Den Menschen, denen das bisherige Urteil zu milde erschien, hat der Verurteilte selbst damit wohl einen Gefallen getan.
Noch vor wenigen Tagen zeigte sich das Internet erschüttert über das erschreckend milde Urteil, welches ein südkoreanischer Richter im Somali-Prozess gefällt hatte, da sorgt der verurteilte Johnny Somali nicht nur erneut für Aufsehen – sondern eventuell auch dafür, dass seine finale Strafe doch deutlich härter ausfallen könnte.
Das Somali-Chaos in Südkorea
Seit fast 2 Jahren treibt der Streamer Ramsey Khalid Ismael – im Internet besser bekannt als Johnny Somali – in Südkorea sein Unwesen. Seine Untaten reichen von der Entweihung eines Denkmals für sexuell ausgebeutete Frauen über die Verbreitung von obszönen Deepfake-Videos einer anderen Streamerin bis hin zur sexuellen Belästigung Minderjähriger. All das, um im Internet ein wenig Aufmerksamkeit zu erhaschen.
Lange Zeit war unklar, ob und wann Somali dafür endlich die Konsequenzen tragen müsste, nicht nur, weil die Abwicklung solcher Prozesse in Südkorea oftmals sehr anders läuft, als international, sondern auch, weil das Justizsystem vor Ort sich viel Zeit damit ließ, Somali vor Gericht zu zitieren.
Die einen sahen darin Teil einer vorgezogenen Strafe – denn in Südkorea sieht man den psychischen Stress der mit einem solchen Prozess einhergeht als Teil der Bestrafung an – innerhalb welcher Somali sein Dasein ohne Papiere und die Möglichkeit auf Flucht in Südkorea fristen musste, andere gingen davon aus, dass Somali sich unantastbar fühlte, weil er sich trotz allem weiterhin frei bewegen durfte und Livestreams mit weiteren Untaten veröffentlichte.
Das erschreckend milde Urteil
Als vor wenigen Tagen nun das Urteil gesprochen wurde, waren Beobachter und Kritiker mehr als schockiert: Denn während teilweise von bis zu 29 Jahren Haft die Rede war, legte der Richter sich letztendlich auf nur 6 Monate Gefängnis und eine Registrierung als Sexualstraftäter für 5 Jahre fest.
Erstaunlicherweise schienen aber nicht nur jene, die Somali eine höhere Strafe gewünscht hätten damit unzufrieden, sondern auch der Streamer selbst. Der legte nun nämlich Berufung gegen das Urteil ein – und könnte sich damit einen gewaltigen Bärendienst erwiesen haben.
Offenbar versteht der Verurteilte nicht wirklich, was diese Berufung für ihn bedeutet: während Somali ursprünglich für 20 Tage in das Seoul Nambu Detention Center gebracht werden sollte, bevor er seine 6-monatige Haft antreten würde, wird er nun wohl im Detention Center verbleiben, bis der Prozess neuaufgerollt wird. Und genau darin liegt das Problem für ihn.
Somali verschlimmert seine eigene Situation
Denn die Situation in solche Haftanstalten sind laut Augenzeugenberichten, die unter anderem YouTube-Anwalt Andrew Esquire vorgelegt wurden, alles andere als luxuriös. Einerseits, weil man dort gemeinsam mit unterschiedlichsten anderen (Gewalt-)Verbrechern und Gangmitgliedern untergebracht ist und bis zu 17 Häftlinge sich eine überfüllte Zelle teilen müssen, sondern auch, weil die Versorgung vor Ort eher fragwürdig ist, Lebensmittel von geringem Wert und in geringem Maß ausgeteilt werden und nicht-koreaner so gut wie gar keinen Ausgang bekommen, da man davon ausgeht, dass sie, nicht der koreanischen Sprache mächtig – sowie mit niemandem kommunizieren, einkaufen oder anderweitig aktiv sein könnten.
Sanitäre Einrichtungen sind in einem teils desaströsen Zustand und jedem Gefangenen wird nur eine heiße Dusche pro Woche zugesprochen, wobei auch hier zu gelten scheint, dass wenn ein anderer, körperlich stärkerer Häftling das warme Wasser eines anderen mitbeansprucht, die Wärter nicht weiter eingreifen.
Darüber hinaus ist bekannt, dass Anwälte vor Ort die verzweifelte Lage von Ausländern ausnutzen wollen, die mit der Rechtslage nicht vertraut sind, um möglichst viel Profit aus ihnen zu schlagen. Das Somali kein sonderlich großes Verständnis dafür hat, bewies er letztlich ja schon damit, überhaupt in Berufung gegangen zu sein.
Selbst wenn das Urteil nach dieser Berufung noch geringer ausfallen sollte, hat Somali bis dahin vermutlich eine deutlich längere und unangenehmere Haftstrafe abgesessen, als er aufgrund des aktuellen Urteils hätte antreten müssen.
Vielleicht ist dies ein Hauch der Gerechtigkeit, den sich so viele Somali-Kritiker nach dem ersten Urteil gewünscht hatten...