts Neues (2022)
Im Westen nichts Neues schlägt eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart, da der Film auf einem der bedeutendsten Antikriegsromane der Weltliteratur basiert, während seine Darstellung der Entmenschlichung nach wie vor hochaktuell ist. Dabei weicht er bewusst von der Vorlage ab, indem er eine neue Handlungsebene um den Politiker Matthias Erzberger ergänzt. Dieser führt Verhandlungen über einen Waffenstillstand im Wald von Compiègne, wodurch er eine politische Perspektive beisteuert, die den letzten verzweifelten Sturmangriff der Deutschen umso dramatischer macht. Dieser kostet schlußendlich auch dem Protagonist Paul Bäumer das Leben, der im übertragenen Sinne als Spielball der Mächtigen nackt und hilflos im Krieg zurückgelassen wurde. Doch schon lange bevor die Generäle ihn verheizen, merkt man mit jeder Minute, wie sich langsam der Schatten der emotionalen Taubheit über ihn legt. | © Amusement Park Film GmbH
15 deutsche Filme, welche die Kinolandschaft für immer veränderten
Das war also ein Streifzug durch über hundert Jahre deutscher Filmgeschichte. Jedes einzelne Werk beleuchtete dabei eine andere spannende Facette kultureller Identität - von den Anfängen während der Weimarer Republik bis hin zum modernen deutschen Kino.
Falls euch manche der Filme noch nicht genug auf die Tränendrüse gedrückt haben, haben wir noch Deutsche Emotionen: Die traurigsten Filme made in Germany.
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