Die besten Tatort-Teams und Ermittler aller Zeiten im Ranking
Tatort: Fast schon deutsches Kulturgut
Sonntag, 20:15 Uhr? Da wird der Hintern besser schnell auf der Couch geparkt für ein deutsches Fernsehritual, das in vielen Wohnzimmern seit über 50 Jahren Bestand hat. Kaum eine andere Reihe kriegt es hin, Generationen so zuverlässig vor dem Fernseher zu versammeln. Doch so unterschiedlich die Fälle auch sind – am Ende geht es selten nur um den Mord. Es geht um die Menschen, die ihn aufklären. Denn seien wir ehrlich: Wir schalten nicht in erster Linie wegen der Story ein. Wir schalten ein wegen der Kommissare. Wegen ihrer Eigenheiten, ihrer Macken und ihrer Dynamik. Manche bringen uns zum Lachen, andere gehen uns unter die Haut, wieder andere begleiten uns gefühlt schon ein halbes Leben. Zeit also, einmal genauer hinzuschauen: Welche Tatort-Teams haben sich wirklich ins kollektive Gedächtnis eingebrannt? Wer hat den größten Eindruck hinterlassen – und warum eigentlich? Hier sind die zehn beliebtesten Tatort-Ermittler aller Zeiten. | © ARD
Dortmund: Faber und sein Team
Seit 2012 steht Tatort aus Dortmund für einen der mutigsten Stilbrüche innerhalb der Reihe. Im Zentrum: Peter Faber, gespielt von Jörg Hartmann – ein Ermittler, der sich konsequent jeder klassischen Heldenzeichnung entzieht. Grantig, unberechenbar, oft emotional überfordert (etwa so wie ich an einem Montagmorgen). Faber ist unbequem, und genau darin liegt seine enorme Anziehungskraft.
Die eigentliche Hochphase begann, als die Dortmunder Folgen sich immer stärker von abgeschlossenen Einzelfällen lösten und stattdessen auf durchgehende Handlungsbögen setzten. Persönliche Traumata, Schuldfragen und fragile Teamdynamiken rückten in den Fokus und verliehen den Episoden eine fast schon serielle Tiefe. Wer beim Tatort mehr sucht als solide Krimikost, sondern Figuren mit Ecken, Kanten und echten Abgründen erleben will, wird hier definitiv fündig.
Spannend bleibt auch der Blick hinter die Kulissen der Ermittlungsgruppe: Kaum ein anderes Team hat im Laufe der Jahre so viele interne Konflikte, Abgänge und Neubesetzungen erlebt. Diese ständigen Brüche sorgen nicht nur für frischen Wind, sondern verstärken auch das Gefühl, dass hier jederzeit alles kippen kann – eine Unberechenbarkeit, die den Dortmunder Tatort so besonders macht. | © ARD
Wien: Eisner und Fellner
Seit den frühen 90ern ist Moritz Eisner eine feste Größe im Tatort – ruhig, erfahren, manchmal stoisch. Doch erst mit dem Einstieg von Bibi Fellner im Jahr 2011 bekam das Wiener Team den entscheidenden Frischekick. Gespielt von Adele Neuhauser bringt Fellner eine Mischung aus Bodenständigkeit, Verletzlichkeit und trockenem Humor mit, die perfekt mit Eisners eher reservierter Art kollidiert und gleichzeitig harmoniert.
Die stärkste Phase des Duos lässt sich tatsächlich in den 2010er-Jahren verorten. In dieser Zeit fanden die Wiener Folgen eine besonders stimmige Balance: Zwischen feinem Wiener Schmäh, unterschwelliger Ironie und durchaus schweren, gesellschaftlich relevanten Themen entsteht ein Ton, der sich klar vom Rest der Reihe abhebt. Mal lakonisch, mal überraschend emotional – genau diese Mischung macht den Reiz aus.
