Foodie Beauty ist überzeugt, keine Werbeeinnahmen mehr generieren zu dürfen, weil sie dick ist.
YouTube passt genau wie andere Plattformen immer wieder seine Richtlinien und Regeln an, welche Inhalte inwieweit monetarisiert werden können oder gar verboten werden. Einerseits geht es dabei um den Schutz von Jugendlichen und Kindern, die mit bestimmten, nicht für sie geeigneten Inhalten nicht konfrontiert werden sollen, andererseits um die Frage, welche Videos werbefreundlich genug sind.
YouTube im Kampf gegen Essstörungen
Nicht jeder Werbepartner möchte seine Produkte oder Dienstleistungen mit sämtlichen Inhalten auf der Plattform in Verbindung gebracht sehen – insbesondere, wenn diese problematisch oder gar schädlich für etwa beeinflussbare Jugendliche sein könnten.
2023 kündigte YouTube an, auch die Mukbang- und Foodinfluencer genauer unter die Lupe zu nehmen. Videos, in denen Lebensmittel nicht bewertet oder Speisen zubereitet werden, sondern es etwa darum geht, möglichst viel Nahrung in möglichst kurzer Zeit in sich hineinzuschlingen, wie es teilweise bei Mukbang-Clips der Fall ist, werden nicht mehr monetarisiert und die Creator können damit kein Geld mehr machen, weil YouTube die Gefahr sieht, dass ein ungesundes Verhältnis zum Essen propagiert werden könnte. Ähnlich verhält es sich natürlich mit der anderen Richtung und Inhalten, die davon handeln wie jemand einen krankhaft dünnen Körper erreichen kann.
Dies geschah jedoch nicht von heute auf morgen – nun aber, knapp 3 Jahre später zieht YouTube Konsequenzen und bestraft jene, die die Zeit nicht genutzt hatten, um ihren Content umzustellen.
Ein Opfer dieser Demonetarisierungswelle ist Chantal Sarault, die im Internet als Foodie Beauty bekannt – vor allem aber berüchtigt ist.
Foodie Beauty: Spendenbetrug, Lügen und Junkfood
Denn die Food-Influencerin hat sich in den letzten Jahren einiges zu Lasten kommen lassen. In Kuwait erzählte sie ihren Followern, Geld für streunende Katzen vor Ort zu sammeln, bevor herauskam, dass sie das Kätzchen, welches sie angeblich aufgenommen hatte, nach dem Video wieder ausgesetzt hatte und flüchtete vor den Behörden, als diese wegen Spendenbetrugs ermittelten. Als sie mit ihrem Ehemann in dessen Heimatland Syrien reiste, gab sie erneut vor Spenden zu sammeln, diesmal für ein syrisches Schulmädchen – doch auch dort hatten ihre Kritiker berechtigte Zweifel am Wahrheitsgehalt ihrer Story.
Nach der Trennung von ihrem Mann kehrte sie nach Kanada zurück, forderte von ihren Followern erneut finanzielle Unterstützung, um sich erneut eine Katze zuzulegen, bis auch hier aufflog, dass sie es mit der Wahrheit nicht ganz so genau nahm und behauptete, dass sie nur wegen des Drucks der Familie ihres Exmannes überhaupt Hijab trug.
Ein dauerhafter Begleiter ihrer Inhalte, egal in welchem Land, war das Essen. Möglichst viel und fettig. Zwar gab Sarault immer wieder vor, sich künftig gesünder ernähren zu wollen, in ihren Videos war allerdings nur wenig davon zusehen. Und so präsentierte sie sich weiter mit großen Mengen Junk- und Fastfood, während sie von ihren Zuschauern etwa 300 Dollar dafür forderte, sich eine neue Katze leisten zu können, da sie sich einsam fühlen würde oder Spenden verlangte, um sich einen Scooter zu kaufen, der es ihr ermöglichte, sich fortbewegen zu können, ohne laufen zu müssen.
Foodie Beauty wurde demonetarisiert
Die direkte Monetarisierung durch YouTube hat nun jedoch ein Ende gefunden, denn vielen ihrer Videos wurde nun der Geldhahn zugedreht, eben weil die Plattform vermeiden will, Inhalte zu belohnen, die Lebensmittelverschwendung oder einen extrem ungesunden Lebensstil propagieren.
