Konami wählte die blaue Pille.
Ein eigenwilliger, rauer Charme, einprägsame Charakterdesigns und verschachtelte Meta-Narrative: Die Werke des Videospielregisseurs Hideo Kojima und die der Filmregisseurinnen Lana und Lilly Wachowski weisen zahlreiche Parallelen auf, weshalb es kaum überrascht, dass die Veteranen ihrer jeweiligen Branchen große Wertschätzung füreinander empfinden.
Als schließlich eine Videospieladaption von Wachowski-Hit Matrix (1999) umgesetzt werden sollte, schien Kojimas Team bei Konami ideal geeignet, um die Entwicklung zu übernehmen – etwas, was letztlich aber nie geschah, obwohl sich in der Branche bis heute viele Mythen darum ranken. Erst neue Enthüllungen könnten nun Aufschluss darüber geben, warum sich die Dinge so entwickelten, wie sie es taten:
Bergstressers und Kojimas Aussagen
Am 28. Oktober 2025 veröffentlichte Jack Yarwood vom Entertainment-Magazin „Time Extension“ einen Artikel, in dem er berichtete, dass Branchenveteran Christopher Bergstresser während eines Interviews über ein Sega-Projekt aus den frühen 2000er Jahren auch Details zu seiner Zeit als Vice President for Licensing bei Konami Digital Entertainment preisgab:
Demnach hätten die Wachowskis persönlich Konamis Hauptsitz in Tokio besucht, um sich mit Hideo Kojima über die Entwicklung eines Spiels zu ihrem Film zu beraten. Anwesend waren die Wachowskis samt einem Visual-Effects-Kollegen, Hideo Kojima, Aki Saito, Bergstresser selbst sowie Konami-Manager Kazumi Kitaue. Doch als das Angebot vorgebracht und von Saito übersetzt worden war, lehnte Kitaue es sofort ab.
Der Grund? Spekulationen zufolge sollte sich Kojima weiterhin auf die lukrative Metal Gear Solid-Reihe konzentrieren. Dieser reagierte öffentlich auf den Artikel und erklärte, er sei niemals über ein offizielles Angebot informiert worden und habe erst jetzt davon erfahren – obwohl er die Wachowskis zur japanischen Premiere von Matrix getroffen habe. Hätte er davon gewusst, meinte er, hätte er möglicherweise einen Weg gefunden, das Projekt umzusetzen.
I was surprised to see on social media that the Wachowski sisters had “offered me a Matrix game project!” back in 1999. In all these 26 years, no one ever told me such a conversation had taken place. At the time, we were mutual fans and exchanged emails. The Matrix hadn’t been… pic.twitter.com/4P10P9eEfT
— HIDEO_KOJIMA (@HIDEO_KOJIMA_EN) October 29, 2025
Das Matrix-Spiel, das wir schließlich bekamen
Die Wachowskis mussten sich daher nach Alternativen umsehen und wandten sich an kleinere Studios wie David Perrys Shiny Entertainment. Perry lehnte das Angebot zunächst ab, da er den Film für „nur einen weiteren Hackerfilm“ hielt. Nach dessen massiven Erfolgs änderte er jedoch seine Meinung und Shiny übernahm die Entwicklung eines Begleitspiels zum Nachfolger Matrix Reloaded (2003), das als erzählerische Erweiterung des Filmuniversums gedacht war.
Sowohl die Filmemacher als auch die Entwickler investierten erheblich in das Projekt; sie teilten Assets, Konzeptzeichnungen und Produktionsressourcen. Doch bald traten Probleme auf: Shiny hatte wenig Erfahrung mit großen Multiplattform-Titeln dieser Größenordnung, wurde während der Arbeit von Infogrames, Inc. übernommen und Warner Bros. setzte eine enge zweijährige Frist – all dies führte zu extrem belastenden Arbeitsbedingungen für das Team.
Trotz des Enthusiasmus aller Beteiligten, eines Budgets von 20 Millionen Dollar und des Zugangs zu Hollywood-Technologien wirkte Enter the Matrix (2003) bei Veröffentlichung unfertig. Die bemerkenswerten Ambitionen litten unter einer hakeligen Steuerung, zahlreichen Bugs und unausgereifte Gameplay-Konzepte. Trotz der weitgehend negativen Kritik verkaufte sich das Spiel über fünf Millionen Mal und ebnete den Weg für ein ausgereifteres Sequel: The Matrix: Path of Neo (2005).
Doch was ist eure Meinung? Hätte ein von Kojima geleitetes Matrix-Spiel mehr Potenzial gehabt als das Produkt von Shiny Entertainment? Oder hätte es darunter gelitten, dass er seine Aufmerksamkeit zwischen diesem und Metal Gear Solid hätte aufteilen müssen? Lasst es uns in den Kommentaren wissen!