Wie God of War Ragnarök meine hohen Erwartungen übertroffen hat | Review

In unserer Review zu God of War Ragnarök zeigen wir euch, wie das Spiel trotz bekannter Qualitäten und der großen Erwartungen, die wir für das Spiel hatten, zu einer großartigen Überraschung wurde.

Kratos from GoW Ragnarök
In unserer Review zu God of War Ragnarök erfährst du, warum das Spiel sogar noch besser als sein Vorgänger ist. | © Sony

Als Spielefan in den 2000er Jahren war God of War überall präsent, es war gigantisch, extrem, brutal und anstößig. Ein perfektes Abbild der damaligen Mainstream-Unterhaltungskultur, aber mit dem Wandel der Zeiten schwand auch langsam die Kraft und Relevanz der Reihe. Dann, viele Jahre später, war Kratos plötzlich wieder da. Und dieses Comeback war ein echter Volltreffer.

Die Entwickler von Santa Monica Studios haben das Unmögliche geschafft und eine neue Geschichte und Identität für Kratos geschaffen, der nun ein stoischer Vater ist, der mit seiner Vergangenheit und seiner Wut zu kämpfen hat, während er seinen Sohn Atreus dazu erzieht, ein besserer Mann als er zu sein. God of War (2018) war ein fantastisches Actionspiel und eine wundervoll erzählte Geschichte eines Vater-Sohn-Abenteuers.

Nach einem solchen Erfolg waren die Erwartungen an God of War Ragnarök extrem hoch? Kann die Fortsetzung, ohne die erstaunliche Innovation des ersten Reboots zu haben, auf den Stärken des ersten Spiels aufbauen, den Umfang erweitern und das hohe Niveau des Storytellings beibehalten? Die kurze Antwort lautet: Ja.


God of War Ragnarök Review: Das Fazit

Bevor ich weiter darauf eingehe (natürlich ohne Spoiler), möchte ich ein kurzes Urteil abgeben. God of War Ragnarök ist eines der besten Spiele in Sonys Ära der Prestige-Titel seit der PS3. Obwohl es nicht ganz die Einzigartigkeit des Reboots von 2018 erreicht, da das Gameplay dem des Vorgängers sehr ähnlich ist, bietet es alles, was man sich von einer Fortsetzung des Spiels wünschen würde. Es erzählt auf wundervolle Weise die komplexe Geschichte von Atreus, erweitert den Umfang und das Ausmaß der Handlung massiv und macht sie noch greifbarer und glaubwürdiger.


Und alles in diesem Spiel, ob es nun eine Erweiterung des ersten Teils ist oder etwas komplett Neues, ist extrem gut gemacht. Ragnarök ist unglaublich gut produziert, nicht nur eines der am schönsten aussehenden Spiele aller Zeiten, sondern auch eines, das fast bis zur Perfektion ausgefeilt wurde. Einige Abschnitte ziehen sich ein wenig hin, und die Kämpfe wirken teilweise etwas stumpf, aber im Großen und Ganzen ist Ragnarök extrem temporeich, fesselnd, spannend und bewegend.

Alles beim Alten in Midgard? Nicht ganz!

Nachdem die ersten Trailer zu Ragnarök erschienen, war klar, dass das Spiel stark an God of War (2018) angelehnt sein würde, da es die gleiche Engine, Animationen und auch Mechaniken verwendet. Die Erwartung, zumindest meine persönliche, war also, dass wir im Grunde das gleiche Spiel mit neuen Inhalten und einer größeren Geschichte bekommen würden.

Und das stimmt zum Teil: Abgesehen von einigen kleinen Anpassungen, die das Spiel flüssiger und schneller machen, spielt sich Ragnarök sehr ähnlich wie sein Vorgänger. Man hat dieselben Waffen und Gadgets zur Verfügung und das Spiel sieht im Wesentlichen auch gleich aus.

Kratos vs. Thor
God of War Ragnarök ist voll von epischen Momenten, wie diesem Kampf gegen Thor. | © Sony

Dennoch schafft es Ragnarök, immer wieder neue Elemente in den Mix einzubringen und bietet ein vielfältigeres und spannenderes Leveldesign, dank neuer Bewegungsoptionen, die die Level viel vertikaler und komplexer werden lassen. Ohne zu viel verraten zu wollen, muss gesagt werden, dass das Gameplay immer noch seinen Anteil an Überraschungen und neuen Elementen bietet. Der Zauber einer coolen Innovation wie der Leviathan-Axt aus dem ersten Spiel ist allerdings nicht wirklich da. Die Vertrautheit der Kämpfe kann in manchen Momenten, in denen ein Kampf auf den anderen folgt, ermüdend wirken. Aber wenn euch die Kämpfe im ersten Spiel gefallen haben, werdet ihr diese verbesserte und ausgebaute Version davon mögen.

