“Opossum flog 9 Meter hoch”: TikToker baut Katapult um hilflose Tiere zu quälen

Stumpfe Tierquälerei anstatt harmlosen Internet-Spaßes.

Tik Toker baut Tierkatapult
Nicht einmal seine Fans sahen den Spaß in dieser Tierquälerei. | © TikTok / Facebook

Mit seiner Opossumschleuder katapultierte ein TikToker eine wilde Beutelratte mehrere Meter in die Luft und glaubte das Ganze als “Prank” verkaufen zu können.

Der Begriff "Prank" oder eben "Streich" ist in Zeiten von Social Media längst zu einer Ausrede verkommen, einfach alles zu tun, wonach einem ist und dafür den auch noch Aufmerksamkeit abzustauben – ganz egal, ob dabei Menschen oder sogar Tiere zu schaden kommen. Immer wieder berichten wir davon, wie etwa aus harmlosen Klingelstreichen gewaltvolle Angriffe werden die letztlich sogar Tote forderten. Der TikToker Charles Ross verdeutlicht mit seiner "Opossumschleuder" genau diese Abgründe erneut – nicht zuletzt weil sie sich gegen wehrlose Tiere richtet.

Das Ende einer positiven Karriere?

Eigentlich galt er als positives Beispiel der Prankster-Szene: Die Streiche von Charles Ross, im Internet besser bekannt als RossCreation begeisterte seine Fans durch aufwendige, kreative Videos, die sowohl die Zuschauer als auch die vermeintlichen Opfer zum Schmunzeln brachten.

So baute er etwa einen Getränkeautomaten so um, dass dieser statt der gewünschten Cola plötzlich einen Hotdog servierte. Die meisten, der zunächst verwirrten Opfer des Streichs mussten selbst herzlich lachen – spätestens wenn Ross und sein Team die Situation aufklärten. Erst kürzlich schlug ein Clip von ihm hohe Wellen, in welchem er seinen Postboten jeden Tag mit einem kleineren Briefkasten begrüßte. Tag für Tag ersetzten sie den Briefkasten durch eine etwas kleinere Version und auch der Briefträger selbst schien Spaß an der Aktion zu haben, brachte für einen winzigen Kasten am Ende sogar eine Pinzette mit, um an den Minitaturbrief der darin lag zu gelangen.

Dass Ross über Jahre hinweg durch diese skurrilen Erfindungen und witzigen Streiche Bekanntheit erlangte, macht den aktuellen Vorfall für viele Fans besonders schockierend.

In dem umstrittenen neuen Video ist zu sehen, wie ein wildes Opossum mithilfe einer schleuderartigen Konstruktion mehrere Meter in die Luft katapultiert wird. Schätzungen von Zuschauern reden von bis zu 30 Fuß, also etwa 9 Metern. Anschließend landet das Tier mehr als unsanft auf dem Boden und läuft sichtlich angeschlagen davon. Obwohl Ross von einem "Erfolg" sprach und suggerierte, das Tier sei unverletzt geblieben, werteten zahlreiche Zuschauer die Szene als klare Tierquälerei.

Das Internet reagiert

Daher ließen die Reaktionen nicht lange auf sich warten. Innerhalb weniger Stunden verbreitete sich der Clip auf Plattformen wie TikTok, Twitter und Reddit. Kommentare reichten von Fassungslosigkeit über Wut bis hin zu Forderungen nach strafrechtlichen Konsequenzen. Viele ehemalige Unterstützer erklärten öffentlich, dass für sie hier eine rote Linie überschritten worden sei.

Besonders kritisiert wurde, dass es sich um ein Wildtier handelte, das weder geschützt noch kontrolliert werden konnte. Tierschützer wiesen darauf hin, dass auch dann von Tierquälerei auszugehen sei, wenn äußerlich keine schweren Verletzungen erkennbar seien. Stress, innere Verletzungen oder langfristige Schäden könnten nicht ausgeschlossen werden.

Der Bundesstaat Florida ermittelt

Nach dem öffentlichen Druck schalteten sich auch staatliche Stellen ein. Die zuständigen Wildtier- und Strafverfolgungsbehörden im US-Bundesstaat Florida prüfen, ob der Vorfall gegen geltende Tierschutzgesetze verstößt. In Florida kann Tierquälerei – abhängig von Schwere und Vorsatz – mit Geldstrafen oder Freiheitsstrafen geahndet werden.

Zum aktuellen Zeitpunkt gibt es noch keine endgültige rechtliche Bewertung. Allein die Tatsache, dass Ermittlungen aufgenommen wurden, zeigt jedoch, wie ernst der Vorfall genommen wird.

Ein Symptom der Creator-Ökonomie?

Der Fall RossCreations wirft eine größere Frage auf: Wie weit dürfen Content-Creator gehen, um Aufmerksamkeit zu erzeugen? In einer Online-Ökonomie, die Reichweite, Schockeffekte und virales Potenzial belohnt, geraten moralische und rechtliche Grenzen zunehmend unter Druck.

Kritiker sehen in dem Opossum-Video ein Beispiel dafür, wie der Wunsch nach Klicks und Relevanz zu immer extremeren Inhalten führen kann. Was früher als kreativer Prank durchging, wird heute oft durch Eskalation ersetzt – mit realen Konsequenzen für Mensch und Tier.

In einigen Ländern wird daher inzwischen entsprechend auf Streamer und Prankster reagiert. So hält sich der russisch-amerikanische YouTuber VitalyzdTV wegen Belästigung der Bevölkerung für unbestimmte Zeit in philippinischer Abschiebehaft auf, während das Südkoreanische Rechtssystem ein Exempel an Johnny Somali statuieren will, nachdem diesem mehrere Straftaten und nicht zuletzt die sexuelle Belästigung von Kindern vorgeworfen wird.

Hoffnung aus den eigenen Reihen

Ein kleiner Hoffnungsschimmer im Fall von RossCreation ist allerdings, dass während in der Regel Kritik von außen angebracht wird, die eigene Bubble im Falle des Fehlverhaltens ihrer Stars oftmals verteidigend reagieren.

Dabei werden selbst die schlimmsten Aktionen als “halb so wild” abgetan – was oftmals mit dem Gedanken einhergeht, dass wenn jemand, den man zuvor als gut empfand, plötzlich negative Schlagzeilen macht, der eigene Geschmack und die eigene Menschenkenntnis hinterfragt werden müsste. Um sich vor dieser Selbstreflexion zu schützen, neigen viele Menschen deshalb dazu, in einer Art Selbstschutzreflex den kritisierten Influencer auch gegen ihre eigenen Ansichten hinaus zu verteidigen.

Dass dies im Fall von RossCreation nicht so ist und seine eigenen Fans ihn zum größten Teil ebenso hart kritisieren, zeigt, dass in diesem Fall, bei dem Tiere zum Opfer problematischer Pranks wurden, für viele Menschen doch eine Grenze erreicht ist, die es nicht zu verteidigen gibt.

Daniel Fersch

Daniel schreibt über so ziemliches alles, was mit Games, Serien oder Filmen und (leider) auch fragwürdigen Streamern zu tun hat – insbesondere, wenn es dabei um Nintendo, Dragon Ball, Pokémon oder Marvel geht....