Die Hoffnung, dass das Ganze irgendwann ein Ende findet und Doherty verschwindet, bleibt dennoch.
Er gehört wohl zu den unangenehmsten Personen im Internet – nicht allein durch seine Taten, sondern auch die Tatsache, dass er mit allem was er so machte, immer wieder durchkam: Jack Doherty dürfte so ziemlich alles verbrochen haben, was es als Streamer zu tun gibt.
Jack Doherty kündigt sein Social Media Ende an?
Dass er zum Jahreswechsel das Ende seiner Social Media-Karriere ankündigte, ließ Kritiker dementsprechend aufhorchen:
Okay Leute, ich höre mit Social Media auf, das ist mein letztes Video überhaupt und wenn ihr mir nicht glaubt, guckt einfach in 24 Stunden wieder hier vorbei. Ich werde nie wieder Videos posten.
Den meisten Menschen war zu diesem Zeitpunkt schon relativ klar, dass der Streamer hier mal wieder die Unwahrheit erzählte, dennoch bestand die kleine Hoffnung, dass das Internet tatsächlich endlich Ruhe vor dem 22-Jährigen haben könnte, der sein Umfeld seit Jahren für Aufmerksamkeit terrorisiert.
Unangenehmer Streamer, noch unangenehmerer Mensch
Jack Doherty wurde vor allem durch sogenannte Prank- und Challenge-Videos bekannt. Bereits in jungen Jahren erreichte er ein Millionenpublikum, geriet jedoch immer wieder wegen seines Contents in die Kritik.
Sein Content besteht vor allem aus Provokation. Er geht auf unbeteiligte Menschen in der Öffentlichkeit los, beleidigt, belästigt sie oder rempelt sie aus dem Nichts an und versteckt sich, wenn sich seine Opfer wehren wollten, hinter seinen Bodyguards. Diese sind selbst teilweise von ihm genervt, so dass einige seiner persönlichen Securitymänner wegen seines unerträglichen Verhaltens bereits das Handtuch warfen. Wichtig ist ihm dabei, Situationen möglichst eskalieren zu lassen, indem er seine Opfer immer weiter provoziert, weil er sich davon mehr Aufmerksamkeit für seine Videos verspricht.
Dass er dafür stark in der Kritik steht, stört ihn wenig, seine Zuschauer bestehen zum ganz großen Teil aus ähnlich unangenehmen Personen und Kindern, die die Tragweite dieses infantilen Verhaltens nur bedingt nachvollziehen können – und doch sind es noch die harmlosesten Aktionen des Streamers.
Wesentlich problematischer ist da schon, wenn er sich und andere durch absolut rücksichtsloses Verhalten im Straßenverkehr gefährdet: Bereits mehrmals schrottete er seine Autos – wobei Kritiker davon ausgehen, dass nur das erste Mal ein Unfall war und alle weiteren Male aus Absicht geschahen, weil Doherty die Aufmerksamkeit suchte. Weil er lieber seinen Chat las, während er streamte, statt auf die Straße zu gucken, verlor er die Kontrolle über seinen teuren Sportwagen, kam auf der regennassen Fahrbahn ins Schleudern und donnerte mit dem Auto in die Leitplanke.
Während sein Beifahrer und Kameramann sich eine Platzwunde zuzog, war Dohertys einzige Sorge, dass sie aus dem Unfall nicht genug Filmmaterial generieren könnten und forderte den Verletzten mehrfach dazu auf, die Situation mit dem Handy aufzunehmen.
Minderjährige zu "Model"-Verträgen gedrängt?
Der wohl schlimmste Vorwurf, der schon seit einiger Zeit im Raum steht, bekam neues Feuer durch Aussagen von Dohertys Expartnerin, die davon sprach, dass auf den gutbesuchten Partys, die der Influencer in seinem Haus veranstaltete, auch viele junge Frauen zugegen wären, teils noch minderjährig, die unter Druck gesetzt wurden, um Verträge für Erwachsenenplattformen zu unterschreiben. Zwar seien die Damen, wenn erste Fotos und Videos von ihnen zum Kauf angeboten wurden, allesamt volljährig, die Verträge würden ihnen aber teils schon Monate oder Jahre zuvor aufgehalst werden.
Konsequenzen scheint er nur selten erleben zu müssen. Zwar trennte sich seine letzte Partnerin wegen seines Verhaltens von ihm, es gibt mehrere Berichte darüber, dass er ausgeraubt wurde, weil er mit teuren Uhren und Schmuck auf öffentlicher Straße protzte und auch die Polizei taucht in seinen Streams immer wieder auf, wenn er erneut Grenzen überschreitet – doch all dies scheinen ihm das bisschen Internetruhm und das Geld wert zu sein, dass er damit macht.
Bleibt alles beim Alten?
Und auch seine Ankündigung sich für immer aus dem Internet zurückzuziehen diente wohl eher dazu, Aufmerksamkeit zu generieren, denn nur kurz darauf meldete er sich mit einem Podcast und den üblichen banalen Videos wieder.
Während die meisten User sich schon davor damit abgefunden hatten, dass Doherty gelogen hatte, machten andere sich über die Vorstellung lustig, dass der 22-Jährige glaubte, einen eigenen Podcast mit Inhalten füllen zu können. In den Kommentaren waren Dinge zu lesen wie:
Oh wow, der reiche Bengel redet mit anderen reichen Bengeln über Reiche-Bengel-Probleme.
Oder:
Jack bringt nicht einen geraden Satz raus, wieso sollte man sich sein Gestammel überhaupt anhören?
Andere hatten eigene Ideen für ein Format, das im Internet besser ankommen könnte:
Ich will einen MMA-Fighter Podcast mit Jack und jedes Mal wird er von seinem Gesprächspartner verprügelt.
Leider wird auch diese Kritik nicht wirklich etwas daran ändern, dass Doherty mit dem weitermacht, was er tut, weshalb am Ende nur bleibt, weiter einen skeptischen Blick auf seine Taten zu haben und aufzuzeigen, wo Doherty Grenzen überschreitet, um zumindest anderen, beeinflussbaren jungen Menschen klarzumachen, dass man so vielleicht Geld macht, aber von niemandem wirklich gemocht wird und es das absolut nicht wert ist.