Sean Connery wäre heute 96: Erst Sargpolierer und Nacktmodell - dann erster Kino-James-Bond

Er prägte Hollywood und besonders James Bond wie wenig andere, doch seine Legacy hat auch ihre Risse,

Sean Connery 01 Buena Vista
Ein Garant für Hollywood-Gold – wenn auch kontrovers. | © Buena Vista

Bevor Sean Connery im Smoking als James Bond zum Weltstar wurde, polierte er Särge, lieferte Milch aus und posierte nackt für Kunststudenten. Eine professionelle Schauspielkarriere war lange überhaupt nicht vorgesehen. Stattdessen hätte der Schotte beinahe sogar versucht, sein Geld als Fußballer zu verdienen. Am Ende wurde er zum ersten James Bond des Kinos, gewann einen Oscar und prägte eine der berühmtesten Figuren der Filmgeschichte. Heute, am 25. August 2026, wäre Sir Sean Connery 96 Jahre alt geworden.

Thomas Sean Connery wurde am 25. August 1930 im Arbeiterviertel Fountainbridge in Edinburgh geboren. Sein Vater Joseph arbeitete unter anderem als Lastwagenfahrer und Fabrikarbeiter, seine Mutter Euphemia als Reinigungskraft. Die Familie lebte in einfachen Verhältnissen. Connery wurde in seiner Jugend zunächst Tommy genannt und wuchs weit entfernt von der eleganten Welt auf, mit der er später als Geheimagent 007 verbunden werden sollte.

Vom Milchmann zur Royal Navy

Schon früh musste Connery selbst Geld verdienen. Als Junge lieferte er Milch aus. Mit 16 Jahren trat er in die Royal Navy ein und wurde unter anderem an einer Marinegeschützschule ausgebildet. Aus dieser Zeit stammten auch zwei Tätowierungen, die viel über ihn aussagten: Eine erinnerte an seine Eltern, die andere trug die Worte Scotland Forever.

Eine langfristige Karriere bei der Marine wurde daraus jedoch nicht. Connery musste den Dienst im Alter von 19 Jahren aus gesundheitlichen Gründen beenden. Er litt an einem Zwölffingerdarmgeschwür – einem gesundheitlichen Problem, das auch bei anderen Männern seiner Familie aufgetreten war.

Zurück in Edinburgh begann eine Phase, in der Connery praktisch jeden Job annahm, mit dem sich Geld verdienen ließ. Er arbeitete als Lastwagenfahrer, Bademeister, Bauarbeiter und in weiteren körperlich anstrengenden Berufen. Zwei seiner Tätigkeiten wirken rückblickend besonders ungewöhnlich.

Sean Connery polierte tatsächlich Särge

Bevor er einer der bestbezahlten Schauspieler der Welt wurde, arbeitete Sean Connery zeitweise als Sargpolierer. Dabei war er an der Bearbeitung beziehungsweise Politur von Särgen beteiligt – einer von zahlreichen Jobs, mit denen sich der junge Schotte über Wasser hielt. Sowohl das British Film Institute als auch Nachrufe auf Connery führen diese Tätigkeit in seiner Biografie ausdrücklich auf.

Dass ein Mann, der später als Inbegriff von Eleganz, Luxus und weltmännischem Auftreten galt, seine berufliche Laufbahn unter anderem zwischen Baustellen und Särgen begann, gehört zu den ungewöhnlichsten Gegensätzen seiner Lebensgeschichte.

Auch als Nacktmodell verdiente er Geld

Noch bemerkenswerter war ein weiterer Nebenjob. Connery arbeitete als Modell für Studenten des Edinburgh College of Art und posierte dabei auch nackt. Seine kräftige, durchtrainierte Statur machte ihn zu einem geeigneten Aktmodell. Berichten zufolge verdiente er mit dem Modellstehen 15 Schilling pro Stunde.

Der spätere Künstler und Galerist Richard Demarco gehörte damals zu den Studenten, die Connery zeichneten beziehungsweise malten. Jahrzehnte später erinnerte er sich an einen eher schüchternen jungen Mann mit außergewöhnlichem Aussehen und verglich dessen Erscheinung mit der eines Adonis.

Das Aussehen, das ihm beim Kunststudium Geld einbrachte, wurde schließlich auch für einen anderen Karriereweg wichtig.

