"Deutschrap ist fresher denn je" – auch wenn einige ihre Probleme mit dem frischen Wind haben.
Deutschrap: Das sind grimmig dreinblickende Typen, große Autos, teurer Schmuck und Frauen irgendwo am Rande als Deko-Objekt... zumindest war das mal so. Inzwischen hat sich das Bild auf die Szene – zum Glück – stark verändert und tut es immer weiter.
Und auch wenn in der Szene genau wie der restlichen Gesellschaft noch einige an veralteten Rollenbildern und eingestaubten Stereotypen festhalten wollen, ist der Wandel über Kurz oder Lang nicht aufzuhalten. Ikkimel ist eine der wohl aktuell wichtigsten, treibenden Kräfte dieser Entwicklung.
Vom Aufbrechen und Verdrehen von Rollenbildern
Die in Berlin-Tempelhof geborene nutzt Provokation und bewusste Selbstdarstellung als künstlerisches Mittel, um das festgefahrene Mindset innerhalb Deutschraps aufzubrechen. Während Rap lange von hypermaskulinen Inszenierungen, Sexismus und klar definierten Geschlechterrollen geprägt war, dreht sie diese Mechanismen um: Sie überzeichnet Klischees, spielt offensiv mit Sexualität, Körperbildern und Machtverhältnissen und eignet sich Ausdrucksformen an, die Frauen im Rap traditionell abgesprochen wurden.
Sowohl in ihrer Musik als auch auf Social Media inszeniert sich Ikkimel selbstbestimmt, laut und widersprüchlich – und verweigert damit Erwartungen an weibliche Zurückhaltung oder Anpassung. Gerade durch diese kalkulierte Provokation schafft sie Sichtbarkeit für Perspektiven, die im Deutschrap lange marginalisiert wurden. Ihr Auftreten wirkt dadurch nicht nur als Gegenentwurf zu bestehenden Strukturen, sondern bringt auch neuen kreativen und gesellschaftlichen Impuls in die Szene.
Indem sie Themen wie Identität, Selbstermächtigung und sexuelle Freiheit offen verhandelt, öffnet Ikkimel Rap zugleich für Personengruppen, die sich zuvor kaum repräsentiert fühlten. Besonders Frauen sowie Mitglieder der LGBTQ+-Community finden in ihrer Kunst eine Form von Zugang und Identifikation in einem Genre, das noch immer mit Diskriminierung und Ausschlüssen zu kämpfen hat. So trägt sie dazu bei, Deutschrap diverser, zugänglicher und kulturell beweglicher zu machen.
Deutschraps finest
Damit ist sie absolut nicht die einzige; So hatte sich Schwesta Ewa schon vor Jahren in der Riege des gefeierten Gangster- und Straßenraps etabliert – sich genau wie Loredana allerdings strafrechtlich alles andere als mit Ruhm bekleckert, Éasy und Vita zu VBT-Zeiten schon bewiesen, dass Battlerap kein reines Männerphänomen ist und Katja Krasavice sich mit Provokation und Skandalen auch schon irgendwie zwischen Trash TV und Deutschrap festgesetzt.
Doch Ikkimel gelingt es durch eine ganz eigene Art und ihren persönlichen Stil viele engstirnige Rapper und Fans noch weiter aus ihrer Reserve zu locken – da wo sich diese Menschen auf den Schlips getreten fühlen, fängt Ikkimel erst an. Das kann man mögen oder nicht – aufhalten kann man es auf keinen Fall.