Was Fans besonders schätzen, ist die Dynamik zwischen den beiden. Die Dialoge knistern, sind mal spitz, mal herzlich, oft beides gleichzeitig. Es ist dieses ständige Gleichgewicht zwischen Nähe und Distanz, das den Figuren Tiefe verleiht und sie über viele Jahre hinweg interessant hält. Und dann wäre da noch der Humor: Oft sehr spezifisch österreichisch, manchmal trocken bis zur Schmerzgrenze, aber genau deshalb so wirkungsvoll. Gerade im Kontrast zu den häufig düsteren Fällen sorgt er für Momente, die hängen bleiben und dem Wiener Tatort seine ganz eigene Note geben.| © ARD
Kiel: Borowski
Seit 2003 ermittelt Klaus Borowski in Kiel und hat sich schnell einen Ruf als einer der ungewöhnlichsten Köpfe im Tatort erarbeitet. Gespielt von Axel Milberg ist Borowski keiner, der Fälle einfach „löst“ und abhakt. Vielmehr wirkt er oft wie jemand, der sich selbst genauso befragt wie die Menschen um ihn herum.
Seine stärkste Phase liegt wohl in den 2010er-Jahren. In dieser Zeit wurde der Kieler Tatort spürbar experimenteller: weniger klassische Whodunit-Spannung, dafür mehr Fokus auf Stimmungen, innere Konflikte und die dunkleren Ecken der Figuren. Wer hier einschaltet, bekommt selten einen geradlinigen Krimi, sondern eher ein psychologisches Kammerspiel mit offenem Ausgang.
Genau das macht den Reiz aus: Borowski ist kein strahlender Ermittler, sondern eher ein Suchender, manchmal fast Getriebener. Er zweifelt, grübelt, bleibt oft bewusst vage und zwingt damit auch das Publikum, genauer hinzusehen und mitzudenken. | © ARD
Hannover/Göttingen: Charlotte Lindholm
Mit ihrem Debüt 2002 hat sich Charlotte Lindholm rasch einen festen Platz im Tatort gesichert. Verkörpert von Maria Furtwängler gehört sie über Jahre hinweg zu den verlässlichsten Publikumslieblingen, was sich auch in beeindruckenden Einschaltquoten widerspiegelt. Vor allem in den 2000ern und frühen 2010ern erreichten ihre Fälle regelmäßig ein riesiges Publikum, nicht selten jenseits der Zehn-Millionen-Grenze. Damit zählte sie lange zu den Zugpferden der Reihe, ohne sich dabei auf Routine auszuruhen.
Ihr Erfolgsgeheimnis liegt in der Balance: Lindholm wirkt greifbar und menschlich, bleibt dabei aber stets fokussiert und entschlossen. Sie zeigt Gefühle, ohne sich davon treiben zu lassen, und genau diese Mischung sorgt dafür, dass man ihr gerne folgt. Besonders beeindruckend ist ihr Wandel im Laufe der Jahre. Aus einer eher klassisch angelegten Ermittlerin wurde Schritt für Schritt eine Figur mit mehr Tiefe, Ecken und inneren Konflikten. Persönliche Erfahrungen hinterlassen Spuren, machen sie verletzlicher und gleichzeitig interessanter. Dadurch gewinnt ihr Charakter an Gewicht und hebt sich spürbar von vielen anderen Kommissaren im Tatort ab. | © ARD
Hamburg: Stoever und Brockmöller
Über fast zwei Jahrzehnte hinweg gehörten Paul Stoever und Peter Brockmöller zu den prägenden Gesichtern des Tatort. Zwischen 1984 und 2001 stand das Hamburger Duo für eine ganz eigene Tonlage, die sich wohltuend vom klassischen Krimi-Pathos abhob. Verkörpert von Manfred Krug und Charles Brauer brachten sie eine Mischung auf den Bildschirm, die sofort wiedererkennbar war: norddeutsche Ruhe, trockene Pointen und ein Zusammenspiel, das nie aufgesetzt wirkte. Gerade in den 90ern liefen sie zur Hochform auf und zählten konstant zu den Favoriten beim Publikum.
Das Besondere lag weniger in spektakulären Fällen als im Miteinander. Stoever und Brockmöller brauchten keine großen Gesten, keine lauten Konflikte. Ein Blick, ein kurzer Kommentar, ein leiser Seitenhieb reichten oft aus, um ihre Dynamik spürbar zu machen. Genau diese Zurückhaltung gab den Figuren Tiefe und machte sie so glaubwürdig.
