Neil Newbon, Astarions Synchronsprecher fordert Neuaufnahme von KI-Stimmen

Die Nutzung von KI-Stimmen nimmt auch in der Gaming-Branche immer mehr zu. Kürzliche Debatten über das Spiel Arc Raiders befeuerten die Kritik an der Nutzung nur noch mehr. Entwicklerstudios geraten ins Kreuzfeuer der Vorwürfe. Jetzt reicht es auch den Synchronsprechern. Einer davon, Neil Newbon, der für seine Rolle als Astarion bekannt ist, äußert sich kritisch gegen die Nutzung.

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KI-Stimmen stehen schon seit längerer Zeit in der Kritik | © Pexels, Larian Studios

Fast täglich liest man eine neue Schlagzeile, die etwas mit generativer KI im Gaming zu tun hat. Die Nutzung vermehrt sich ohne wirklichen Filter. Menschliches Talent und Kreativität werden von großen Publishern durch Computer-Codes ersetzt.

Eine betroffene Gruppe sind zum Beispiel die Synchronsprecher, die unseren geliebten Charakteren ihre Stimme leihen. Neil Newbon, bekannt für seine Rolle als Astarion in Baldur's Gate 3 äußert sich öffentlich gegen die Nutzung, während andere Sprecher und die amerikanische Vereinigung SAG-AFTRA auch gegen die Verwendung ankämpfen.

Finanzen als Ausrede

Erst kürzlich geriet Embark Studios für Arc Raiders in die Kritik. Grund dafür war die exzessive Verwendung von KI generierten Stimmen für NSCs im Spiel. Dafür wurde speziell eine KI mithilfe von menschlichen Schauspielern trainiert, die dann die NSC Texte eingesprochen hat.

Embarks großes Gegenargument ist, dass ja "nur" NSCs eingesprochen wurden. Große Storyelemente seien weiterhin mithilfe von menschlichen Sprechern aufgenommen worden.

In einem früheren Interview mit Eurogamer gab der CCO weitere Gründe für die Nutzung von generativer KI. Man hätte so das Team klein halten können. Anpassung am Text wären schnell und ohne Neuaufnahme vorgenommen worden. Außerdem handelte es sich bei den Aufgaben um solche, die ein Synchronsprecher als nicht wertvolle Arbeit gesehen hätte.

Interessant, wenn man darüber nachdenkt, dass Synchronsprecher wie Alex Jordan, auch bekannt als Rook aus Dragon Age Veilguard, nur für die Aufnahme der expliziten Szenen in Baldurs Gate 3 zuständig waren, wenn ihr versteht. Ihr wisst schon, die NSFW-Geräusche. Gibt es dementsprechend Arbeit, die als nicht wertvoll angesehen wird?

Ein großes Argument der Anti-KI-Seite ist, dass Studios versuchen so ein wenig Geld einzusparen und das, obwohl Synchronsprecher im Allgemeinen immer noch ziemlich unterbezahlt sind, wenn man bedenkt, welchen Einfluss sie nur durch ihre Stimme auf ein Spiel nehmen können.

Klarer Standpunkt der Synchronsprecher

Neil Newbon hat sich in der Vergangenheit bereits sehr klar zu diesem Thema positioniert. KI-Stimmen sind nun mal das, was sie sind: nicht menschlich, und das hört man auch.

Ich habe mir generative KI angehört, es klingt so platt. Ich nehme es der KI-Stimme nicht ab und das reißt mich aus der Immersion.

Und er ist nicht der einzige, der so denkt. Synchronsprecher fürchten um ihre Lebensgrundlage, was auch einer der Gründe für den riesigen Streik in den USA war. Alex Jordan streamte lange Zeit nie das Spiel, in dem er selbst die Hauptrolle gespielt hatte, geschweige denn erzählte er, wem er seine Stimme geliehen hatte, um sich für seine Kollegen starkzumachen.

Sowohl SAG-AFTRA, als auch viele andere Synchronsprecher kämpfen gegen die KI-Stimmen an. Auch wenn bei vielen mittlerweile die Erkenntnis Einzug gehalten hat, dass man KI nicht auf Dauer verhindern kann, setzen sie sich für eine geregelte Verwendung ein.

Mir ist generative KI ziemlich egal, weil es schei**e klingt. Vollkommen egal wie gut die Technologie wird, es klingt nicht richtig. Und ich würde jedem der einen Haufen Kohle mit einer Veröffentlichung gemacht hat, die generative KI nutzt sagen, dass er vielleicht nochmal mit den Schauspielern reden sollte die bezahlt wurden um ihre Stimmen zu klonen. Packt sie nochmal ins Studio und nehmt den Schei* neu auf.

Neil Newbon fordert ganz klar Neuaufnahmen. Gerade dann, wenn das Studio mit dem Release eine große Menge Geld eingespielt hat. Das Gehalt eines Synchronsprechers ist im Vergleich zu den Produktionskosten ziemlich gering.

Code über Menschlichkeit

Die Tendenz scheint leider sehr stark in Richtung KI zu gehen. Vermutlich auch einer der Gründe für den großen Aufschrei. Neben Arc Raiders ging es Call of Duty Black Ops 7 auch so. Das Spiel wurde öffentlich zerrissen für die Arbeit die abgeliefert wurde.

Hauptkritikpunkt war auch hier der Umstand, dass es einfach nicht richtig wirkt. KI kann am Ende des Tages vielleicht gut imitieren, aber menschliche Kreativität und Emotionen sind schwierig mit einem Computer-Code zu ersetzen.

Ob es in Zukunft zu einem weiteren Streik kommen wird, bleibt abzuwarten. KI wird vermutlich weiterhin allgegenwärtig bleiben, inwieweit sie sich weiter den Weg nach oben kämpft, wird auch die Zukunft zeigen.

Hoffnung besteht ja zumindest durch die negativen Reaktionen, sobald KI-generierte Inhalte veröffentlicht werden. Abschließend kann man noch sagen, dass KI ein unfassbar starkes Werkzeug sein kann, um menschliche Kreativität aufzuwerten. Als Ersatz sollte sie jedoch niemals gelten.

Was haltet ihr von generativer KI? Wie schätzt ihr die Entwicklung in Zukunft ein? Wir würden gerne eure Meinung hören, also lasst doch gerne einen Kommentar da!

Luca Friedrich

Luca hat eine Leidenschaft fürs Gaming und Tabletop-RPGs. Sein Bachelorstudium in Multimedia und Kommunikation hat er mit den Schwerpunkten Mediendesign und Journalismus abgeschlossen....