Er spielte Magneto und Gandalf, doch seine stärkste Figur ist er selbst.
Heute, am 25. Mai 2026, feiert Sir Ian McKellen seinen 87. Geburtstag. Geboren wurde er 1939 in Burnley, Lancashire, aufgewachsen ist er in Wigan und Bolton. Heute gehört er zu den größten britischen Schauspielern der Gegenwart – ein Mann, der Shakespeare, Fantasy-Blockbuster, Superheldenkino und politisches Engagement auf eine Weise verbindet, wie es nur wenigen gelingt.
Vor Zauberern und Schurken
McKellens Liebe zur Bühne begann früh. Schon in der Schule spielte er Theater, später studierte er an der University of Cambridge. Seit den frühen 1960er-Jahren arbeitete er nahezu ununterbrochen im britischen Theater, unter anderem mit der Royal Shakespeare Company und dem National Theatre. Dort wurde er zu einem der großen Shakespeare-Darsteller seiner Generation mit Rollen wie Macbeth, Richard III. und König Lear.
Lange bevor ihn ein weltweites Kinopublikum als Gandalf kannte, war McKellen also bereits eine Theaterlegende. Seine Karriere wurde nie nur durch Prominenz definiert, sondern durch Handwerk: Stimme, Präsenz, Timing, Textverständnis. Er war einer dieser Schauspieler, bei denen man spürt, dass jedes Wort eine Geschichte hat. Genau deshalb konnte er später auch im Kino Figuren prägen, die leicht zur reinen Maske hätten werden können.
International sichtbar wurde McKellen unter anderem mit Richard III., einer modernen Verfilmung des Shakespeare-Stoffs, und mit Gods and Monsters, für den er eine Oscar-Nominierung erhielt. In dem Film spielte er den Regisseur James Whale, den Schöpfer des klassischen Frankenstein-Kinos. Schon diese Rolle zeigte, was McKellen besonders gut kann: Menschen spielen, die nach außen kontrolliert wirken, innerlich aber voller Brüche sind.
Ein Mutant mit Anziehungskraft
Ab 2000 wurde er dann endgültig zur Popkultur-Ikone. In X-Men spielte er Magneto, einen der komplexesten Bösewichte des Superheldenkinos. Magneto war bei McKellen nie einfach nur ein Schurke mit magnetischen Fähigkeiten: Er war ein Mann, der Verfolgung erlebt hatte und daraus eine radikale Ideologie entwickelte. Gerade durch McKellens Würde und Härte wurde die Figur so stark.
Nur kurz darauf kam die Rolle, mit der ihn ganze Generationen verbinden: Gandalf in Der Herr der Ringe. Später kehrte er auch für Der Hobbit zurück. Als Gandalf wurde McKellen in sechs Filmen zum moralischen Zentrum von Mittelerde: streng, warm, humorvoll, geheimnisvoll – und in den entscheidenden Momenten überwältigend.
Daneben blieb er immer vielseitig. Er spielte in Der Da Vinci Code – Sakrileg, war in Mr. Holmes als gealterter Sherlock Holmes zu sehen und stand für Der gute Lügner – Das alte Böse vor der Kamera. Doch so groß seine Kinokarriere wurde: McKellen blieb im Kern immer ein Theatermensch. Noch im hohen Alter kehrte er regelmäßig auf die Bühne zurück. 2026 wurde bekannt, dass er am neu eröffneten Yard Theatre in London erneut König Lear spielen soll – seine erste große Bühnenrolle nach einem Sturz während einer Vorstellung im Jahr 2024.
Ehrlichkeit und Stärke
Genauso prägend wie seine Karriere ist sein politisches und soziales Engagement. 1988 outete sich McKellen öffentlich als schwul – in einer Zeit, in der das für Schauspieler noch deutlich riskanter war als heute. Der Anlass war sein Protest gegen die britische Section 28, ein Gesetz, das lokalen Behörden die sogenannte "Förderung" von Homosexualität untersagte. Für McKellen wurde dieses Coming-out zu einem Wendepunkt: Er sagte später, sein Leben und seine Arbeit seien dadurch ehrlicher geworden.
1989 gehörte er zu den Mitgründern von Stonewall, einer der wichtigsten LGBTQ+-Organisationen Großbritanniens. Die Grundzüge der Organisation wurden laut Stonewall sogar bei einem Treffen in McKellens Haus in Limehouse entworfen. Seither setzt er sich seit Jahrzehnten für Gleichberechtigung, Sichtbarkeit und Schutz queerer Menschen ein.
Sein Engagement blieb nie nur symbolisch. McKellen unterstützte Pride-Veranstaltungen, LGBTQ+-Jugendorganisationen, Bildungsprojekte und Initiativen gegen Homophobie. Er ist unter anderem mit Organisationen wie LGBT History Month, FFLAG, der LGBT Foundation und dem Albert Kennedy Trust verbunden, der sich für junge LGBTQ+-Menschen in schwierigen Lebenssituationen einsetzt.
Auch sozial engagierte er sich immer wieder über LGBTQ+-Themen hinaus. Er unterstützte etwa Age UK, wohltätige Theaterprojekte, Kinderhilfsorganisationen und Initiativen für junge Menschen. Dabei fällt auf: McKellens Engagement ist eng mit seiner Vorstellung von Kultur verbunden. Theater ist für ihn nicht nur Unterhaltung, sondern ein öffentlicher Ort, an dem Menschen zusammenkommen, sich sehen und ernst genommen werden.
Künstler durch und durch
Erst vor wenigen Tagen, im Mai 2026, eröffnete McKellen in Horden, County Durham, einen neuen Theaterraum für Ensemble 84. Dort sprach er emotional über die Bedeutung professioneller Ensembles und darüber, wie Theater auch wirtschaftlich und gesellschaftlich Leben in eine Gemeinde zurückbringen kann. Das passt perfekt zu ihm: Selbst mit 87 denkt Ian McKellen nicht nur an die großen Bühnen, sondern auch daran, was Schauspiel für Menschen vor Ort bedeuten kann.
An seinem 87. Geburtstag steht Ian McKellen deshalb für eine außergewöhnliche Laufbahn. Er ist Shakespeare-Darsteller, Fantasy-Legende, Superhelden-Antagonist, Oscar-nominierter Charakterdarsteller und Aktivist. Er hat Magneto Menschlichkeit gegeben, Gandalf Wärme und Autorität, und dem britischen Theater über Jahrzehnte eine seiner stärksten Stimmen.
Vor allem aber ist Ian McKellen ein Künstler mit Haltung. Einer, der nicht nur Rollen gespielt, sondern Öffentlichkeit genutzt hat. Für Sichtbarkeit. Für Gleichberechtigung. Für Kultur. Und für die Idee, dass ein Schauspieler mehr sein kann als jemand, der Texte spricht: nämlich jemand, der Menschen Mut macht, selbst sichtbar zu werden.