Bodybuilding brachte ihn der Schauspielerei näher

Connery begann intensiv zu trainieren und beschäftigte sich mit Bodybuilding. Anfang der 1950er-Jahre nahm er sogar an einem Mr.-Universe-Wettbewerb teil. Über seine genaue Platzierung existieren unterschiedliche Angaben, sicher ist jedoch, dass Connery bei Bodybuilding-Wettbewerben antrat und seine auffällige körperliche Erscheinung ihm berufliche Möglichkeiten eröffnete.

Bei einem Wettbewerb in London erfuhr er von Vorsprechen für das Musical South Pacific. Connery bewarb sich und erhielt zunächst eine kleine Rolle im Ensemble. Aus einem Nebenjob wurde schrittweise ein ernsthaftes Interesse an der Bühne.

Während dieser Zeit lernte er auch Michael Caine kennen. Zwischen den beiden entwickelte sich eine jahrzehntelange Freundschaft. Später sollten sie gemeinsam für Der Mann, der König sein wollte vor der Kamera stehen.

Beinahe hätte Connery stattdessen Fußball gespielt

Schauspiel war allerdings nicht die einzige mögliche Zukunft. Connery war ein talentierter Fußballer und spielte in seiner Jugend unter anderem für Bonnyrigg Rose. Während seiner Zeit bei South Pacific soll Manchester-United-Trainer Matt Busby ihn bei einem Spiel gesehen und ihm einen Vertrag angeboten haben.

Connery entschied sich dagegen. Ihm wurde bewusst, dass die Karriere eines Profifußballers vergleichsweise kurz sein konnte. Die Schauspielerei erschien ihm langfristig als die bessere Möglichkeit.

Rückblickend war es eine Entscheidung mit Folgen für die gesamte Filmgeschichte.

Er musste sich Schauspiel praktisch selbst beibringen

Connery hatte keine klassische Ausbildung an einer berühmten Schauspielschule absolviert. Stattdessen begann er, intensiv an sich selbst zu arbeiten. Der Schauspieler Robert Henderson, den er während seiner Theaterzeit kennenlernte, ermutigte ihn, sich ernsthafter mit dem Beruf auseinanderzusetzen.

Connery las Shakespeare, Ibsen, Tolstoi, Proust und andere Autoren, nahm Sprechunterricht und versuchte, seine Stimme und Bühnenpräsenz weiterzuentwickeln. Es folgten kleinere Theater-, Fernseh- und Filmrollen.

Sein schottischer Akzent und sein körperliches Erscheinungsbild waren dabei zunächst nicht immer von Vorteil. Connery erinnerte sich später daran, dass er in London häufig als zu groß, zu schottisch oder zu fremdländisch für bestimmte Rollen betrachtet wurde.

Dann wurde ausgerechnet für eine Rolle ein Mann gesucht, der anders wirkte als der klassische englische Gentleman.

1962 wurde aus Sean Connery James Bond

Die Produzenten Albert R. Broccoli und Harry Saltzman suchten Anfang der 1960er-Jahre einen Hauptdarsteller für die geplante Verfilmung der James-Bond-Romane von Ian Fleming. Connery gehörte zunächst keineswegs zu den offensichtlichen Kandidaten.

Auch Fleming selbst soll von der Besetzung anfangs wenig begeistert gewesen sein. Der kräftige Schotte erschien ihm nicht elegant und kultiviert genug für den britischen Geheimagenten. Gerade diese Mischung aus Härte, Selbstbewusstsein und körperlicher Präsenz überzeugte jedoch die Produzenten.

Regisseur Terence Young half Connery zusätzlich dabei, die elegantere Seite Bonds zu entwickeln. Er arbeitete mit ihm an Auftreten, Kleidung, Bewegung und Umgangsformen. Der ehemalige Milchmann, Sargpolierer und Aktmodell lernte, sich auf der Leinwand wie ein Mann zu bewegen, der in Luxushotels ebenso selbstverständlich zu Hause war wie in einem Kampf auf Leben und Tod.

1962 erschien James Bond 007 jagt Dr. No. Sean Connery wurde damit zum ersten Schauspieler, der James Bond in einem Kinofilm verkörperte. Der Erfolg veränderte sein Leben innerhalb kürzester Zeit.

Connery definierte, wie James Bond auszusehen hatte

Es folgten Liebesgrüße aus Moskau, Goldfinger, Feuerball und Man lebt nur zweimal. Innerhalb weniger Jahre wurde James Bond zu einem weltweiten Phänomen – und Connery zu einem der berühmtesten Schauspieler der Welt.

Seine Version von 007 verband Eleganz mit Härte. Connery konnte in einem Moment charmant und humorvoll wirken und im nächsten gefährlich. Gerade diese Mischung prägte das Bild der Figur für Jahrzehnte.

