Jeder kennt den Moment, in dem man in einem Spiel nicht mehr weiterkommt. Die Frage ist nur, ob die Lösung darin liegen sollte, dass das Spiel dann selbst übernimmt.
Ein Boss, der nicht zu besiegen ist. Ein Level, das immer wieder scheitert. Künftig könnte genau in solchen Momenten nicht der Spieler besser werden, sondern das Spiel selbst übernehmen.
Der Geist im Spiel
Einem Report von VGC zufolge hat Sony ein Patent für sogenannte KI-Geister eingereicht, das neue Formen der spielinternen Unterstützung beschreibt. Das Patent wurde ursprünglich im September 2024 angemeldet, erhielt jedoch erst in dieser Woche größere Aufmerksamkeit, nachdem die World Intellectual Property Organization einen internationalen Statusbericht dazu veröffentlicht hat. Die darin beschriebenen KI-Geister sollen Spielern künftig die Möglichkeit geben, Hinweise zu erhalten, wenn sie an einer Stelle nicht weiterkommen, oder die jeweilige Herausforderung sogar vollständig von einer künstlichen Intelligenz bewältigen zu lassen.
Die KI-Geister würden dabei nicht einfach darauf programmiert, bestimmte Tastenfolgen zu wiederholen, sondern anhand von echtem Gameplay trainiert werden. Sie sollen also tatsächlich lernen, wie ein Spiel funktioniert, um Spielern möglichst gezielt weiterhelfen zu können.
Wenn Hilfe zur Abkürzung wird
Unabhängig davon wirft das Patent jedoch eine grundsätzliche Frage auf: Welche Rolle soll künstliche Intelligenz künftig im Spieldesign spielen? Denn es würde einen Trend weiterführen, der sich seit Jahren durch das Gaming zieht, Spiele immer leichter und zugänglicher zu machen.
Grundsätzlich ist es nichts Schlechtes, Spiele für mehr Menschen attraktiv zu gestalten. Ausführliche Quality-of-Life-Features oder verständliche Tutorials sind Bereicherungen für nahezu jedes Spiel. Problematisch wird es jedoch dort, wo die zentrale Herausforderung eines Videospiels so weit entschärft wird, dass sie unabhängig von Einsatz oder Lernbereitschaft bewältigt werden kann. Das ist eine Design-Entscheidung, die ich nicht mehr gutheißen kann.
Genau an diesem Punkt wird die Perspektive eines KI-Assistenten in Videospielen problematisch. Wenn eine KI dem Spieler Zusammenhänge nicht erklärt oder Fähigkeiten aufbaut, sondern Aufgaben schlicht löst, verschiebt sich der Fokus. Gaming bedeutet dann nicht mehr, eine Herausforderung zu meistern, sondern lediglich, weiterzukommen.
Das steht für mich im direkten Widerspruch zu dem, was Gaming eigentlich ausmacht. Die Motivation, an einer Aufgabe zu scheitern, daraus zu lernen und sie schließlich zu überwinden. Das Gefühl, einen schwierigen Boss nach dutzenden Versuchen endlich zu besiegen, ist kein Hindernis des Spiels, sondern sein Kern.
KI-Assistenten können dennoch sinnvoll sein, gerade auch in kompetitiven Spielen. Ihr Potenzial liegt jedoch nicht darin, Aufgaben zu übernehmen, sondern darin, als eine Art Trainer zu fungieren. Fehler aufzuzeigen, Entscheidungen zu erklären und Wege zur Verbesserung vorzuschlagen, würde Spieler stärken, statt sie zu entlasten.
Bis jetzt ist das jedoch alles noch Zukunftsmusik. Ob und wie das Patent tatsächlich in Sonys zukünftige Spiele implementiert wird, bleibt abzuwarten. Dass künstliche Intelligenz jedoch eine große Rolle in der Zukunft des Gamings spielen wird, ist kaum zu bezweifeln. Entscheidend ist dabei, in welcher Form das geschieht. Spiele dürfen fordern, überfordern und frustrieren, denn gerade darin liegt ihr Reiz. Wenn KI im Spieldesign eine Zukunft haben soll, dann nicht als Abkürzung zum Ziel, sondern als Werkzeug, das den Weg dorthin verständlicher macht.
Wie seht ihr das? Schreibt es uns in die Kommentare!