Sarault selbst sieht das ein wenig anders – sie ist der festen Überzeugung, dass die entsprechenden Mitarbeiter bei YouTube, die dafür verantwortlich waren, über die Werbefreundlichkeit ihrer Videos zu entscheiden, dickenfeindlich seien.
Sichtlich aufgelöst und genervt von der Tatsache, dass sie kein Geld mehr von YouTube bekäme, beschwerte sie sich in einem Stream gegenüber ihrem Chat:
Diese neuen Regeln kamen einfach plötzlich auf und ich denke mir; Ist euch klar, dass ihr Milliarden mit der Mukbang-Industrie verdient habt? Dass es Menschen gibt, die ihr Leben auf diesen Formaten aufgebaut haben? Sie zahlen damit ihre Miete, ihre Familien, einfach alles.
Sie kritisiert zudem, dass Menschen, die ihr sagen würden, sie solle sich, wenn ihr das Geld nicht reiche, einfach einen Job suchen, nicht verstünden, dass diese Videos ihr Job seien:
Ich bin es Leid Leuten zu erklären, dass Social Media Arbeit ist. Wir werden dafür bezahlt, mit Menschen zu interagieren. Mir ist egal, ob ihr das für Arbeit haltet, denn es ist welche – denn wir machen Geld damit! Und ich bin abhängig von diesem Geld, um meine Rechnungen zu bezahlen.
"Nur weil ich dick bin!"
Persönlich sieht sie sich auch gar nicht als das Problem und betont, dass sie eigentlich gar nicht gegen die neuen Richtlinien verstoßen würde.
Ich halte mich an die Regeln! Darauf bestehe ich bis zum Tod! Ich glorifiziere keine Essstörungen, ich rede über lehrreiche Dinge rund um Ernährung und die Kultur dahinter, aber ich bewerbe keine schlechte Ernährung. Ich bin sogar gegen Dinge, die Menschen Schaden zufügen, nur weil sie Gewicht verlieren wollen.
Für Sarault scheint klar, dass es hier um etwas ganz anderes geht.
Ich denke, dass die Wahrheit deutlich persönlicher ist. Darf ich nicht mal mehr essen? Was ist, wenn ich streame? Soll ich dann sagen “Wartet mal Leute, ich muss den Stream für eine halbe Stunde pausieren, denn ich bin fett und muss etwas essen.
Ich kann euch sagen, warum alle übergewichtigen Frauen demonetarisiert werden: Weil YouTube verrückt ist. All diese User melden unsere Videos, weil sie behaupten, das wäre ungesund, aber sie sind keine Ärzte und wissen gar nicht wovon sie reden. Zu sagen, dass dicke Menschen hier nicht essen dürfen, ist Diskriminierung. [...] Wie wollen die entscheiden, wieviel eine dicke Frau essen darf? Ich hoffe, dass alle Mukbang-Videos gelöscht werden! Denn nur weil ich fettleibig bin, heißt es nicht, dass diese anderen Mukbanger gesünder sind.
Wie so üblich, scheint Sarault auch hier alles andere als empfänglich für Kritik oder andere Ansichten zu sein, so dass sie von ihrer Haltung, YouTube sei schlicht und ergreifend “dickenfeindlich” auch nicht ablassen möchte, als sie im Chat darauf hingewiesen wurde, dass sie eine Prüfung zur Werbefreundlichkeit ihrer Videos beantragen könnte oder mehr als drei Jahre Zeit gehabt hätte, ihre Inhalte entsprechend umzustellen, so dass sie weiterhin Geld damit machen könnte – ungeachtet ihres Gewichts.
Klar ist, dass all ihre Beschwerden und ihr Jammern nichts daran ändern wird, dass YouTube ihre Foodvideos nicht mehr monetarisieren wird und sie sich neue Wege suchen muss, Geld zu verdienen. Von denen hat Foodie Beauty ja schon mehr als genug ausprobiert – bleibt nur zu hoffen, dass es kein weiterer Spendenbetrug sein wird.