Das Spiel leistet auch großartige Arbeit bei der Erweiterung der Welten. Im ersten Teil hatten wir erst nur zu sechs davon Zugang, aber in Ragnarök können wir endlich alle 9 Welten bereisen, wobei der Schwerpunkt auf den drei neuen liegt. Dadurch wirkt das Spiel noch spannender und frischer, als wir zunächst erwartet hatten.

Man kehrt nur selten in alte Gebiete zurück, und wenn, dann sind sie umgestaltet und mit neuen Elementen versehen. Der Ansatz eines semi-open World Spiels wurde ebenfalls ein wenig gelockert. Er ist zwar immer noch vorhanden (und macht immer noch viel Spaß), aber die Welt zu erkunden fühlt sich noch mehr wie Side-Content an, als es im ersten Spiel der Fall war. Der Fokus liegt viel mehr auf linearen Levels und Gebieten, die dich durch die fantastische Geschichte des Spiels führen.

Atreus ist längst kein kleiner Junge mehr

Die größte Veränderung im Vergleich zum ersten Teil findet sich in der Geschichte und Struktur des Spiels. God of War (2018) war eine "fish out of water" story und konzentrierte sich hauptsächlich darauf, Kratos' und Atreus' Rolle zu etablieren. Jetzt sind die beiden feste Figuren in diesem Universum, und diese Vertrautheit spielt eine große Rolle in der Geschichte des zweiten Spiels. Da Ragnarök vor der Tür steht, sind die Story, der Ernst der Lage und der Umfang viel größer geworden, was es dem Spiel ermöglicht, seine Erzählung massiv auszuweiten, und das mit derselben Eleganz, wie es im ersten Spiel der Fall war. Mir persönlich hat die Erzählweise in diesem Spiel sogar noch besser gefallen.

Kratos and Atreus talking to Brok
Die Charaktere sind absolut genial, vor allem Atreus. | © Sony

Zum einen liegt es an der großartigen Auswahl an Charakteren, die Kratos und Atreus umgeben. Es handelt sich jetzt um ein richtiges Ensemble, jeder Charakter hat eine wichtigere und größere Rolle als zuvor und die Neuzugänge, wie Tyr und Angrboda, sind wunderbar charakterisiert und noch lebendiger und unterhaltsamer geschrieben als im vorherigen Spiel.

Aber das Spiel zeichnet sich auch durch die ausführliche Darstellung des Vaters und seines Sohnes aus. Besonders Atreus und seine Entwicklung haben mich sehr überrascht und berührt. Er ist kein kleines Kind mehr, er ist gewachsen und ist nun ein viel stärkerer Fokus in der Geschichte. Einer der Hauptgründe, warum Atreus in Ragnarök ein so beeindruckender Charakter ist, ist die schauspielerische Leistung von Sunny Suljic, der in dem Spiel absolut fantastisch ist. In einem Cast voller großartiger Darsteller sticht er hervor und nimmt einen großen Stellenwert im Spiel ein.

Ragnarök ist ein fantastisches Videospiel und in jeder Hinsicht eine Verbesserung des Vorgängers. Es tut genau das, was ich mir gewünscht habe: Es nimmt die hervorragende Grundlage des Vorgängers auf, verfeinert sie und setzt sie weiter fort. Es ist eines der am besten ausgearbeiteten Videospiele, die ich je gespielt habe, eine wunderbare Geschichte, von der ich jede Minute genossen habe, und gleichzeitig ein geiles Actionspiel, ein wilder Ritt voller Überraschungen und spannender Wendungen und Momente. Obwohl es nicht dieselbe Innovationskraft wie sein Vorgänger hat, ist Ragnarök letztendlich ein noch stärkeres Erlebnis.

  • Bewertung: 9/10
  • Release Datum: 9. November 2022
  • Entwickler: Santa Monica Studio
  • Herausgeber: Sony Interactive Entertainment
  • Genre: Open World Action
  • Spielzeit: 30-50 Stunden
  • Modus: Einzelspieler
  • Plattform: PS4, PS5

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