Und dann ist da noch dieser kleine, charmante Nebenaspekt: Manfred Krug ließ immer wieder seine musikalische Seite einfließen. Ob am Klavier oder mit Gesang, diese Momente verliehen dem Ganzen eine persönliche Note und sorgten dafür, dass das Duo noch ein Stück unverwechselbarer wurde. | © ARD
Ludwigshafen: Lena Odenthal
Seit 1989 ist Lena Odenthal eine feste Konstante im Tatort und zählt damit zu den langlebigsten Figuren überhaupt. Gespielt von Ulrike Folkerts hat sie über Jahrzehnte hinweg ein Profil entwickelt, das sich klar von vielen anderen Ermittlern abhebt.
Gerade in den 90ern setzte sie Maßstäbe. In einer Zeit, in der starke weibliche Hauptfiguren im deutschen Fernsehen noch längst keine Selbstverständlichkeit waren, stand Odenthal für Eigenständigkeit und Durchsetzungskraft. Sie wirkte nie wie eine Kopie männlicher Kollegen, sondern brachte von Anfang an ihren eigenen Ton mit.
Was sie bis heute prägt, ist ihre ruhige, kontrollierte Art. Sie beobachtet genau, spricht wenig, handelt überlegt. Gleichzeitig bleibt sie auf Distanz, fast unnahbar, was ihr eine besondere Autorität verleiht. Genau dieses Auftreten sorgt dafür, dass viele Zuschauer ihr vertrauen und sie als verlässliche Größe wahrnehmen.
Bemerkenswert ist auch, wie konstant die Figur trotz zahlreicher Veränderungen geblieben ist. Unterschiedliche Partner an ihrer Seite haben den Ton immer wieder leicht verschoben, doch Lena Odenthal selbst hat nie an Kontur verloren. Stattdessen ist sie mit den Jahren gewachsen und gehört heute zu den prägendsten Gesichtern des Tatort. | © ARD
München: Batic & Leitmayr
Seit 1991 ermitteln Ivo Batic und Franz Leitmayr in München und sind damit eines der beständigsten Teams im Tatort. Gespielt von Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl stehen sie seit Jahrzehnten für Verlässlichkeit und eine unaufgeregte Erzählweise, und genau darin liegt ihre Stärke. Die Münchner Folgen setzen weniger auf große Effekte, sondern auf Bodenhaftung und Themen, die nah an der Lebensrealität bleiben. Oft geht es um gesellschaftliche Fragen, Alltagskonflikte und menschliche Abgründe, ohne dass dabei der moralische Zeigefinger dominiert.
Sowohl in den 90ern als auch 2000ern hat der Münchner Tatort starke Jahre, was im Tatort eher die Ausnahme ist. Diese Konstanz hat maßgeblich dazu beigetragen, dass sich das Duo über Generationen hinweg ein treues Publikum sichern konnte. Was viele Zuschauer auch besonders schätzen, ist die Balance im Zusammenspiel. Batic und Leitmayr wirken vertraut, fast wie alte Bekannte, ohne jemals langweilig zu werden. Sie funktionieren ohne große Gesten, ohne künstliche Zuspitzung, einfach über ihr Zusammenspiel.
Mit weit über 100 gemeinsamen Fällen gehören Ivo Batic und Franz Leitmayr zu den produktivsten Ermittlern der Reihe. Dieses Durchhaltevermögen macht sie zu einem echten Dauerphänomen im Tatort. | © ARD
Duisburg: Schimanski und Thanner
Als Horst Schimanski 1981 im Tatort auftauchte, wirkte das wie ein Befreiungsschlag für die Reihe. Gespielt von Götz George stellte er vieles auf den Kopf, was bis dahin als gesetzt galt. Statt geschniegelt aufzutreten, kam er im Parka daher, statt höflicher Distanz gab es klare Worte und einen Ton, der näher an der Straße lag als am Schreibtisch. Gemeinsam mit Christian Thanner, verkörpert von Eberhard Feik, brachte er eine neue Direktheit in die Geschichten. Die Fälle aus dem Ruhrgebiet fühlten sich rauer an, unmittelbarer, manchmal auch unbequemer. Genau das sorgte dafür, dass diese Folgen bis heute als stilprägend gelten.
