"Stimme im Kopf sagte, ich soll mich umbringen": Miguel Pablo will trotz Psychose Führerschein zurück

Der YouTuber spricht von seinem aktuellen Zustand und von Zielen für seine Zukunft.

Miguel Pablo Fhrerschein
Miguel Pablo scheint es offensichtlich besser zu gehen... aber schon gut genug? | © Migueal Pablo / YouTube

Miguel Pablo stand lange Jahre für die eher problematische Seite der deutschen YouTuber-Szene. Fragwürdige Challenges wie "In Chicken Wings baden", ominöse Gewinnspiele, Gesichtstattoos und Clickbait-Videos wie etwa ein Fake-Outing waren das Fundament seines kritikwürdigen Erfolges.

Selbst ehrliche Videos, in denen er etwa über seinen Drogenmissbrauch oder seine Psychose sprach, wirkten sehr darauf getrimmt, möglichst viele Klicks zu generieren, statt seinen Fans ernsthafte Informationen über seinen Lebensweg mitzuteilen.

Symptom seiner Generation

Dabei möchte man ihm hier gar nicht unbedingt eine böse Absicht nachsagen: Pablo ist das Paradebeispiel für eine Generation von Influencern, für die die eigene Vermarktung an erster Stelle steht, nicht zuletzt, weil sie es von ihren eigenen Vorgängern und Vorbildern so vorgelebt bekamen.

Während YouTuber zuvor oft nur den Anschein erweckten, ihre Zuschauer überall mithinzunehmen, sie an allem Teilhaben zu lassen und ihr gesamtes Leben als Content zu verkaufen, entsprachen Nachzügler wie Miguel Pablo dieser Rolle nun wirklich – selbst schwerste Schicksalsschläge werden in erster Linie durch die "Content-Brille" betrachtet und für Aufmerksamkeit ausgeschlachtet.

Entsprechend skeptisch sind die Zuschauer nun auch bei seinem neuesten Video, denn auch wenn es immer ruhiger um den YouTuber wurde, wenn er mal eine Rückkehr wagte, war diese oft von reißerischen Videotiteln und polarisierenden Inhalten geprägt.

Pablo: "Wollte mich umbringen"

Dass sein aktueller Upload nach zweimonatiger Pause nun den Titel "Ich wollte mich umbringen..." trägt, lässt daher auch nicht auf eine wirkliche Besserung schließen.

Zwar redet Pablo tatsächlich über das Thema Suizid, die Abgründe seiner Psychose, aber auch die derzeitigen Hoffnungsschimmer in seinem Leben – so ganz lässt einen das Gefühl dennoch nicht los, dass es hier nicht nur um eine ehrliche Darstellung der eigenen Befindlichkeit geht, sondern eben auch darum, viele User zu erreichen.

Im Video selbst gibt er dann zumindest einen kleinen Einblick in seine Diagnose und die Medikamente, die er nehmen muss, spricht allerdings auch davon, dass er plant, seinen Führerschein zurückzufordern – besorgniserregend, wenn man bedenkt, was Pablo sonst so über seinen Zustand zu berichten hat.

So spricht er darüber, affektiv schizophren zu sein, einer Form der Psychose bei der die Schizophrenie mit Symptomen einer affektiven Störung – wie etwa Depressionen – verbunden ist und drüber hinaus an einer bipolaren Störung leidet. Im Zuge dessen geht er dann auch auf die Tabletten ein, die er nimmt, bevor er über die Auswirkungen und Symptome seiner Psychose spricht:

Ich höre momentan eine Stimme in meinem Kopf, die ich nicht kontrollieren kann [...] wo ich dann richtig Ängste und Panik schiebe. Und ich habe wirklich fast jeden Tag [...] Abends immer so Panikzustände – Panikattacken... also ich habe echt gerade zu kämpfen damit.

Wie stark Pablo unter diesen Zuständen leidet, wird besonders deutlich, als er näher auf die Stimmen und das, was sie ihm sagen, eingeht:

Ich habe meistens nicht die Kontrolle über meinen Kopf und Abends macht diese Kopfstimme schlimme Gedanken. Sagt mir dann, dass ich mich teilweise halt umbringen soll. Wirklich schon sehr, sehr hart Leute und es nicht leicht, damit klarzukommen. Ich war kurz davor tatsächlich, mir das Leben zu nehmen.

Führerschein trotz Psychose?

Im krassen Kontrast dazu, steht da die Selbstverständlichkeit mit der er sich wieder hinter das Lenkrad eines Autos setzen möchte:

Ich bin auch grad dabei meinen Führerschein zu machen, beziehungsweise muss ich ein psychatrisches Gutachten machen, weil der Führerschein wurde mir entnommen, weil ich in der Klinik war und weil ich krank war. [...] Und wenn ich für weitestgehend gesund erklärt werde – weil es ist ja wirklich schon besser geworden, weil ich habe die Psychose schon knapp über 4 Jahre... dann krieg ich meinen Lappen wahrscheinlich wieder.

In den Kommentaren finden sich hierzu reichlich skeptische Stimmen, die einerseits kritisieren, dass Pablo in seinem aktuellen Zustand, geprägt von Stimmen in seinem Kopf, die ihn auffordern, sich etwas anzutun, nicht aktiv am Straßenverkehr teilnehmen sollte.

Ein entsprechendes Gutachten würde zwar zumindest versichern, dass er aus der Sicht eines Experten fahrtauglich wäre, doch die Kommentare hinterfragen auch, ob der YouTuber selbst nicht von sich aus davon absehen sollte, sich seinen Führerschein aktuell zurückzuholen.

Andere wiederum sehen darin ein Zeichen, dass Pablos Zustand in Wahrheit vielleicht gar nicht so dramatisch ist, wie er es vorgibt und weisen darauf hin, dass wenn er Psychosen bedingtwirklich suizidgefährdet wäre, man ihm gar nicht erst die Möglichkeit böte, sich wieder in ein Auto zu setzen, was die gesamte Geschichte unglaubwürdig erscheinen lässt.

Unabhängig davon, was am Ende nun der Wahrheit entspricht und welche Aussagen wirklich zutreffen, bleibt zu hoffen, dass sich Miguel Pablos Zustand tatsächlich bessert und er erst dann wieder selbst ein Auto fährt, wenn er mental entsprechend stabil ist um weder für sich noch andere eine Gefahr darzustellen.

Daniel Fersch

Daniel schreibt über so ziemliches alles, was mit Games, Serien oder Filmen und (leider) auch fragwürdigen Streamern zu tun hat – insbesondere, wenn es dabei um Nintendo, Dragon Ball, Pokémon oder Marvel geht....