Nach Man lebt nur zweimal hatte Connery allerdings genug. Er fühlte sich zunehmend auf Bond reduziert und stieg aus. Für Im Geheimdienst Ihrer Majestät übernahm George Lazenby die Rolle.

Doch schon 1971 kehrte Connery noch einmal für Diamantenfieber zurück. Die Produzenten zahlten ihm dafür eine außergewöhnlich hohe Gage. Einen erheblichen Teil des Geldes nutzte Connery für den Scottish International Education Trust, den er mitgegründet hatte und der jungen Schotten bessere Bildungs- und Ausbildungsmöglichkeiten ermöglichen sollte.

Gentleman oder Frauenschläger?

Ganz so Gentleman-Like schien Connery jedoch nicht immer. Im Laufe seines Lebens kamen immer wieder kontroversen auf, die sich unter anderem um häusliche Gewalt und Gewalt gegen Frauen im Allgemeinen drehten.

So hatte der Schauspieler in einem Interview mal gesagt, eine Ohrfeige für eine Frau sei unter Umständen ein angebrachtes Mittel und auch seine erste Ehefrau Diane Cilento sprach mehrfach von der Übergriffigkeit Connerys. Einen berechtigten Fleck erhielt seine zuvor weiße Weste also schon, doch für die meisten schien diese vom Bond-Smoking gut verdeckt werden zu können.

Sag niemals nie: Zwölf Jahre später war er wieder 007

Eigentlich sollte Diamantenfieber sein endgültiger Abschied sein. Doch der Titel seines späteren Bond-Comebacks hätte kaum passender sein können.

1983 spielte Connery in Sag niemals nie noch einmal James Bond. Der Film gehörte nicht zur offiziellen Eon-Reihe und war eine neue Version der Geschichte von Feuerball. Connery war mittlerweile 53 Jahre alt. Es blieb sein siebter und letzter Auftritt als 007.

Damit spielte er Bond über einen Zeitraum von mehr als 20 Jahren. Obwohl später George Lazenby, Roger Moore, Timothy Dalton, Pierce Brosnan und Daniel Craig ihre eigenen Versionen der Figur entwickelten, blieb Connery für viele Zuschauer der Maßstab, an dem jeder neue Bond gemessen wurde.

Er wollte nie nur James Bond sein

Connery selbst hatte allerdings früh erkannt, dass der enorme Erfolg auch eine Gefahr darstellte. Schon während seiner Bond-Jahre übernahm er bewusst andere Rollen. 1964 spielte er beispielsweise in Alfred Hitchcocks Marnie.

Nach seinem ersten Bond-Abschied konnte er seine Karriere zunehmend verbreitern. In John Hustons Der Mann, der König sein wollte spielte er gemeinsam mit Michael Caine, in Robin und Marian verkörperte er einen gealterten Robin Hood an der Seite von Audrey Hepburn.

In den 1980er-Jahren begann schließlich eine zweite große Phase seiner Karriere.

Als Mönch wird er Liebling, als Polizist Oscargewinner

1986 übernahm Connery die Rolle des William von Baskerville in der Verfilmung von Umberto Ecos Der Name der Rose. Als mittelalterlicher Mönch untersucht er darin gemeinsam mit seinem jungen Begleiter Adson eine Reihe mysteriöser Todesfälle in einem Kloster.

Im selben Jahr war er als Juan Sánchez-Villalobos Ramírez in Highlander – Es kann nur einen geben zu sehen. Obwohl seine Rolle vergleichsweise klein war, wurde die Figur zu einem der bekanntesten Bestandteile des späteren Kultfilms.

Connery hatte damit endgültig bewiesen, dass seine Karriere nicht mit James Bond enden musste.

1987 folgte schließlich die wichtigste Schauspielauszeichnung seiner Karriere. In Brian De Palmas Gangsterfilm The Untouchables – Die Unbestechlichen spielte Connery den erfahrenen Polizisten Jim Malone, der Kevin Costners Eliot Ness im Kampf gegen Al Capone unterstützt.

Für seine Darstellung gewann Sean Connery 1988 den Oscar als bester Nebendarsteller. Es blieb der einzige Academy Award seiner Karriere.

Bemerkenswert war dabei, wie weit Connery inzwischen von seiner ursprünglichen Bond-Rolle entfernt war. Statt des jungen, eleganten Geheimagenten spielte er nun ältere Mentoren, Väter, Könige und Autoritätspersonen – ohne seine Leinwandpräsenz zu verlieren.