Seine prägendste Phase hatte Schimanski ganz klar in den 80ern. In dieser Zeit entwickelte sich der Charakter zur Kultfigur, die weit über den Tatort hinaus Wirkung entfaltete. Das Publikum mochte ihn gerade wegen seiner Ecken und Kanten, weil er aneckte, Grenzen überschritt und dabei immer authentisch wirkte. Und dann ist da noch dieser besondere Status: Die Popularität war so groß, dass Horst Schimanski später seine eigene Filmreihe bekam. Ein Schritt, den nur sehr wenige Ermittler gegangen sind und der zeigt, welchen Stellenwert diese Figur in der deutschen Fernsehgeschichte einnimmt. | © ARD
Köln: Ballauf und Schenk
Seit 1997 ermitteln Max Ballauf und Freddy Schenk in Köln und stehen für viele Zuschauer sinnbildlich für den „klassischen“ Tatort. Gespielt von Klaus J. Behrendt und Dietmar Bär setzen ihre Folgen weniger auf große Experimente als auf solide erzählte Kriminalgeschichten. Ihre Stärke liegt in der Konstanz. Klare Dramaturgie, prägnante Dialoge und Figuren, die sich über die Jahre glaubwürdig weiterentwickeln, prägen den Kölner Stil. Besonders in den 2000er- und frühen 2010er-Jahren gehörten ihre Fälle regelmäßig zu den Quotenhits mit einem Millionenpublikum.
Was das Duo so zugänglich macht, ist die Art, wie es mit der Zeit gegangen ist. Ballauf und Schenk durften älter werden, mit allen Spuren, die das hinterlässt. Erfahrungen, Zweifel und eine gewachsene Partnerschaft sind sichtbar geworden, ohne dass die Figuren ihre Identität verloren haben. Im Detail zeigt sich das in kleinen, wiederkehrenden Eigenheiten. Freddy Schenk und seine Vorliebe für bodenständiges, deftiges Essen gehören ebenso dazu wie die ruhigere, nachdenklichere Art von Max Ballauf. Solche Nuancen verleihen dem Team Profil und machen es über Jahrzehnte hinweg unverwechselbar. | © ARD
Münster: Thiel und Boerne
Wenn ein Tatort-Team echte Popkultur geworden ist, dann das aus Münster. Seit 2002 sorgen Frank Thiel und Karl-Friedrich Boerne für einen Ton, der sich klar vom Rest abhebt. Gespielt von Axel Prahl und Jan Josef Liefers verbinden ihre Folgen klassischen Krimi mit Humor, Wortwitz und einer fast schon sitcomartigen Dynamik.
Die eigentliche Erfolgswelle setzte um 2010 herum ein. In dieser Phase wurden die Einschaltquoten regelmäßig außergewöhnlich hoch, und die Münster-Folgen entwickelten sich zu echten TV-Events. Viele Episoden zählen bis heute zu den meistgesehenen der gesamten Reihe.
Der Kern des Erfolgs liegt im Zusammenspiel der Figuren. Hier prallen zwei Welten aufeinander: der pragmatische, geerdete Thiel und der selbstverliebte, hochintelligente Boerne. Aus diesem Gegensatz entsteht ein ständiges Kräftemessen, das mal bissig, mal verspielt wirkt und genau dadurch so unterhaltsam ist.
Spannend ist auch die Entwicklung im Detail. Die exzentrischen Züge von Karl-Friedrich Boerne waren zu Beginn tatsächlich deutlich zurückhaltender. Erst mit wachsendem Erfolg wurden Eigenschaften wie seine Eitelkeit oder seine Vorliebe für große Auftritte stärker betont und gezielt ausgebaut. Genau diese Überzeichnung hat dem Duo im Laufe der Zeit zusätzlichen Wiedererkennungswert verliehen. | © ARD
Wo wir gerade bei deutschem Fernsehkulturgut sind...
Nicht nur der Tatort gehört im deutschen Fernsehen zu den absoluten Dauerbrennern. Es gibt noch deutlich mehr Sendungen, die über Jahrzehnte hinweg laufen. Doch welche gibt es schon am längsten, und welche Shows sind überraschenderweise nicht dabei? Das alles haben wir hier fein säuberlich für euch aufgelistet: Das haben wir schon immer so gemacht! Die ältesten Deutschen TV-Formate, die bis heute laufen | © ZDF
Mehr dazu
Mehr