Schottland blieb ein zentraler Teil seines Lebens

Trotz seiner jahrzehntelangen internationalen Karriere verstand sich Connery stets demonstrativ als Schotte. Er unterstützte die Scottish National Party und setzte sich öffentlich für die Unabhängigkeit Schottlands ein. Seine Tätowierung Scotland Forever aus der Zeit bei der Royal Navy passte damit auch Jahrzehnte später noch zu seinem politischen Selbstverständnis.

Gleichzeitig lebte Connery viele Jahre außerhalb Schottlands, unter anderem in Spanien und auf den Bahamas. Kritiker warfen ihm deshalb vor, sich politisch für die schottische Unabhängigkeit einzusetzen, ohne dauerhaft selbst im Land zu leben. Connery erklärte wiederum, im Falle der Unabhängigkeit nach Schottland zurückkehren zu wollen.

Im Jahr 2000 wurde er von Königin Elisabeth II. zum Ritter geschlagen. Die Zeremonie fand passend zu seiner starken Verbindung zur Heimat im Holyrood Palace in Edinburgh statt. Seitdem durfte er offiziell den Titel Sir Sean Connery tragen.

Sein letzter großer Film brachte ihn zum Rückzug

2003 übernahm Connery als Abenteurer Allan Quatermain die Hauptrolle in Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen. Die Produktion verlief schwierig, und Connery äußerte sich später ausgesprochen negativ über seine Erfahrungen während des Projekts.

Danach zog er sich weitgehend aus der Filmschauspielerei zurück. Angebote für weitere große Produktionen lehnte er ab. Selbst für einen erneuten Auftritt als Henry Jones im vierten Indiana-Jones-Film kehrte er nicht zurück.

Connery hatte inzwischen mehrere Jahrzehnte lang genau das erreicht, was zu Beginn seiner Karriere keineswegs selbstverständlich gewesen war: Er hatte die Figur, die ihn weltberühmt gemacht hatte, überlebt und sich eine zweite Identität als Charakterdarsteller aufgebaut.

2020 starb Sean Connery im Alter von 90 Jahren

Am 31. Oktober 2020 starb Sean Connery im Alter von 90 Jahren in seinem Haus auf den Bahamas. Seine Familie teilte mit, dass er friedlich im Schlaf gestorben sei. Seine Frau Micheline Roquebrune erklärte später, dass Connery in seinen letzten Lebensjahren an Demenz gelitten hatte.

Auf seiner Sterbeurkunde wurden unter anderem Atemversagen infolge einer Lungenentzündung sowie Vorhofflimmern und sein hohes Alter genannt.

Seine Asche wurde später entsprechend seinem Wunsch in Schottland verstreut.

Vom Aktmodell zur Filmikone

Heute, am 25. August 2026, wäre Sean Connery 96 Jahre alt geworden. Mehr als sechs Jahrzehnte sind vergangen, seit er erstmals im Smoking auf der Kinoleinwand erschien und sich als James Bond vorstellte.

Die Rolle machte ihn unsterblich – aber seine Biografie ist gerade deshalb bemerkenswert, weil sie lange überhaupt nicht nach Hollywood aussah.

Connery kam aus einfachen Verhältnissen in Edinburgh. Er lieferte Milch aus, ging zur Marine, arbeitete auf Baustellen und als Bademeister. Er polierte Särge. Er stand nackt vor Kunststudenten Modell. Er trainierte als Bodybuilder und hätte beinahe versucht, Profifußballer zu werden. Erst danach führte ihn sein Weg auf die Theaterbühne und schließlich vor die Kamera.

1962 wurde aus diesem Mann der erste James Bond des Kinos.

Doch Connery blieb nicht nur 007. Mit Der Name der Rose, Highlander – Es kann nur einen geben, The Untouchables – Die Unbestechlichen, Indiana Jones und der letzte Kreuzzug und Jagd auf Roter Oktober schuf er sich lange nach seinem ersten Bond-Auftritt eine zweite Karriere. Für The Untouchables – Die Unbestechlichen erhielt er schließlich sogar den Oscar.

Dass einer der berühmtesten Männer im Smoking seine Laufbahn als Milchmann, Nacktmodell und Sargpolierer begann, gehört bis heute zu den außergewöhnlichsten Aufstiegsgeschichten Hollywoods.

Daniel Fersch

Daniel schreibt über so ziemliches alles, was mit Games, Serien oder Filmen und (leider) auch fragwürdigen Streamern zu tun hat – insbesondere, wenn es dabei um Nintendo, Dragon Ball, Pokémon oder Marvel geht....